Reparaturcafé in Leeste besteht seit fünf Jahren / Ehrenamtliche ziehen Bilanz

Wenn der Superkleber zum Einsatz kommt

Ob eine kaputte Uhr oder ein altes Bügeleisen: Die Ehrenamtlichen des Reparaturcafés Leeste, Jörg Lohrmann (sitzend), Helmut Ehrichs (l.) und Harald Meyer, helfen, wo sie nur können. Maike von Ahsen, Mitarbeiterin im Seniorenbüro, hofft, dass ihre Uhr bald wieder läuft.
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Ob eine kaputte Uhr oder ein altes Bügeleisen: Die Ehrenamtlichen des Reparaturcafés Leeste, Jörg Lohrmann (sitzend), Helmut Ehrichs (l.) und Harald Meyer, helfen, wo sie nur können. Maike von Ahsen, Mitarbeiterin im Seniorenbüro, hofft, dass ihre Uhr bald wieder läuft.

Leeste – Von Stehlampen über Toaster-Radios bis hin zu Staubsaugern. Seit fünf Jahren besteht das Reparaturcafé in der Alten Wache in Leeste. 40 Mal hat es seitdem jeden ersten Samstag im Monat geöffnet. 768 Teile haben die Ehrenamtlichen in dieser Zeit zur Reparatur bekommen. Woher sie das so genau wissen? „Weil wir jedes Teil aufschreiben, das repariert wurde“, erklärt Harald Meyer. Er, Jörg Lohrmann und Helmut Ehrichs sind von Beginn an mit dabei. „In 60 Prozent der Fälle konnten wir helfen und die Teile reparieren“, berichtet Lohrmann.

Der 5. September 2015 bildete den Startschuss. „Am ersten Tag hatten wir schon 21 Teile zu reparieren. 13 davon haben wir geschafft. Wir mussten uns ja auch erst mal finden“, sagt Lohrmann.

Er erzählt etwas zur Entstehung: „Ich wurde damals vom Vereinsvorsitzenden der Alten Wache, Gerd Göde, angesprochen, ob wir das nicht auch machen wollen. Dann sind wir zu anderen Reparaturcafés nach Syke und Brinkum gefahren und haben uns dort umgeguckt. Und dann haben wir gefragt, wer Interesse hat, so etwas umzusetzen.“ Daraufhin sei die Idee in die Tat umgesetzt worden. Mit einem Team von zwölf Ehrenamtlichen sind sie letztendlich gestartet.

Ehrichs sagt dazu: „Reparaturcafés liegen ja schon seit Längerem im Trend.“ Aus seiner Sicht haben sowohl sie als Ehrenamtliche als auch die Menschen, die kommen, etwas von dem Konzept: „Wir können unsere erworbenen Fähigkeiten einsetzen und die, die zu uns kommen, freuen sich, weil ihre lieb gewonnenen Dinge wieder zum Leben erweckt worden sind.“ Als Beispiel nennt er Keramik, die zerbrochen ist und geklebt werden muss. „Wenn wir etwas repariert haben, sehen wir danach die Freude bei denen, die uns besuchen.“

Meyer sagt, dass das Café aber nicht nur ein Ort ist, um alte Dinge reparieren zu lassen, sondern auch ein Ort, „um ein bisschen Klönschnack zu machen“. Er sagt mit einem Lachen: „Einige kommen immer wieder. Die suchen glaube ich vorher im Keller, damit sie wiederkommen können.“ An den Terminen gebe es Kaffee, Tee und Brötchen, die eine ehrenamtliche Helferin zubereite.

Wegen der Corona-Krise musste das Reparaturcafé für längere Zeit ausfallen. Am 5. September durften die Ehrenamtlichen die Pforten nach etwa sechs Monaten wieder öffnen. „Es kamen direkt 26 Leute“, erinnern sich die Rentner. Ein- und Ausgang waren voneinander getrennt. Auch Kaffee und Kuchen konnten nicht angeboten werden, so Meyer über den Start nach dem ersten Lockdown. Zudem empfingen die Spezialisten die Leute einzeln. Es durften sich nicht mehr als zehn Personen in einem Raum aufhalten, fügt Ehrichs hinzu. „Sie mussten ihre Hände desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz tragen.“ Die Reparateure hätten ebenfalls eine Maske getragen, so Lohrmann.

Nun musste das Café wegen eines zweiten Lockdowns wieder schließen. Wir dürfen im November nicht aufmachen“, sagt Ehrichs. Ob sie die Pforten im Dezember wieder öffnen dürfen, ist unklar. „Sobald die Situation sich verbessert, gehen wir wieder frisch an den Start“, verkündet Ehrichs.

Zwischen zehn und zwölf Reparateure helfen regelmäßig ehrenamtlich mit. Nach und nach hätte sich herauskristallisiert, wer wo seine Stärken habe. „Es sind viele Elektriker, Tischler. Maschinenbauer und Elektroingenieure“, listet Meyer auf. „Und Allrounder“, fügt Ehrichs mit einem Lachen hinzu. Einen Puppendoktor, der sich um Teddys und Stofftiere kümmert, gibt es auch. „Ich bin zuständig für den Superkleber und mache auch ein bisschen Elektro“, sagt Ehrichs. „Und ich bin der, der die Leute empfängt. Also ich mache die Zuteilung und sage den Leuten, wer ihr Gerät am besten reparieren kann, weil ich weiß, wer was am besten kann“, so Meyer. Er ergänzt: „Kleine Teile übernehme ich aber auch.“ Dann lacht er. Die Spezialisten seien zwischen Mitte 60 und Ende 70, sagt Meyer.

Lohrmann erinnert sich an ein kurioses Erlebnis: „Wir hatten hier mal einen Staubsauger, der saugte nicht mehr. Dann hat sich herausgestellt, dass sich im Staubsaugerrohr eine Nuss verklemmt hatte.“ Er sagt: „Wir haben unseren Spaß dabei.“

An ein schönes Erlebns kann er sich auch noch erinnern: „Eine Dame kam mal mit einem Kofferradio. Das lag ihr sehr am Herzen. Das hat auch jemand zum Reparieren mit nach Hause genommen.“ Sie hätte Tränen in den Augen gehabt, als sie das Radio wieder bekommen hatte.

Dass ein Ehrenamtlicher ein Gerät mit nach Hause nimmt, sei nicht die Regel. „In den meisten Fällen schaffen wir es in der Zeit“, sagt Lohrmann.

Er erzählt, dass meistens ältere Besucher kämen. „Ein paar Junge kommen mal vorbei, aber in der Regel sind es die älteren Herrschaften. Oder die Oma mit ihrem Enkel“, berichtet er. Die Jüngeren würden eher Dinge wegwerfen, so Meyer. Die meisten Besucher brächten Elektrogeräte mit. „Am meisten mit dabei sind Puppen, Radios, Nähmaschinen, Kaffeemaschinen und Staubsauger“, sind sie sich einig. Staubsauger seien die Klassiker. Laptops und Computer würden sie selten reparieren. „Wir wollen anderen nicht die Arbeit wegnehmen. Daher ist das nur die Ausnahme“, sagt Meyer.

An einem Tag wurden mal 40 Teile abgegeben. „Neun waren der schlechteste Tag“, bilanziert Lohrmann. 20 Teile sind der Durchschnitt, schätzt Ehrichs. „Die Leute sind hellauf begeistert. Die finden das toll, wenn wir das machen. Auch wenn wir etwas mal nicht hinbekommen, dann haben die gesagt, dass wir trotzdem eine gute Einrichtung sind“, freut sich Lohrmann.

Alte Wache geschlossen

Aufgrund der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen hat die Gemeindeverwaltung unter anderem beschlossen, dass die Alte Wache für sämtliche Veranstaltungen geschlossen ist. Diese Regelung gilt zunächst für den Monat November, teilt Vorsitzender Gerd Göde auf der Vereins-Homepage mit.

Von Lara Terrasi

Werkzeug über Werkzeug: Die Ehrenamtlichen des Reparaturcafés in Leeste bringen gerne kaputte Dinge wieder in Gang. (Das Bild entstand noch vor den Corona-Einschränkungen, Anm. d. Red.).

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