Grundschule Leeste: Rektorin Ingrid Delgehausen wechselt in den Ruhestand

Weltraum bleibt Dauerbrenner

Ingrid Delgehausen mit ihren Schülern. - Foto: Ehlers

LEESTE - Von Sigi Schritt. Für die Leester Erst- bis Viertklässler ist der 22. Juni ebenso ein besonderer Tag wie für die Rektorin der Grundschule, Ingrid Delgehausen. Die Kinder verabschieden sich an jenem Mittwoch in die Sommerferien – die 64-Jährige in den Ruhestand. Die engagierte Lehrerin will dann als Pensionärin dort anknüpfen, wo sie in der Schule aufgehört hat: Schüler für den Weltraum und für die Forschung begeistern.

„Es gab noch keine deutsche Frau im Weltall“, wundert sich Delgehausen. Zumindest gebe es in Leeste derzeit Grundschülerinnen, die für die Weltraumforschung „brennen“. Wenn die Mars-Mission startet, könnte vielleicht sogar jemand aus den Reihen ihrer heutigen Erst- bis Viertklässler nach Abitur und Studium möglicherweise das Astronauten-Team verstärken. „Kinder sind begeisterungsfähig. Sie saugen alles auf wie ein Schwamm.“

Delgehausen hat mit einem Projekt zur jüngsten Alexander-Gerst-Mission die Weichen für längerfristige und deutschlandweite einmalige Zusammenarbeit zwischen der Hundertwassergrundschule Leeste und den Projektpartnern DLR School Lab Bremen und Airbus Defence and Space gelegt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist eine der größten und modernsten Forschungseinrichtungen Europas und kooperierte zuvor nur mit älteren Schülern, erläutert Delgehausen. In Leeste müssten insbesondere Schülerinnen nur die Möglichkeiten nutzen, Naturwissenschaft zu erleben.

Das war in ihrer Kindheit völlig anders. Sie musste für den Besuch des Gymnasiums kämpfen. Geboren 1951 in der Gaststätte ihrer Eltern in Arnum bei Hannover, sollte sie gegen ihren Willen die Realschule absolvieren. Sie lernte damals einen engagierten Rektor kennen, der ihren Eltern ins Gewissen redete. „Er hat sie auf den Pott gesetzt. Meine Eltern könnten ihrem Kind den Gymnasiumsbesuch nicht verweigern. Was früher die Aussteuer war, ist heute die Ausbildung.“ Dieser Trick zog. „Bei einem zweiwöchigen Probeunterricht in einem Mädchengymnasium wurde geschaut, ob ich intelligent genug bin“, blickt Delgehausen schmunzelnd zurück. Dort gehörten später Physik, Chemie und Technik zu ihren Lieblingsfächern. Auch die Pflanzenwelt hatte es ihr angetan. „Ich hatte als kleines Mädchen bereits einen eigenen Garten“. Trotz guter Zeugnisse sollte sie in der zehnten Klasse – aus Kostengründen – abgehen, um eine Lehre zu beginnen. Delgehausen weigerte sich und half mit, die Haushaltskasse aufzubessern. „Ich habe damals von vier bis sechs Uhr die Tageszeitung ausgetragen. Und mehr verdient als andere in der Lehre.“ Das hat die Eltern überzeugt, sie bekam den Segen, Abitur zu machen. Ausbildungsunterstütung vom Staat für die Zeit in der Oberstufe lehnte ihr strenger Vater strikt ab. Also heuerte Delgehausen bei der Telefonauskunft an und absolvierte mache Nachtschicht. Außerdem verstärkte sie ein Postausträgerteam. „Dadurch habe ich viele Berufe kennengelernt“, erinnert sie sich.

Nach dem Abi ergriff sie das Lehramtsstudium in Hannover. Und war mit 22 Mathe-lehrerin mit Biologie im Nebenfach. Sie trat ihre erste Stelle 1973 an einer Volksschule in Ostfriesland an. Zwei Jahre später fing sie in der KGS Barsinghausen an. Sie war ein „Arbeitstier“. Nach dem Tod ihres Vaters pflegte sie nicht nur ihre Mutter, sondern studierte nebenbei Philosophie und schloss es mit einem Diplom ab. Die Mutter von drei Kindern lernte eine Mini-Grundschule bei Seelze kennen, in der zwei Jahrgänge eine Klasse bildeten. In ihrer Freizeit spielt sie Tuba in einem Musikzug und kandidierte auf der SPD-Liste vergebens für den Bundestag.

Für ihre zweite Liebe zu einem Airbus-Ingenieur folgte 2004 ein Umzug in die Region Bremen. Delgehausen übernahm eine Grundschule bei Rotenburg. Und vor acht Jahren kam sie nach Leeste. „Der Bürgermeister Frank Lemmermann wollte eine Ganztagsgrundschule aufbauen. Das spart Hortplätze ein“, erinnert sie sich. Diesem Wunsch hat sie entsprochen. Mit viel Elan und mit der Hilfe der Lehrer, Eltern, Schüler und dem Förderverein hat die Rektorin die Leester Grundschule umgekrempelt: Sie hat einen Namen bekommen. Außerdem kämpfte die Rektorin für die Renovierung zahlreicher Räume samt Turnhalle und Sportplatz und ging viele Projekte an. So musizierten das Polizeimusikcorps ebenso mit den Schülern wie die Bremer Philharmoniker. Und das Weltraum-Projekt? „Das ist fest im Schulprogramm verankert“, so Delgehausen. Das führt dann der Nachfolger fort.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

IAA 2017: Diese 12 Traumautos können Sie jetzt schon kaufen

IAA 2017: Diese 12 Traumautos können Sie jetzt schon kaufen

Sommerabend des Kirchenkreises Walsrode

Sommerabend des Kirchenkreises Walsrode

Suu Kyi bietet Rohingya Rückkehr nach Myanmar an

Suu Kyi bietet Rohingya Rückkehr nach Myanmar an

Diese neuen Kreuzfahrtschiffe starten 2018

Diese neuen Kreuzfahrtschiffe starten 2018

Meistgelesene Artikel

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

637. Großmarkt: Viel Spaß und ein nasses Ende

Barnstorf und Goldenstedt in Not: „Wolfsrudel muss entfernt werden“

Barnstorf und Goldenstedt in Not: „Wolfsrudel muss entfernt werden“

Barrierin betreibt Blog über ihre behinderte Tochter

Barrierin betreibt Blog über ihre behinderte Tochter

Ein ganzes Dorf feiert Erntefest

Ein ganzes Dorf feiert Erntefest

Kommentare