Wolfgang Schierenbeck organisiert ersten Weyher Gedenktag für NS-Widerstandsbewegung

Von der „Weißen Rose“ lernen

Wolfgang Schierenbeck schaut sich auf der Seite des Deutschen Historischen Museums Bilder von Sophie Scholl an. Sie ist ein Hinrichtungsopfer der Gestapo. Foto: Sigi Schritt

Weyhe - Von Sigi Schritt. Auf Straßenschildern können Buchstaben vielleicht verblassen – der Name Geschwister Scholl bleibt aber stets mit der NS-Widerstandsbewegung „Die Weiße Rose“ verbunden. Daran erinnert seit vielen Jahren ein Gemeindeweg in Leeste. Dem Kirchweyher Wolfgang Schierenbeck reicht das nicht aus, um an die Münchner Gruppe um Sophie und Hans Scholz zu gedenken. Das Mitglied des Kirchenvorstands der Felicianusgemeinde hat für Samstag, 22. Februar, den ersten Gedenktag der Wesergemeinde organisiert und prominente Unterstützer wie den Weyher Bürgermeister bekommen.

Der Weyher Wolfgang Schierenbeck bewundert den Mut der Widerstandskämpfer, sich gegen das NS-Regime aufzulehnen. Zusammen mit den Geschwistern Scholl bildeten auch Alexander Schmorell, Christoph Probst, Willi Graf und der Professor Kurt Huber nach der Darstellung des Deutschen Historischen Museums den Kern der Gruppe. Der musste die Herstellung und Verteilung von insgesamt sechs Flugblättern 1943 mit dem Leben bezahlen.

Bei dem Abwurf des letzten Flugblatts im Lichthof der Uni München wurden die Geschwister Scholl am 18. Februar beobachtet und von der Gestapo verhaftet, so Schierenbeck. Die Widerstandskämpfer wurden am 22. Februar zusammen mit Christoph Probst vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet, rekonstruiert das Deutsche Historische Museum.

In einem weiteren Prozess wurden Schmorell, Graf und Huber am 19. April ebenso zum Tod verurteilt und auch hingerichtet.

„Es gab wenige Menschen in dieser Zeit, die Flagge gezeigt haben“, findet der Kirchenvorsteher Schierenbeck. Rund acht Jahrzehnte später sei das mit einer Positionierung gegen Fremdenfeindlichkeit, gegen Hass und Antisemitismus erneut angebraucht. Und die Menschen könnten sich am Mut der Scholl-Geschwister aus Ulm ein Beispiel nehmen. Doch dafür müsste man das Wirken der „Weißen Rose“ erst mal kennen.

Schierenbeck zitiert den ehemaligen Weyher Bürgermeister Andreas Bovenschulte, der vor einigen Monaten in einer Veranstaltung in der Hansestadt gesagt hat, dass die Kirche den Kitt der Gesellschaft bilde und eine Speerspitze gegen Menschenverachtung darstelle. Schierenbeck habe sich ebenfalls den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck zum Vorbild genommen. „Wir sind die Beauftragten, unser Land menschlicher zu machen“, so Schierenbeck. Der Aufforderung des ehemaligen Staatsoberhaupts wolle der Weyher gerne nachkommen.

Von den sechs Flugblättern werden drei vorgelesen. Diakonin Janna Eckert thematisiert das erste Flugblatt, Dr. Diedrich Heumann das zweite, und die Worte des sechsten, das in der Uni abgeworfen worden ist, trägt der Autor Falko Weerts vor. Für Weerts ist es ebenfalls ein großes Anliegen, Position zu beziehen. Das Vorhaben von Schierenbeck habe ihn beeindruckt. Obgleich die KGS Leeste und Kirchweyhe immer wieder zu diesem Thema Unterrichtseinheiten planen, gibt es laut Weerts dennoch Schüler, die mit dem Namen „Weiße Rose“ nichts anfangen können. Die Veranstaltung, für die Schierenbeck Unterstützung der Kirchengemeinde und aus dem Rathaus bekommt, beginnt um 19 Uhr. Eingeladen hatte der Organisator Gäste außerhalb der Grenzen der Wesergemeinde wie zum Beispiel Elvira Noa, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Bremen, sowie Niedersachsens Landesbeauftragten gegen Antisemitismus, Franz Rainer Enste.

Das Programm beginnt mit einem Auftritt von Olga Klosowska. Sie spielte bereits die erste Violine des polnischen Staatsorchesters von Olsztyn. Schierenbeck habe die Musikerin 2019 kennengelernt und für dieses Projekt gewinnen können. „Sie verzichtet auf ein Honorar“, sagt Schierenbeck erfreut. Der Kirchenvorsteher kündigte an, dass sie die Titelmelodie des Films Schindlers Liste spielen wird.

Pastor Gerald Meier wird laut einer Ankündigung ins Thema einführen und zu den Redebeiträgen überleiten. Geplant ist außerdem eine Darbietung von Schülern der Gemeinde – es beteiligen sich die Weyher Jusos.

Fürbitten, Segen und auch ein Vater-unser-Gebet runden die Veranstaltung ab. Sie soll aber bewusst keinen Gottesdienstcharakter haben, so der Organisator Schierenbeck.

Weitere Infos auf

www.dhm.de/lemo/biografie/sophie-scholl

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