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Wegweiser für Schutzsuchende

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Von: Sigi Schritt

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Regelmäßig mit dem Dienstwagen der Gemeinde unterwegs: Joshua Kohls.
Regelmäßig mit dem Dienstwagen der Gemeinde unterwegs: Joshua Kohls. © Sigi Schritt

„Kein Tag ist wie der andere“, sagt Joshua Kohls. Der 20-Jährige aus Syke engagiert sich in Weyhe in der Flüchtlingssozialarbeit. Dort unterstützt er das Rathaus-Team um Integrationslotsen Wahid Hydari. Ziel sei es, den geflüchteten Menschen nicht nur einen sicheren Platz zum Leben zu bieten, sondern ihnen eine Integration zu ermöglichen. Schließlich habe sich Weyhe zu einem sicheren Hafen erklärt, ergänzt Bürgermeister Frank Seidel.

Weyhe – Insgesamt 700 Schutzsuchende leben in Weyhe. Es seien viele Nationen dabei, sagt Kohls. Im Vergleich zu anderen Kommunen sei es eine Besonderheit, dass die Flüchtlinge in Weyhe nicht etwa in Sammelunterkünften wohnen, sondern in Wohnungen und Mehrfamilienhäusern in allen neun Ortsteilen leben.

Tägliche Sprechstunde für Flüchtlinge

Wie ein Tag für Kohls abläuft? Es gehe um 8 Uhr los mit der täglichen Sprechstunde. Das Büro des Integrationsteams befindet sich in einer Außenstelle des Rathauses, in einer ehemaligen Arztpraxis am Westermoor. „Wenn die Geflüchteten Hilfe benötigen, kommen sie zu uns.“ Es geht um Anträge – Papierkram, der aber wichtig sei. Das Team in der Außenstelle würde den Ratsuchenden beim Ausfüllen helfen. „Das ist nicht einfach, auch wenn man Deutsch als Muttersprache hat“, sagt er. Die Anträge seien nicht unbedingt gut zu verstehen. Es gehe in den Papieren zum Beispiel um Fragen der Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland, um Kindergeld, Sozialhilfe oder um die Aufnahme der Kinder in einen Kindergarten oder in die Schule, sagt der 20-Jährige.

Erste Schritte in der Region

Um sich in Weyhe und Umgebung zurechtzufinden würden die Geflüchteten insbesondere bei ihren ersten Schritten in der Region unterstützt: Joshua Kohls fährt sie mit einem Dienstwagen schon mal zur Schule oder zu einer Behörde nach Syke, sollte es notwendig sein.

Wohnungen werden mit gespendeten Möbeln eingerichtet

Ein Großteil seiner Aufgabe bestehe darin, Wohnungen im Besitz oder Eigentum der Gemeinde so herzurichten, dass dort Flüchtlinge einziehen können.

Die Gemeinde setzt auf Möbelspenden, die Helfer regelmäßig abholen. Wenn Wohnungen aufgelöst werden, weil etwa die Bewohner in ein Seniorenheim umziehen, würden die Sofas, Sessel, Tische, Stühle, Schränke und Betten eine neue Verwendung bekommen. „Wir sammeln die Möbelspenden ein. Sie kommen dann in ein Lager.“

Damit aber nicht genug. Das Integrationsteam zeigt den Geflüchteten die Kommune, wo sie einkaufen können „Wir fokussieren uns auf die Familie, damit sie einen guten Start in Weyhe bekommen.“

Dankbare Menschen

Joshua Kohls erlebe regelmäßig dankbare Menschen, die sehr erleichtert seien. Nicht mit allen könnte er sich auf Englisch verständigen. „Die Ortskräfte aus Afghanistan sprechen gutes Englisch und wollen sich integrieren.“ Es gebe auch Flüchtlinge, die nur ihre Muttersprache beherrschen. Irgendwie verständige man sich schon.

„Ich sehe die Menschen in einem anderen Licht“

Joshua Kohls

Die Arbeit mit den Schutzsuchenden habe ihn verändert, sagt Kohls: „Ich sehe die Menschen in einem anderen Licht, von denen man sonst nur in den Medien hört.“

Sie hätten Vertrauen gefasst und ihm ihre Lebensgeschichte erzählt. Der 20-Jährige fand es schon vorher richtig, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt. Die Bundesregierung sollte dieses Engagement fortsetzen, findet er.

Dass sein freiwilliges Engagement gut ankommt, merke er spätestens bei den Einladungen der gastfreundlichen Familien. Unterm Strich hätten sich seine Erwartungen im Bundesfreiwilligendienst erfüllt, sagt der angehende Informatik-Student. „Ich wollte nach der Schule etwas Praktisches machen, bevor es wieder in die Schule geht.“ Bei der Gemeinde Weyhe habe er einen passenden Platz gefunden. Seine Arbeit erfülle ihn.

Von Sigi Schritt

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