An den Wasserturm in Kirchweyhe erinnert nur noch ein Wohngebietsname

Das gesprengte Wahrzeichen

Sprengung des Wasserturms am 13. Januar 1976. Ein Kirchweyher Wahrzeichen verschwand, doch die Siedlung und eine Straße erhielten seinen Namen.Repro/
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Sprengung des Wasserturms am 13. Januar 1976. Ein Kirchweyher Wahrzeichen verschwand, doch die Siedlung und eine Straße erhielten seinen Namen.Repro/

Kirchweyhe - Von Wilfried Meyer. Einheimischen ist er noch gut in Erinnerung: Unmittelbar neben der alten westlichen Rampe der Eisenbahnüberführung stand bis zum 13. Januar 1976 ein weithin sichtbarer Wasserturm.

Damals sprengte man ihn, heute würde er möglicherweise als Baudenkmal erhalten bleiben. Längst erinnert nur der Straßenname „Am Wasserturm“ an diesen Standort; das gesamte Neubaugebiet wurde nach ihm benannt. Viele der Bewohner haben den Wasserturm allerdings nie gesehen.

Im Jahr 1921 rückten Arbeiter an, um den Wasserturm zu bauen. Das Bauwerk wurde 31 Meter hoch; nur der Kirchturm mit seinen 36 Metern war höher. Die gesamte Wasserinstallation stammte von der Schmiede Bieritz, später Wolters.

Der alte Wasserturm war nicht das einzige weithin sichtbare Wahrzeichen Kirchweyhes. Bei den beiden Lokschuppen des Bahnbetriebswerkes stand schon seit 1910 ein stählerner Turm, der die Wasserzapfstellen für Lokomotiven versorgte. Er hatte sogar ein Fassungsvermögen von 500 Kubikmetern, während der neuere Turm nur 300 Kubikmeter Wasservorrat aufnehmen konnte. Dafür verfügte er aber über eine Filteranlage, sodass er die Trinkwasserversorgung für die Eisenbahndienststellen und -siedlungen übernehmen konnte. Ältere Bewohner der Eisenbahnerwohnungen erinnern sich noch, dass sie um 1958 eine monatliche Wassergeldpauschale von sage und schreibe eine Mark zu zahlen hatten.

1922, ein Jahr nach seiner Erbauung, begannen die Bauten für die geplante Bahnüberführung, deren Fertigstellung dann rund 70 Jahre dauern sollte. Schon 1913 hatte es erste Pläne für das Projekt gegeben. Der „Allgemeine Anzeiger“ vom 8. Februar 1913 schreibt: „Seit einigen Tagen liegt beim Gemeindevorsteher der Plan für den Erweiterungsbau des hiesigen Bahnhofs vor. Die Überfahrt bei Oetjen (heute Kirchweyher Hof) wird aufgehoben und statt dessen eine Überführung gebaut. Die Gastwirtschaft wird verschwinden, da die Bahn das Grundstück ankaufen will.“

Doch alles kam anders. Der Erste Weltkrieg, die nachfolgenden wirtschaftlichen Probleme und die Inflation machten alle Pläne zunichte. Das frühere Gasthaus steht immer noch, und die Brückenrampen blieben jahrzehntelang als Torso in der Landschaft liegen. Kinder nutzten sie als ihre Lieblingsspielplätze, und im Winter als Rodelberg. Man nannte sie „Baracken- und Postberg“, da sie im östlichen Teil genau vor der Post in die Bahnhofstraße mündeten. An der westlichen Rampe hatte man bereits im Ersten Weltkrieg Holzbaracken aufgestellt, um Soldaten der Truppentransporte zu versorgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte man die Gebäude noch lange als Wohnungen für Heimatvertriebene.

Bei den Erdarbeiten für die jetzige Überführung wurde der gelbe Sand, der dort seit 70 Jahren ungenutzt lagerte, nicht verwertet. Er stammt übrigens aus der Lüneburger Heide und fiel beim Bau der Eisenbahnstrecke Uelzen–Walsrode an. Seit Anfang 1993 rollt nun schon der West-Ostverkehr in Weyhe über die neue Bahnüberführung. Neubürger können sich nur noch anhand der restlichen Straßenabschnitte vorstellen, wie es hier früher ausgesehen hatte.

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