Wasserschutzpolizei der Hansestadt hilft auch auf dem Wieltsee aus

Mit dem Sportboot „Bremen 15“ auf Streife

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Holger Knauer beendet die Visite in der Marina Wieltsee und steuert die Weser an.

Weyhe - Von Vanessa Siemer. Nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf dem Wasser ist die Polizei unterwegs, um für die Sicherheit zu sorgen. Auf der Weser, zwischen Wieltsee und der Schleuse in Hemelingen, sind Beamte aus zwei Bundesländern in ihren Booten auf Streife. Die einen kommen aus Bremen, die anderen aus Nienburg.

An der Eisenbahnbrücke in Dreye verläuft die Grenze ihrer Zuständigkeitsgebiete. Die Bremer Polizisten schauen diesmal auf dem Wieltsee vorbei und treffen ihren Nienburger Kollegen Dirk Hartung an Land. „Wir sind acht Beamte für 440 Kilometer Wasserstraße“, erzählt er. Die Nienburger könnten daher nicht immer vor Ort sein. Die Dienstgruppe „Ermittlung und Sportschifffahrt“ der Bremer Wasserschutzpolizei hilft dann aus, so wie an diesem Tag.

„Die Zusammenarbeit zwischen der bremischen und niedersächsischen Polizei ist gut“, sagt Holger Knauer aus der Hansestadt. „In erster Linie geht es um den Bürger. Daher dürfen die Zuständigkeiten keine Rolle spielen“, ist auch Hartung überzeugt.

Ihr Job hat mit Verfolgungsjagden à la James Bond allerdings nicht viel gemein. „Wir tragen zwar alle eine Waffe, doch auf dem Wasser hatte ich meine noch nie in der Hand“, sagt der Nienburger Wasserschutzpolizist Dirk Hartung. „Wir hatten bisher nur zwei Verfolgungsjagden mit unserem Sportboot“, berichtet sein Bremer Kollege Knauer über die meist entspannte Situation auf der Bundeswasserstraße.

Nach einem Stopp in Sudweyhe auf Smokey Island geht es für die Bremer Beamten wieder zurück auf die Weser. Beim Ablegen sind die Aufgaben klar verteilt. Maurice Myschker holt seine Schwimmweste aus der Kabine und legt sie sich um. „Wir sind Vorbilder. Andere tragen die Weste viel zu selten.“ Am Bug befestigt er die blauen Fender, also den Schutz für das Schiff, und löst die vorderen Seile, mit denen das Polizeiboot mit dem Namen „Bremen 15“ festgemacht war.

Auf der Weser nimmt das Boot an Fahrt auf

Holger Knauer startet den Motor, und die Schiffsschraube wirbelt das Wasser auf. Während die Maschine warmläuft, löst der Polizist die hinteren Seile. Das Wasser schäumt beim Losfahren auf. Nachdem die „Bremen 15“ die schmale Ausfahrt des Wieltsees passiert hat, nimmt sie auf der Weser an Fahrt auf.

Knauer drückt den Gashebel leicht nach vorne und das Boot hebt sich aus dem Fluss. Am Motor bauscht sich eine gewaltige Welle auf, und an beiden Seiten spritzt das Wasser nach oben.

Bis die „Bremen 15“ in die sogenannte Gleitfahrt kommt, ist der Motor sehr laut – die Beamten müssen fast schreien, um sich zu verstehen. „Gleitfahrt bedeutet, dass das Boot auf seiner eigenen Heckwelle fährt“, erklärt Myschker. Er schaut auf die Weser und grüßt die vorbeikommenden Kapitäne. Der Wassersport sei sehr im Kommen, gerade am Wochenende werde es auf der Weser voll. Dennoch: „Der Umgangston auf dem Wasser ist wesentlich freundlicher als auf der Straße“, berichtet er.

Der Himmel ist blau, die Sonne brennt, und die Sicht aufs Wasser ist perfekt. Zeit für einen Plausch. Die beiden Polizisten steuerten oft Sportboot-Häfen wie die Wieltsee-Marina an und zeigten dort Präsenz. Die Kriminalität auf dem Wasser habe „stark zugenommen“, so Knauer. Es gebe zahlreiche Diebstähle von Motoren oder ganzen Booten. Seit mehreren Jahren steige die Zahl der Fälle an. Das belege die Statistik. „In Deutschland gibt es jährlich einen Schaden von rund elf Millionen Euro.“ Das Phänomen der Kriminalität auf dem Wasser bestehe seit Mitte der 1990er-Jahre, weiß auch Dirk Hartung aus Nienburg. Er und seine Bremer Kollegen fordern mehr Verantwortung der Freizeitkapitäne und eine bessere Sicherung der Sportgeräte.

Mit der Wasserschutzpolizei auf Streife

In den Sommermonaten sind die Polizisten besonders häufig mit dem Boot unterwegs. „Wir sind nicht nur Ermittler, sondern auch Ansprechpartner“, sagt Knauer. Wenn die Beamten beispielsweise an den Vereinsstegen vorbeischauten, der Wieltsee hat mehrere davon, dauere es keine zwei Minuten, bis Wassersportler die ersten Fragen stellten. „Diese Kontaktpflege ist wichtig. Wir sind alle Befürworter des Wassersports.“

Im Winter, von November bis März, wenn es auf dem Wasser ruhiger zugeht, codieren die Beamten vor allem Motoren, fertigen Broschüren an und kümmern sich um die Präventions- und Ermittlungsarbeit. Die Codierungsaktion ähnle der für Fahrräder – nur dass nicht die Rahmen, sondern die Motoren Nummern bekommen. Seit 1999 können die Beamten auf eine Datei zurückgreifen, um den Motor-Diebstählen entgegenzuwirken.

Nachdem die Bremer Beamten ihre Kontrollfahrt auf der Weser beendet haben, steuern sie ihren Heimathafen an. Die Büroarbeit wartet, denn auch sie gehört zum Job der Wasserschutzpolizei.

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