Plötzlich fremdgesteuert

Was denken Bürger in Weyhe über die Ausgangssperre?

Was denken Bürger über die Ausgangssperre? Bei den Weyher Parkplatz-Gesprächen ist herausgekommen, dass die Meinungen darüber geteilt sind. Es fühle sich seltsam an, plötzlich fremdgesteuert zu sein und nicht mehr selbst entscheiden zu können, wann man nach Hause kommt. 

Weyhe – Die Corona-Notbremse ist im Landkreis Diepholz ausgelöst. Ab Mittwoch gilt die Ausgangssperre. Demnach ist es zwischen 22 Uhr und 5 Uhr nur noch in Notfällen und aus Arbeitsgründen möglich, das Haus zu verlassen. Was denken die Bürger über die Ausgangssperre? Bei den Weyher Parkplatz-Gesprächen ergibt sich kein einheitliches, sondern ein geteiltes Bild.

Mareike Spratte aus Kirchweyhe findet es „gut und richtig“, dass die Ausgangssperre greift. Sie bedauert es, dass einige den Kampf gegen das Virus nicht ernst genug nehmen. Die 25-Jährige findet, dass die Ausgangssperre aber nur in großen Städten greifen sollte, in der die Wohnbebauung viel dichter sei als in Weyhe. Sie wohne am Marktplatz und habe einen guten Überblick, ob da zum Beispiel abends oder am Wochenende etwas los sei. Im Vergleich zum Vorjahr ist es in der guten Stube Weyhes sehr viel leiser geworden. Es würden am Abend kaum Bürger dort spazieren gehen. Sie könnte sogar sagen: „Jetzt ist dort Ruhe.“ Dass es Ausnahmen gibt, sei richtig. Sie halte ein Pferd. Sollte im Stall ein Notfall auftreten, hindere sie die Notbremse nicht, zu ihrem Pferd zu fahren. Die junge Kirchweyherin merkt an, dass der Landkreis Diepholz sehr groß sei. Es sei nicht richtig, dass Ereignisse im Südkreis das Geschehen im Nordkreis beeinflussen.

Mareike Spratte (25) aus Kirchweyhe

Für zwei Weyherinnen persönlich sei die Ausgangssperre eher unbedeutend. „Sie interessiert mich nicht“, sagt Sonja Schierenbeck (47) aus Leeste. Sie könne darauf verzichten, von einem Besuch später nach Hause zu fahren. Aber „für die jungen Menschen tut es mir leid, die ihre Jugend genießen wollen“. Die nächtliche Zeit sei es, in der man gerade am Wochenende ungestört Freunde trifft. Für ihren 16-jährigen Sohn sei das wegen der Pandemie nicht möglich. Sein Glück sei es, dass er laut Schierenbeck ein Hobby pflege, das er trotz Corona uneingeschränkt ausüben könne. „Er ist ein leidenschaftlicher BMX-Fahrer.“ Er halte auf der Skaterbahn in Kirchweyhe „genügend“ Abstand und feile an so manchem Trick.

Die 47-Jährige hofft auf den Sommer. „Wir wollen wieder ein Stück Normalität. Es fühlt sich seltsam an, fremdgesteuert zu sein.“

Ähnlich geht es Diana Linz. Für die 42-Jährige aus Kirchweyhe sei die Ausgangssperre nicht relevant. Was sie wirklich mitnimmt, sei etwas ganz anderes. Ihr gehe es nahe, dass ihre Töchter ab einer Inzidenz von 100 keine Schule mehr hätten. Sie würden darunter leiden, nicht mehr am Präsenz-Unterricht teilnehmen zu dürfen. Die eine Tochter hoffe, dass ihr Notenschnitt nicht absinkt, und die andere Tochter sei völlig unterfordert. In der Not würde sie daheim Experimente veranstalten. So habe sie Kinderriegel mit Brot in einen Toaster gesteckt und habe wissen wollen, was mit der Schokolade passiert. Das Ergebnis: Alle Heizlamellen seien mit Schokolade verklebt. „Wir mussten einen neuen Toaster kaufen.“

Diana Linz (42) aus Kirchweyhe

Die Ausgangssperre findet Andrea Auerbach (28) aus Syke „unsinnig“. Sie würde „das Leben verkomplizieren“. Das Coronavirus sage doch nicht, ich bin nachts weg, sondern es ist rund um die Uhr aktiv. Als Mutter sei sie zunächst nicht von einer Ausgangssperre betroffen. Aber sie kennt Freunde im Einzelhandel und im Krankenhaus, die bis 22 Uhr arbeiten. Sie dürften sich dann am Wochenende nicht treffen. „Wenn ich kinderfrei habe, weil mein Mann mit dem Kind daheim ist, möchte ich nicht auf die Uhr schauen müssen, wann es wieder nach Hause geht. Wir halten alle Regeln ein, und setzen vor Besuchen auf freiwillige Tests, um niemanden zu gefährden.“ Das erwarte sie auch von anderen Menschen.

Andrea Auerbach (28)

Jürgen Franz aus Kirchweyhe will sich durch die Ausgangssperre „nicht verrückt“ machen lassen. Er hätte es besser gefunden, wenn Deutschland zur Corona-Bekämpfung viel eher einheitliche Regeln aufgestellt hätte. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen der Länder sei für ihn eine „Hampelei“ im „Föderalismus“. Es dürfe nicht sein, dass jeder Kreis, jedes Dorf, machen könne, was es will.

Von Sigi Schritt

Rubriklistenbild: © Sigi Schritt

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