Warnstreik vor dem Werksgelände/Forderung: Rückkehr zur Tarifbindung

mdexx: 160 Mitarbeiter legen ihre Arbeit nieder

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Warnstreik vor dem Werksgelände: Die Mitarbeiter fordern die Rückkehr zur Tarifbindung. Die Geschäftsleitung spricht von neuen „Sanierungs-Tarifverträgen“ für die Mitarbeiter und bietet Gespräche an.

Dreye - Von Detlef Voges. Bei der Firma mdexx in Dreye hängt der Haussegen schief. Am Donnerstag legte der Großteil der 160 Mitarbeiter für eineinhalb Stunden die Arbeit nieder. Mit einem Warnstreik vor dem Werksgelände forderten die Streikenden von der Geschäftsführung die Wiederherstellung der Tarifbindung und eine Rückkehr in den Arbeitgeberverband.

Die fehlende Tarifbindung erlaube nun Abstriche beim Lohn, beim Urlaub sowie beim Weihnachtsgeld und habe auch negative Auswirkungen auf die Arbeitszeiten, erklärte Thorsten Gröger von der Gewerkschaft IG Metall Nienburg und sprach von Verunsicherung und Ärger im Betrieb.

Die Geschäftsleitung hat nach Ansicht von Betriebsratsmitglied Michael Unger Misstrauen im Betrieb gesät mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband Ende 2014 trotz vorheriger schriftlicher Zusicherung zur Tarifbindung. Miteinander sehe anders aus. Für Unger ist die Unternehmensentscheidung ein weiterer Schritt hin zum Personalabbau.

„Wir kennen das“, sagt der Betriebsrat-Mitarbeiter und verweist auf die Geschichte des Hauses.

1961 wurde das Werk der Siemens AG auf dem ehemaligen Gelände der Lloyd-Motorenwerke in Bremen gegründet. 2009 erfolgte die Trennung von Siemens und der Gang in die Selbstständigkeit.

Umzug nach Dreye 2013. mdexx produziert dort nur noch Ventilatoren. Die ehemalige Produktion von Drosseln, Transformatoren und Stromversorgungen wird in die Tschechei verlagert.

Seit der Trennung von Siemens reduziert sich die Belegschaft von ehemals 489 auf heute knapp über 160 Mitarbeiter.

Die Abkehr von der Tarifbindung hält Gröger für einen „ernsthaften Anschlag auf die Tarifverträge“. Alles Positive in den Verträgen solle verschwinden.

Herbert Strosetzky, Ex-Betriebsrat, wird deutlicher. „Das Management hat keine Ahnung“, sagt er und fordert Einblick in die Bücher. Statt den Gewinn in den Betrieb zu investieren, habe die Geschäftsleitung das Geld in die eigenen Taschen gesteckt, so Strosetzky.

Anders sieht es die Geschäftsleitung. „Die Tarifbindung zwingt uns in die Knie“, sagt Silke Peitsch, Chefin des mdexx-Personalwesens und spricht davon, Altlasten über Bord zu werfen. Damit meint die Personalchefin auch und besonders Mitarbeiter-Verträge noch aus Siemens-Zeiten.

Der Flächentarifvertrag sei für die mdexx unangemessen, weil zu starr und unflexibel, heißt es in einer Presseerklärung der Geschäftsleitung. Peitsch: „Wir sind 20 Prozent teurer als unsere Mitbewerber.“ Das schlage sich in einer negativen Ergebnissituation nieder, die den Bestand des Unternehmens gefährde, wenn die Kosten nicht wettbewerbsfähig gestaltet würden. Die bisherigen tariflichen Regelungen hätten dies erschwert und verhindert, künftige Marktchancen wahrzunehmen.

Die Geschäftsleitung spricht von neuen „Sanierungs-Tarifverträgen“ für die Mitarbeiter und bietet Gespräche an.

Silke Peitsch sieht umfassenden Handlungsbedarf im Betrieb und schließt in die Diskussion auch die Dienstwagen der Führungskräfte mit ein. „Wir müssen Kosten einsparen“, so Peitsch, die bereit ist, dem Wunsch nach Einsichtnahme der Bücher nachzukommen.

Die Beschäftigten der mdexx GmbH haben einen offenen Brief an die Eigentümer, das CGS Management Haller, Lanz und Co., in der Schweiz geschrieben. Darin teilen sie ihren Unmut über die Geschäftsleitung und die hohen Berater-Kosten mit.

Gleichzeitig fordern sie die Rückkehr zur Tarifbindung und schließen das Mittel des weiteren Arbeitskampfes nicht aus. „Wir können noch zulegen“, so Thorsten Gröger.

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