CDU-Mann Knoerig gewinnt, aber seine Partei verliert kräftig

Wahlsieg mit Wermutstropfen und Schockfaktor für Grüne

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Persönlicher Erfolg für Axel Knoerig (Mitte), aber herbe Niederlage für die CDU: Die Stimmung während der Wahlparty in Baumanns Hof in Kirchdorf war gestern Abend vor allem fröhlich, aber auch von Enttäuschung geprägt.

Diepholz/Nienburg - Von Anke Seidel. Es ist ein Sieg mit einem bitteren Wermutstropfen: Zwar ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig mit 44,59 Prozent der Stimmen der eindeutige Gewinner der Bundestagswahl im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I.

Aber die Union hat sage und schreibe 5,6 Prozent ihrer Parteistimmen verloren, erreichte gerade einmal 37,91 Prozent. Ein Schock war die Wahl auch für die Grünen, weil die Bürger im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I der AfD mehr Stimmen anvertrauten als ihnen.

Die rechtspopulistische AfD erreichte 8,44 Prozent der Parteistimmen – und damit fünf Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren. Zwar knüpften die Grünen mit 8,14 Prozent an ihr Bundestagswahlergebnis von 8,18 Prozent vor vier Jahren an, stürzten aber auf den fünften Platz in der Ergebnisliste. Dafür strahlten die Liberalen: Sie hatten sich ihren früheren Platz drei zurückerobert – und ihr Ergebnis 2013 von 4,9 Prozent um 5,62 auf stolze 10,53 Prozent ausgebaut.

Diese Dynamik verhinderte im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I, was anderswo gelang: Für die AfD war der dritte Platz nicht drin – und nicht mehr zu holen als Platz vier.

Lange Gesichter bei der SPD: Tevfik Özkan (3.v.l.) musste sich gestern mit 27,31 Prozent der Stimmen zufriedengeben. - Foto: Ehlers

Keine Experimente: Die Wähler im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I wollen Stabilität – und Axel Knoerig wieder in Berlin. Denn der 50-Jährige aus Kirchdorf bekam fast sieben Prozentpunkte ganz persönliche Stimmen – so groß (exakt 6,68) war die Differenz zwischen dem Erststimmen- und dem Zweitstimmen-Ergebnis, also den Parteivoten. Trotz der herben Verluste ist das Ergebnis für den CDU-Bundestagsabgeordneten eine weitere Fahrkarte nach Berlin – mit kräftigem Rückenwind, weil er 17 Prozentpunkte mehr einheimste als sein Herausforderer.

Er habe das Wahlergebnis „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ zur Kenntnis genommen, sagte Knoerig. Dass seine Partei bundesweit auf 33 Prozent abgesackt war, machte den Bundestagsabgeordneten sprachlos. „Das hätte ich nicht erwartet. Damit ist die große Koalition abgewählt.“ Dabei hätten die Partner bisher „sehr verlässlich“ miteinander gearbeitet: „Es gab gute Ergebnisse. Die hätten wir besser kommunzieren müssen.“ Jetzt seien alle demokratischen Parteien aufgefordert, „mitzuhelfen, dass es zu einer vernünftigen Koalition kommt“. Ausdrücklich sah Knoerig auch die SPD in der Verantwortung.

„Das ist ein Tiefpunkt“

Für den 29-jährigen SPD-Bewerber Tevfik Özkan herrschte gestern Abend Flaute. Er musste sich mit 27,31 Prozent der Stimmen zufrieden geben. Vor vier Jahren hatte SPD-Bewerber Christoph Lanzendörfer noch 33,41 Prozent geholt – etwas mehr als seine Partei (31,48 Prozent). Gestern stürzten die Sozialdemokraten auf 25,47 Prozent – das sind sechs Prozent weniger als 2013. Ein schmerzhaftes Ergebnis auch deshalb, weil es noch unter den 27,72 Prozent der Bundestagswahl vor acht Jahren liegt.

„Das ist ein Tiefpunkt“, gestand Tevfik Özkan unumwunden ein. Der 29-Jährige mit türkischen Wurzeln hatte den Verlust „so arg nicht erwartet“. Denn bundesweit habe die SPD das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit eingefahren. Immerhin habe das Ergebnis im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I rund sieben Prozent darüber gelegen. Özkan konnte der Niederlage trotzdem noch etwas Positives abgewinnen: „Das ist ein klarer Auftrag für die SPD, in die Opposition zu gehen und sich stärker zu profilieren.“ Er sprach von einem „Neuanfang mit klarer Kante“.

Wahlbeteiligung bei 76,46 Prozent

Die Wahlbeteiligung lag am Ende bei 76,46 Prozent – und damit knapp drei Prozent über dem Ergebnis vor drei Jahren. Enorm hoch war diesmal die Zahl der Briefwähler. Weil sich das abzeichnete, hatte der Landkreis die Zahl der Helfer für die Briefwahl-Auszählung deutlich erhöht. 208 Ehrenamtliche, so berichtete Antje Hollberg auf Anfrage aus dem Kreishaus, zählten gestern Abend die Briefwahl-Stimmen aus dem Landkreis aus.

Ein spannender Wahlabend war es auch für Hartmut Albers, Leiter des Landkreis-Fachdienstes E-Government. Denn erstmals war das Internet-System Votemanager im Einsatz, damit Bürger via Internet vom Wohnzimmer oder vom Smartphone aus die Stimmenauszählung verfolgen konnten – bis in alle Wahllokale hinein. Und wie lief es mit dem Votemanager? „Super!“, stellte Albers während der heißen Phase zufrieden fest.

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