Wärme aus Biogasanlage

Okeler Firma plant auf Teilareal von Wehrmann Millionenprojekt

Die Nähe zur Biogasanlage macht den Standort auf dem Teilareal der früheren Ziegelei Wehrmann attraktiv: Dort errichtet ein Unternehmen aus Okel eine Anlage, um Klärschlamm aus der Region zu trocknen. - Foto: Schritt

Sudweyhe- Von Sigi Schritt. Die Biogasanlage am Sudweyher Kabelweg versorgt seit Jahren in Kirchweyhe das Freibad und die örtliche KGS mit Wärme. In einer anderen Anlage in Sudweyhe verpufft sie – seit zwei Jahren – ungenutzt: Die Ziegelei Wehrmann war bis zur Insolvenz für ihren Brennofen alleinige Abnehmerin der Wärme der nachbarschaftlichen Anlage. Künftig soll das landtechnische Lohnunternehmen „Laue + Vasicek“ davon profitieren.

Die Firma mit Sitz in Okel investiert laut Geschäftsführer Georg Vasicek einen Millionenbetrag, um auf einem Teilareal der früheren Ziegelei eine Klärschlammtrocknungsanlage zu errichten. Bis zu drei Arbeitsplätze werden dort geschaffen. Verarbeitet würden Überreste der Abwasserbehandlung aus der Region, unter anderem auch welche aus Syke, so Vasicek. „Es geht um kurze Wege.“ Der künftig in Sudweyhe angelieferte Klärschlamm bestehe zu 22 Prozent aus einer Trockensubstanz, rund 80 Prozent seien Wasseranteile. Vasicek bestätigt, dass die Anlage maximal 30 Tonnen pro Tag verarbeitet – auf das Jahr gerechnet dürfe das Unternehmen 7 .500 bis 10 .000 Tonnen in Empfang nehmen. Der Okeler Geschäftsführer rechnet maximal mit zwei bis drei An- und Abfahrten pro Tag.

Nach der Verarbeitung gewinne die Okeler Firma einen Stoff, der für die Zementindustrie als Sekundärbrennstoff verarbeitet werden kann. Dieser habe 90 bis 95 Prozent Trockensubstanz. Klärschlamm habe grundsätzlich einen Heizwert wie Braunkohle und könne Öl und Gas ersetzen, so Vasicek. Bislang wurde der Schlamm auf die Felder als Düngemittel aufgebracht. Diese Praxis werde in den nächsten Jahren begrenzt, ist sich der Investor sicher.

Dem Okeler Betrieb hat das Gewerbeaufsichtsamt Hannover als zuständige Behörde den vorzeitigen Baubeginn gestattet. Es geht dabei laut dessen Leiter Bernd Reese zunächst um den Erdaushub und den Bau einer Lagerhalle. „Eine endgültige Genehmigung haben wir deshalb noch nicht ausgesprochen, weil wir noch ein Geruchsgutachten separat prüfen“, so der Chef des Amtes.

„Eine Null-Immission gibt es nicht“

Grundsätzlich müsse die Sudweyher Anlage nach dem „Stand der Technik“ betrieben werden. Deshalb könne die Gewerbeaufsicht Auflagen fordern, denn es gelte, Umwelt und Nachbarn vor Immissionen zu schützen. Die beteiligten Behörden und Fachbehörden hätten in ihren Stellungnahmen grünes Licht gegeben, so Reese weiter. Er stellt klar: „Eine Null-Immission gibt es nicht. Die Frage ist allerdings, wie häufig es riecht.“ Das Maß müsse verträglich sein.

Auch an den Klärschlamm stellen die Behörden gewisse Qualitätsanforderungen, so Reese. So dürfe er keinerlei gefährliche Stoffe wie etwa Schwermetalle oder PCB beinhalten, erklärt er.

Eine Trocknung des Klärschlamms, um dem seit Oktober vom Gesetzgeber geforderten Phosphor-Recycling Rechnung zu tragen, sei noch „Zukunftsmusik“. Reese sei noch keine Anlage bekannt, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit Phosphor herausziehen könnte, derzeit sei das in der Probephase.

Extraktion noch Zukunftsmusik

Als Ergebnis der Abwasserreinigung fallen laut Mitteilung des Bundesumweltministeriums jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Klärschlamm (Trockenmasse) zur Entsorgung an. Klärschlamm enthält unter anderem „wertvollen und nur endlich verfügbaren Rohstoff Phosphor“, der zur Düngung von Pflanzen genutzt werden kann und knapper werdende Rohphosphate ersetzt, so die Behörde.

Deutschland ist bei der Versorgung mit Mineraldüngerphosphat vollständig von Importen abhängig. Gegenwärtig werden fast zwei Drittel der kommunalen Klärschlämme verbrannt, ohne dass der darin enthaltene Phosphor genutzt wird, so das Ministerium. Nur noch etwa ein Drittel der Klärschlämme wird derzeit unmittelbar zur Düngung in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau eingesetzt. Künftig werden nur noch Klärschlämme mit sehr geringen Schadstoffanteilen auf dem Acker genutzt werden können. Diese Regelungen haben insgesamt zur Folge, dass mittelfristig die meisten Klärschlämme nicht mehr als Düngemittel verwendet werden dürfen, so das Ministerium.

Für die Firma aus Okel sei die Extraktion des Düngemittel-Stoffs zwar noch Zukunftsmusik, aber bereits angedacht, sagt Georg Vasicek.

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