Vollgas in den Sommerferien

KGS Leeste: Didaktischer Leiter Wolfram Boberski wechselt bald in den Ruhestand

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Wolfram Boberski in seiner langjährigen Wirkungsstätte: der KGS Leeste. 

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Ich dachte, es geht ruhig zu Ende, doch weit gefehlt.“ Kurz vor seiner Pension hat Wolfram Boberski, Didaktischer Leiter der KGS Leeste, noch viele Listen auf dem Boden ausgebreitet. Das ist auch ein Sinnbild für sein hehres Ziel, den Stundenplan so zu gestalten, dass alle Schüler ihre gewünschten Fächer und Kurse bekommen. Nach den Schulentlassungen werde er in den Sommerferien noch ein paar Tage als Pensionär dranhängen, damit die Oberstufenschüler einen guten Start bekommen.

Mit viel Freude ist er am Werk, um die Schüler den Fächern und Lehrern zuzuordnen. Boberski deutet zum Beispiel auf die Profilwahllisten fürs nächste Schuljahr, in die sich die Siebtklässler eintragen mussten. „Die Wahl war früher für Klasse sieben, heute erst für den achten Jahrgang. Der Unterricht wird nicht nur integrativ, also sich über alle Schulzweige erstrecken, sondern auch Inklusionsschüler einbinden“, erklärt er. Auf eine Besonderheit ist Boberski besonders stolz – dass die KGS Leeste Informatik anbietet. Das soll perspektivisch einer von mehreren Schwerpunkten werden. „Die Idee ist, Informatik an die Oberstufe zu bringen und den Schülern in der Oberstufe in Verbindung mit Kunst die Wahl zu lassen, das Fach statt einer zweiten Fremdsprache zu belegen. Sie beschäftigen sich laut Boberski unter anderem mit Grafik-Design und dem Aufbau von Computer- und Smartpad-Bildschirmen. Es geht um die Programmierung von einfachen und komplexen Apps sowie Homepages. „Das ist die einzige Schule in der Region, die so etwas anbietet.“

Damit der Laden zu Beginn des neuen Schuljahrs von Anfang an rund läuft, muss die Schulleitung die erste Zeit in den großen Ferien viel organisieren, sagt der Didaktische Leiter. Ist die Arbeit getan, will Boberski sein Büro „ausmisten und die persönlichen Sachen entfernen“. Denn er möchte seiner Nachfolgerin Nathalie Pehlke (Bartsch) „ein besenreines Büro übergeben“.

Er habe gerne die Funktion des Didaktischen Leiters übernommen, sagt er. Sie beinhaltet eine „gewisse Allzuständigkeit. Ich mag es, Dinge zu entwickeln.“ Lehrer, Eltern, Schüler stellen Projekte vor und er organisiert dafür zum Beispiel Geld.

Der künftige Pensionär wäre gerne eher schon Lehrer geworden, doch wegen eines Einstellungsstopps sei sein Leben anders verlaufen, als übliche Karrieren.

Wolfram Boberski wurde 1951 in Bremerhaven geboren. Nach seinem Abi studierte er in Göttingen und Marburg für das gymnasiale Lehramt Deutsch, Politik, Wirtschaft mit Jura, Statistik und Geografie und legte 1977 ein nach eigenen Angaben „sehr gutes Examen“ ab. Vor dem Referendariat wurde er zwischenzeitlich Vertragslehrer in einem Krankenhaus in Bremen für sozial benachteiligte Jugendliche, unterrichtete am Gymnasium Wesermünde und erhielt einen Ruf an das Hermann-Böse-Gymnasium in Bremen. Als Stipendiat des Börsenvereins forschte er in bekannten Bibliotheken und in den 1980er-Jahren sogar in den Landesbibliotheken und Zentralarchiven in der damaligen DDR. Zwischenzeitlich heiratete er Brigitte, seine Liebe aus der zehnten Klasse, und sie bezogen gemeinsam ein Domizil in Weyhe. „Wenn man ein unruhiges Berufsleben hat, muss man einen Ankerpunkt haben.“

Boberski leitete in Bruchhausen-Vilsen einen von der Gewerkschaft Bildung und Wissenschaft gegründeten Lernhilfeverein und bildete sich anschließend als Kommunikationsprogrammierer für Großrechner fort. Als Bahn-Pendler begleitete er den Transformationsprozess der DDR in der Funktion eines Dozenten, um zum Beispiel arbeitslose Ingenieure des Atomkraftwerks Greifswald als Führungskräfte zu qualifizieren. „Die waren hoch motiviert und bekamen im Westen sofort einen Job.“

Erst 1994 wurde er Studienrat, als das Landesschulamt die Oberstufe in Schneverdingen ausbaute. Er hatte sich erfolgreich gegen 177 Mitbewerber durchgesetzt. Erst war er kommissarischer Didaktischer Leiter, dann Fachbereichsleiter für Deutsch, Werte und Normen sowie Religion.

Wie er zur KGS Leeste kam? „Ich war Elternvertreter und habe den damaligen KGS-Direktor Dirk Tack gefragt, ob er einen Job für mich hat“, antwort Boberski. 2003 habe er eine Stelle bekommen, ab 2011 die der Didaktischen Leitung. Schnell hatten die Schüler dem beliebten Lehrer den Spitznamen „Bobby“ verpasst.

Wie Boberski sich den Ruhestand vorstellt? Er will anknüpfen an die Forschung im Rahmen seiner angefangenen Dissertation und wie einst Quellenforschung in Archiven betreiben. Das Thema damals: Literaturpolitik des Dürerbunds. Außerdem will sich der Modelleisenbahner intensiver seinem Hobby widmen und weiter an einer Anlage bauen.

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