Im Garten von Ehepaar Mühlenbeck 

Vogelparadies mit menschlichem Anschluss

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Waltraud Mühlenbeck zeigt das Bild eines Fliegenschnäpper-Kükens.

Weyhe - Von Julia Kreykenbohm. Ein kleines, zerzaustes Köpfchen ragt über den Rand des Nestes. Dunkle Knopfaugen schauen neugierig in die Kamera, als wollten sie fragen: „Was machst du denn da?“ Waltraud Mühlenbeck zeigt lächelnd das Bild, das sie von dem kleinen Fliegenschnäpper geschossen hat. Und dafür hat sie nur vor die Tür gehen müssen, denn das Nest haben die Vogeleltern direkt neben ihrer Haustür an der Alten Hauptstraße gebaut.

In ihrem Garten haben Mühlenbeck und ihr Mann so etwas wie einen kleinen „Vogelpark“ – ohne ihn bewusst angelegt zu haben. Ihre fedrigen Besucher kamen von ganz allein. Vielleicht, weil ihnen die Gegend so gut gefällt und sie dort optimale Bedingungen vorfinden. Oder vielleicht, weil sie spüren, dass sie in dem Ehepaar zwei echte Vogelfreunde gefunden haben, die ihnen gern Obdach gewähren.

„Mein Mann hat einmal ein Gänseküken mitgebracht. Dem haben wir zur Gesellschaft ein Huhn gekauft. Die beiden hingen dann immer zusammen“, erinnert sich Mühlenbeck und lacht. Wo die Gans auch hinging, das Huhn war nicht weit. Erstere habe sich nach einer Weile zum echten Hauswächter gemausert und Alarm geschlagen, sobald Fremde des Grundstück betraten.

Außerdem hat das Ehepaar Hühner aus Legebatterien gekauft und ihnen so noch einen schönen Lebensabend in Freiheit beschert. Diese Hühner seien nach einer Weile richtig zahm geworden, hätten Abends mit auf der Bank gesessen und zugeschaut, wenn Mühlenbecks Mutter strickte.

Seit vielen Jahren kommt auch ein Turmfalkenpaar, das dort seine Jungen aufzieht. „Wenn wir im Mai den Balzruf der Falken hören, wissen wir, dass sie zurück sind.“ Mühlenbeck und ihr Mann beobachten dann, wie die Kleinen gefüttert werden und schließlich eigene Flugversuche unternehmen.

Ein Turmfalke, den Waltraud Mühlenbeck in ihrem Garten abgelichtet hat.

Auch ein Dompfaff-Paar schaut regelmäßig an der Alten Hauptstraße vorbei. „So hübsche Tiere, man kann sich gar nicht an ihnen sattsehen“, schwärmt Mühlenbeck. Allerdings sei es nahezu unmöglich, sie vor die Kamera zu bekommen. Aber die Rentnerin will es trotzdem weiter versuchen, so wie sie auch die übrigen „Gäste“ auf Bild gebannt hat, wie sie stolz zeigt.

Die 73-Jährige hält engen Kontakt zum Naturschutzbund, schreibt, welche Vögel bei ihr Station machen und erfährt auf diese Weise interessante Details über ihre geflügelten Gäste, zu denen auch Hausrotschwänze, Zaunkönige, Blau- und Kohlmeisen zählen.

„Einmal ist sogar ein Schwan bei uns gelandet. Da mussten wir die Feuerwehr rufen“, berichtet Mühlenbeck. Und wenn Treibjagd im Bruch ist, suchen Fasane im Nachbarsgarten Unterschlupf. Das Nest einer Amsel habe sie hingegen einmal entfernen müssen, da diese beschlossen hatte, es direkt in ihrem Blumenkasten zu bauen, was das Gießen unmöglich gemacht hätte.

Das Unverständnis der Nachbarn

Was Mühlenbeck traurig stimmt, ist das Unverständnis, das einige ihrer Nachbarn den Tieren entgegenbringen. „Einmal haben Waldohreulen in den Bäumen gebrütet. Die Kleinen haben nachts immer geschrien und das hat die Bewohner gestört. Sie haben immer wieder aus dem Fenster gebrüllt. Die Eulen sind nicht wieder gekommen und wir haben das sehr bedauert.“

Auch die Schwalben, die jedes Jahr bei ihnen zu Gast waren, kommen nicht mehr, seit Nachbarn die brütenden Tiere vertrieben haben. „Natürlich machen diese Nester Dreck, aber es ist trotzdem traurig.“ Für Mühlenbeck ist es schwer nachzuvollziehen, dass Menschen den Tieren nicht ein wenig Platz einräumen wollen. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Singvögel zurückgegangen ist. „Das liest man ja jetzt häufiger und das macht mir Sorgen.“

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