Vierbeinige Landschaftspfleger

Wasserbüffel in der Leester Marsch machen einen guten Job

Landwirtschaftsmeister Michael Bode-Kirchhoff aus Brinkum (links) sorgt für eine fachgerechte Betreuung der Leester Wasserbüffel. Beim Nabu in Weyhe ist Thomas Brugger (rechts) für die Tiere und das Büffelweidenprojekt zuständig. Fotos: Rainer Jysch

Wer mit dem Fahrrad durch die Marsch von Brinkum über Leeste nach Kirchweyhe fährt, sieht mit etwas Glück ein paar Wasserbüffel, wenn sich die acht Hörnerträger nicht gerade in einer Senke wiederkäuend zur Ruhe gelegt haben, oder im Hochsommer bis zum Hals in einem kleinen See stecken, um ihre Körpertemperatur zu regulieren.

Leeste - Von Rainer Jysch.  „Die Büffel haben nur ein Sechstel der Schweißdrüsen einer normalen Rinderrasse. Das bedeutet, dass sie nicht so gut schwitzen können und sich deshalb im Wasser abkühlen müssen, wenn hohe Temperaturen herrschen. Dann liegen sie stundenlang im Teich. Manchmal ist auch der gesamte Kopf unter Wasser und es gucken nur noch die Nüstern raus“, berichtet Thomas Brugger, der beim Nabu in Weyhe zuständige Mitarbeiter für das im Oktober 2014 gestartete Büffelweidenprojekt. Anfangs waren es nur vier Tiere: Zuchtbulle Artus, Kuh Laura und ihre Halbschwester Mette mit Kalb George. In 2016 und 2018 haben insgesamt fünf Geburten die kleine Rinderfamilie erweitert, darunter zwei Kühe mit weißem Fell und zwei schwarze Jungbullen. Bulle Artus musste dafür wegen der Gefahr der Inzucht allerdings weichen. Die Rolle der Herden-Chefin hat seitdem Kuh Laura übernommen.

„Wir haben es hier mit dem domestizierten, europäischen Wasserbüffel zu tun, der aus der asiatischen Rasse entstanden ist“, erzählt Brugger. So sei die europäische Wasserbüffelrasse ursprünglich in Italien und in Ländern Osteuropas gezüchtet worden. „Es gibt ganz verschiedene Arten, die man gut an der Kopfform sowie an der Form und Stellung der Hörner unterscheiden kann“, erklärt er.

Die Wasserbüffel in der Leester Marsch sind knapp zwei bis rund acht Jahre alt und haben ein Gewicht von 500 bis 600 Kilo. Ochse George liegt bei rund 800 Kilogramm. „Ein ausgewachsener Bulle kann schon mal 1200 Kilo wiegen“, weiß Thomas Brugger zu berichten. „George ist unser Prachtexemplar, schade dass wir den kastriert haben“, bedauert er. „Da er aber ein Nachwuchs aus der ersten Kuh Laura ist, können wir ihn hier nicht als Zuchtbullen einsetzen.“

Die Lebenserwartung der exotischen Rinder liegt bei 25 bis 30 Jahren. Wasserbüffel sind gutmütig und neugierig, dennoch sollten Spaziergänger einen respektvollen Abstand einhalten, falls die Tiere mal an den Zaun kommen, insbesondere wenn die Muttertiere Kälber führen. „Die Büffel sollten auch nicht gefüttert werden“, bittet Thomas Brugger die Passanten. „Alles, was die Tiere brauchen, finden sie auf der Weide oder erhalten sie im Rahmen der Pflege.“

Fünf der momentan insgesamt acht Wasserbüffel, die sich in der Leester Marsch als vierbeinige Landschaftspfleger bewährt haben.

Landwirtschaftsmeister Michael Bode-Kirchhoff aus Brinkum sorgt für eine fachgerechte Betreuung der Leester Wasserbüffel. Im Sommer sind die Tiere meistens Tag und Nacht draußen auf der Weide. Je nach Witterung haben die acht Rinder aber auch die Möglichkeit, in einem separaten Bereich des offenen Stalls der Familie Bode-Kirchhoff zu schlafen. Je nach Bedarf gelangen die Tiere selbständig von der Weide über einen schmalen Weg zu dem fast 50 Quadratmeter großen, mit Heu ausgelegten Unterstand. Im Winter dient ihnen diese Bleibe auch tagsüber als geschützter Rückzugsort. Auf ihrem Weg zum Stall wechseln die Wasserbüffel von der Gemeinde Weyhe in die Gemeinde Stuhr. Der Grenzgraben wurde speziell für diesen Zweck mit einem Betonrohr überbrückt. „Das ist gelebte Nachbarschaft“, scherzt Michael Bode-Kirchhoff. Der Nabu habe ursprünglich überlegt, einen eigenen kleinen Stall auf der Weidefläche zu bauen. „Das hat sich dann aber aus Kosten- und Genehmigungsgründen schnell zerschlagen“, sagt Thomas Brugger. „Bei uns waren ja die Voraussetzungen bereits da. Wir mussten nur die Überwegung über den Graben schaffen“, ergänzt Bode-Kirchhoff.

Die seinerzeit von einem Züchter aus Bremen-Grolland erworbenen Wasserbüffel sind Teil des extensiven Beweidungsprojektes. Der Job der Rinder ist es, das Gras niedrig zu halten und so einen Lebensraum für Vogelarten zu schaffen, die es sonst an dieser Stelle nicht geben würde. „Noch vor 30 Jahren war in der Leester Marsch überall Vieh zu sehen. Wo gibt es denn heute hier noch Rinder?“, fragt sich Bode-Kirchhoff. „Weideflächen werden bei intensiver Nutzung vier bis fünf Mal im Jahr gemäht und immer kurz gehalten. Vögel haben da keine Chance, im Mai ihre Brut durchzubringen.“

„Extensive Beweidung heißt, dass das 7,5 Hektar große Land nicht wirtschaftlich beweidet wird, um eine Artenvielfalt bei Flora und Fauna zu erreichen: keine Düngung und keine Spritzmittel“, erklärt Thomas Brugger. Dass das funktioniert, hat er bereits festgestellt: „Ich habe hier schon wieder sechs Kiebitze gesehen und die Schnepfenvögel Bekassine und Rotschenkel sind ebenfalls beobachtet worden. Da bekommen wir gerade eine riesige Wiesenvogelpopulation“, freut sich der Nabu-Mann.

„Häufig sitzen Stare auf den Büffeln und futtern denen die Insekten aus dem Fell“, sagt Brugger. „Und die Wiesenschafstelzen wandern den Rindern zwischen den Beinen herum und warten darauf, dass Fliegen aufgescheucht werden, die sich die Vögel dann wegschnappen.“ Auch Störche, Fischreiher und Graugänse sind als Gäste auf der Weide gesehen worden.

In den Wintermonaten bekommen die Leester Wasserbüffel ausschließlich Heu dazugefüttert. „Mit Kraftnahrung können die gar nicht umgehen“, meint Bode-Kirchhoff. „Die Tiere müssen ja auch nichts leisten, müssen keine Milch produzieren oder übermäßig Fleisch ansetzen. Das ist tatsächlich nur der Erhaltungsbedarf, den die Tiere aufnehmen. Weidegras im Sommer und gutes Heu sind dafür allemal ausreichend“, so der bio-zertifizierte Landwirt. „Viel bessere Bedingungen für eine Tierhaltung gibt es eigentlich nicht.“

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