Umwelt-Projekt bildet den Grundstein

Vier Weltverbesserer: Diese vier Mädchen befreien Weyhe von Müll

Sind verärgert über den ganzen Müll: Nika (v.l.), Naima, Luna und Mirja.
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Sind verärgert über den ganzen Müll: Nika (v.l.), Naima, Luna und Mirja.

Weyhe – Alles begann bei einer Gassirunde mit Hund Spike. Da fiel es den Mädchen wie Schuppen von den Augen: Die Umwelt ist voll mit Müll. Hier ein Schokoriegel-Papier, dort ein Stück Folie. „Am häufigsten finden wir Zigarettenstummel“, erzählt die zehnjährige Mirja aus Erichshof. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und zwei Freundinnen geht sie immer mal wieder Spazieren, um die Gemeinde von Müll zu befreien.

Pünktlich nach der Schule, bewaffnet mit zwei Mülltüten und Handschuhen, starten die vier Mädchen ihre Runde an der Hördener Straße. Es geht Richtung Mühlenkamp. Die Gruppe teilt sich in Zweierteams auf: zwei Mädchen pro Straßenseite. Das machen sie, damit kein Müll übersehen wird. Naima fischt eine Schokoriegelverpackung aus dem hohen Gras. „Da hat’s wohl jemandem geschmeckt“, sagt ihre Mutter Monique. „Aber der Umwelt nicht!“, antwortet ihre Tochter und wirft das Stück Plastik in den Beutel.

„Hier ist eine Plastikflasche“, ruft die neunjährige Luna. Sie befreit sie von Gras und Erde und wirft sie in einen der Müllbeutel. „Die muss schon länger da gelegen haben“, meint Monique. Sie begleitet die Kinder gemeinsam mit Hund Spike und passt auf, dass die Mädchen nicht übereifrig werden. „Schau mal! Da auf der anderen Straßenseite liegt noch mehr Müll!“, ruft die zehnjährige Mirja, als sie an der Brinkumer Straße ankommen. „Ja, aber da lauft ihr bitte nicht rüber“, mahnt ihre Mutter mit Blick auf den regen Feierabendverkehr.

Folienreste säumen die Äcker der Gemeinde.

Monique ist begeistert von dem Engagement der Kinder. Sie erzählt, dass sie ganz von selbst auf die Müllsammel-Aktion gekommen seien. Durch ein Umwelt-Projekt der Grundschule seien sie schon vorab für das Thema Müll und Umwelt sensibilisiert gewesen. Außerdem, das weiß die zehnjährige Naima, können Tiere Müll mit Nahrung verwechseln und im schlimmsten Fall daran sterben. „Das hat unser Hund Spike zu Anfang gemacht“, erzählt Monique. Die Kinder hätten das mitbekommen und sich gesorgt.

Batterie steckt zwischen Steinen fest - da muss ein Profi ran

Auf dem Gehweg an der Brinkumer Straße entdecken die Mädchen eine Batterie – eingeklemmt zwischen Backsteinen. Mit bloßer Fingerkraft bekommen sie sie nicht frei. Mirja schnappt sich einen kleinen Stock, schiebt ihn in die Fuge und versucht so, die Batterie freizubekommen – vergebens. Die Gruppe ist sich einig: Da muss ein Profi ran.

Nika sammelt Zigaretten aus dem Gebüsch.

Ein Auto fährt vorbei und hupt als Mirja gerade ein Stück schwarze Folie von einem Acker holt und Luna einen Kassenbon vom Boden aufhebt. „Der hat sich bestimmt gefreut“, meint Luna. „Warum sollte man sich auch nicht freuen, wenn man was Gutes tut?“, fragt sich Naima, als der Fahrer eines nachfolgenden Autos eine glimmende Kippe aus dem Fenster wirft. Die Mädchen sind frustriert. „Warum machen die Menschen das?“, fragt Nika. „Die sind doch blöd!“, sagt Naima. Gerade Zigarettenstummel sind es, die den Hauptanteil des gesammelten Mülls ausmachen.

Müllbeuten sind am Ende bis zum Rand gefüllt

Am Mühlenkamp angekommen, sind die Beutel randvoll gefüllt. Die Vier ziehen ein Fazit. Außerdem sind in den Beuteln etliche Plastikflaschen, Taschentücher, eine Tintenpatrone, die Überreste eine Fahrradklingel und Folienschnipsel. Zwischen den Holzbrettern einer Bank entdeckt Mirja Kronkorken, die vermutlich mutwillig dazwischen gestopft wurden. Die Befreiungsaktion entpuppt sich – ähnlich wie die Batterie-Angelegenhiet – als Mammutaufgabe und ist für den Moment unlösbar. Mirja ist sauer. „Welche bescheuerten Leute machen das?“

Die Mädchen versuchen zu entziffern, wie alt der im Gras gefundene Kassenbon schon ist.

Nach zwei Stunden knoten sie die Beutel zu und hängen sie an einen öffentlichen Mülleimer. Die vier Mädchen wollen Vorbilder für ihre Mitmenschen sein. Sie hoffen, dass nicht mehr so viel Müll in die Natur geschmissen wird – insbesondere aus fahrenden Autos. „Vielleicht können mehr Menschen einfach eine Tüte mit zum Spaziergang nehmen und Müll einsammeln“, sagt Naima. „Uns macht das Spaß. Manchmal singen wir sogar Lieder dabei. Aber wir wollen nicht auf einer Müllkippe leben“, so die Zehnjährige weiter. Naima äußert ihre Bedenken: „Und wir wollen keinen Plastikmüll essen“, sagt sie mit Blick auf die mit Folienresten übersäten Äcker. „Im übertragenen Sinne“, entschärft Mutter Monique die Gedanken ihrer Tochter. Gemeinsam schauen sie zu Hause manchmal Dokumentationen zum Thema Umwelt und sprechen viel darüber. Später wollen die Mädchen alle mal etwas mit Tieren machen oder Erfinderinnen werden. „Ich will etwas erfinden, was die Welt besser macht“, sagt Naima.

Um sich nochmal richtig auszupowern, rennen die Vier den Berg auf dem Mühlenkampsgelände hoch. Und wieder runter.

Fast erfreut erzählen sie, dass auf der Kuppe noch eine ganze Menge mehr Müll herumliege. Den wollen sie das nächste Mal einsammeln. Ihre Beute haben sie aber mitgebracht. Sie sind verunsichert über das, was Mirja in der Hand hält, und schmeißen es in eine der Mülltüten. Es ist eine silberglänzende Kohlendioxid-Kapsel, die unter anderem für Luftgewehre eingesetzt werden.

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