Weyher Bürger verabschieden sich 

„Verlässlicher und menschlicher Partner“ – Gutes Zeugnis für Andreas Bovenschulte

+
Andreas Bovenschulte wird am Mittwochabend im Ratssaal verabschiedet.

Die Ära Andreas Bovenschulte dauerte fünf Jahre. Sie geht am Mittwochabend zu Ende. Es wird im Weyher Ratssaal voll, weil sich zahlreiche Bürger von dem scheidenden Verwaltungschef verabschieden wollen.

Weyhe - Alt-Bürgermeister Edmund Irmer will sich rechtzeitig „einen guten Platz sichern“ und wünscht Bovenschulte ein gutes Händchen in Bremen. Irmer hofft, dass Bovi, wie er in Weyhe genannt wird, im Nachbarbundesland Präsident des Senats wird. Obgleich Andreas Bovenschulte in Weyhe seine Amtszeit nicht vollständig absolviert hat, hat er bereits jetzt Spuren hinterlassen. Deshalb stellen viele Weyher Bovenschulte ein gutes Zeugnis aus.

„Für mich ist der Weggang von Andreas Bovenschulte ein Verlust für unsere Gemeinde. Ich hatte das Glück und die Gelegenheit, viele Veranstaltungen mit ihm zu erleben. Egal was, ob Buch- oder Filmpremieren, Maibaum-Aufstellen, Bahnhofeinweihung, Ehrungen jeder Art, Versammlungen und Veranstaltungen auf kultureller, politischer, sportlicher Ebene. Immer war er präsent, fand nahezu immer ohne Spickzettel die richtige Worte und gab diesen Terminen dadurch einen angenehmen Rahmen“, sagt Wilfried Meyer. 

„Systematisch gestaltet und nicht nur verwaltet“

Der Gemeindearchivar mutmaßt, dass Bovenschultes Verdienste den meisten Bewohnern nicht bewusst seien und nennt als Beispiele die Anbindung der Südumgehung Dreye an Bremen sowie die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Bei neuen Baugebieten ist ab sofort 20 Prozent der Fläche für bezahlbaren Wohnraum reserviert. Außerdem ist eine Stelle für das Gemeindearchiv geschaffen worden. Die Nutzung von unzähligen Fördermitteln auf allen Ebenen und Projekte wie „günstige Fahrkarten“ sind eng mit dem Namen Bovenschulte verbunden. „Natürlich war er es nicht immer persönlich und allein, aber durch seine Lenkung und seinen Einfluss konnte dies alles erreicht werden.“ Er habe das Zeug, weitere Ziele auf höherer Ebene anzugehen, schwärmt Meyer.

„Aus meiner Sicht ist in den vergangenen Jahren zum ersten Mal überhaupt auf vielen Ebenen systematisch gestaltet und nicht nur verwaltet worden“, sagt der stellvertretende Gemeindebrandmeister Folkard Wittrock. Ausgehend von den Bürgerversammlungen habe sich Bovenschulte viele Problemfelder vorgenommen. „Dies ist nahezu allen Ortsteilen der Gemeinde zugutegekommen“. 

Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Akzente fehlen

Der Vize-Gemeindebrandmeister nennt Stichworte wie Sudweyher Bahnhof, Belebung Marktplatz Kirchweyhe, Gestaltung Ortskern Leeste, Einwohnerticket, Schaffung von Wohnräumen, Schul- und Kitabauten und die Verkehrsentwicklung. „Aus Feuerwehrsicht haben wir Andreas immer als verlässlichen und stets präsenten und sehr menschlichen Ansprechpartner gesehen, der aber keine letztlich nicht haltbaren Versprechungen gemacht, sondern ehrlich die vorhandenen Möglichkeiten aufgezeigt hat.“ Nur in den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz hätte er durchaus mehr Akzente setzen können, merkt Wittrock an.

„Für mich war Andreas Bovenschulte ein Macher“

Auch der ehemalige Sprecher des Gemeindesportrings, Wolfgang Schaumann, bedauert den Weggang. Bovenschulte hat sich „stets für die Belange des Sports“ eingesetzt. „Vor allen Dingen konnte man sich auf seine Aussagen immer verlassen.“ Die angesprochenen Dinge seien umgesetzt worden. Er hat immer nach Fördermöglichkeiten Ausschau gehalten, so dass die Finanzlage der Gemeinde nicht im Übermaß beansprucht wurde. „Für mich war Andreas Bovenschulte ein Macher. Er konnte mit seinen Ideen andere mitreißen und begeistern. Schaumann nennt zwei Beispiele: Die Unterstützung für die Präsentation des FIFA-Weltmeisterpokals auf der Zentralen Sportanlage und für das Event „Tag des Sports“. 

Gemeinderat Weyhe wählt Andreas Bovenschulte ab

Gemeinderat Weyhe wählt Andreas Bovenschulte ab

Schaumann hebt außerdem Bovenschultes rhetorische Fähigkeiten hervor, die in fast allen Reden offenkundig waren. „Es genügten zwei, drei Stichworte, und es kam dann ein Vortrag von einigen Minuten von ihm rüber.“ Auch Geschäftsleute werden den Bürgermeister in guter Erinnerung halten. Als Bürger sowie auch als Vorstandsmitglied im Weyher Gewerbering hat Markus Pick Bovenschulte als einen „sehr gradlinigen und kompetenten Bürgermeister kennengelernt. Durch sein Wirken wurden viele gute Dinge in Weyhe bewegt, initiiert und ausgebaut“. Weyhe sei als Wirtschaftsstandort „attraktiver geworden und gleichzeitig lebenswert geblieben“. In den vielen gemeinsamen Runden mit den Weyher Werbegemeinschaften habe Pick Bovenschulte stets als „Partner auf Augenhöhe wahrgenommen“. Er hat es verstanden, Mitstreiter zu begeistern und einzubinden. 

„Immer Zeit, wenn man ihn brauchte“

Dem schließt sich Carsten Hauch von der Leester Werbegemeinschaft an. Hauch bedauert sehr, dass Bovenschulte die „angeschobenen Projekte nicht weiter begleiten wird“. Und auch die FairNet-Vorsitzende Christiane Blenski ist voll des Lobes: Bovenschulte habe „einen sehr offenen Ton zwischen Wirtschaft und Rathaus möglich gemacht und ein gutes Tempo in Entscheidungsprozesse und die Klärung von Fragen gebracht.“ Und die Werbefachfrau ist selbst begeistert, dass „unter seiner Führung der Posten des Stadtmarketings zusätzlich zur Wirtschaftsförderung geschaffen wurde und mit Ines Mannott so eine schwungvolle und tatkräftige Besetzung fand.

Auch die Politik findet lobende Worte: Die Grünen-Chefin Annika Bruck verbindet Bovenschulte mit dem Weyher Einwohnerticket. Sie lobt seine pragmatische Kompromissbereitschaft, um eine „größtmögliche Einigkeit“ zu erzielen. Der Bürgermeister hatte „immer Zeit, wenn man ihn brauchte. Er hat ehrlich seine Meinung gesagt und war bereit, auch mal einen Rat anzunehmen, obwohl er selten einen brauchte“, so der SPD-Chef Berthold Groeneveld.

Der Liberale Marco Genthe findet, dass Bovenschulte „in wohltuend professioneller Art und Weise“ sein Amt geführt hat. Aber er übt auch Kritik. Abzüge gebe es nämlich wegen des vorzeitigen Abbruchs der Amtszeit.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Ruderverein Hoya weiht Hochwasserschutzmauer ein

Ruderverein Hoya weiht Hochwasserschutzmauer ein

Freimarkt 2019 - Bilder vom verregneten Sonntag

Freimarkt 2019 - Bilder vom verregneten Sonntag

Feuerfete mit DJ Ernesto in Wildeshausen

Feuerfete mit DJ Ernesto in Wildeshausen

Pflegeleichte Bepflanzung fürs Grab

Pflegeleichte Bepflanzung fürs Grab

Meistgelesene Artikel

Riesiger Run auf Grundstücke: Kein Platz mehr an der Moorheide

Riesiger Run auf Grundstücke: Kein Platz mehr an der Moorheide

K-Scheune fördert kulturelles Leben

K-Scheune fördert kulturelles Leben

„Alarmierender Trend“: Etliche Menschen aus dem Landkreis Diepholz pendeln regelmäßig nach Bremen

„Alarmierender Trend“: Etliche Menschen aus dem Landkreis Diepholz pendeln regelmäßig nach Bremen

Am Feuerwehrhaus in Heede ist erstes kommunales Dorfentwicklungs-Projekt im Bau

Am Feuerwehrhaus in Heede ist erstes kommunales Dorfentwicklungs-Projekt im Bau

Kommentare