AUS DEM GERICHT Im Drogenrausch geflüchtet, mit gestohlenem Auto überschlagen

Verfolgungsjagd mit 130 Sachen

Gefängnis ohne Bewährung – so lautet das Urteil.  
Symbolfoto: Theo Wilke
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Gefängnis ohne Bewährung – so lautet das Urteil. Symbolfoto: Theo Wilke

Melchiorshausen – Vollgepumpt mit Kokain und Cannabis lieferte sich ein Autofahrer im September vorigen Jahres mit einer Polizeistreife auf der Bundesstraße 6 eine wilde Verfolgungsjagd mit zum Teil 120 bis 130 Sachen. Diese endete in Melchiorshausen, als der Angeklagte mit einem VW Polo auf dem Schotter der Straße Erichshofer Heide einen parkenden Wagen touchierte. Danach fuhr er weiter und kam schließlich von der Fahrbahn ab. Dabei überschlug sich der Wagen mehrfach. Vergebens versuchte der Mann, zu Fuß über einen Acker der Polizei zu entkommen. Die Beamten waren schneller und schnappten ihn.

Die Polizei stellte schnell fest, dass das Auto in Bremen als gestohlen gemeldet war, der Fahrer keine Fahrerlaubnis besaß und er stark unter Drogeneinfluss stand. Das Ergebnis der ihm entnommenen Probe ergab, dass er 191 Nanogramm Kokain im Blut hatte. Festgestellt wurde ebenfalls ein THC-Gehalt.

Jetzt wurde der Mann aus der Justizvollzugsanstalt Vechta, wo er wegen eines Haftbefehls des Amtsgerichts Wildeshausen einsitzt, Strafrichter Christoph Kellermann im Amtsgericht Syke vorgeführt. Zur Last gelegt wurden ihm Straßenverkehrsgefährdung unter Drogeneinfluss und Fahren ohne Führerschein.

Weil er nach der Kollision mit dem parkenden Wagen weiter gefahren war, gab es die zweite Anklage wegen Straßenverehrsgefährdung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Unfallflucht. Laut Anklage war der Angeklagte an jenem Septembertag in Brinkum einer Polizeistreife aufgefallen. Er missachtete die Anhalteaufforderung und war auf der B  6 mit erhöhtem Tempo Richtung Erichshof unterwegs. Dabei fuhr er waghalsig unter anderem über die Kreuzung Angelse. In Erichshof bog er von der Bundesstraße ab zur Straße Erichshofer Heide. Dort baute er den Unfall und beging die angeklagte Unfallflucht, als er weiterfuhr.

Im Syker Gerichtssaal 117 räumte der aus Bremen stammende Angeklagte die Vorwürfe ein, gab aber an, dass er den Wagen nicht entwendet, sondern nur gefahren habe. Es präsentierte sich dem Strafrichter als ein einsichtiger Mann, der schon als 13-jähriger Schüler Drogenkonsument geworden war und als 16-jähriger Jugendlicher zu harten Drogen wie Kokain griff. Eine Fahrerlaubnis hat er nie besessen. Sein Bundeszentralregisterauszug wies zahlreiche Verurteilungen zu langen Freiheitsstrafen auf. Als er die Tat im September beging, stand er unter Bewährung. Um seinen täglichen Bedarf an Kokain und Cannabis zu finanzieren, beging er ständig Straftaten und stand schon unter Führungsaufsicht.

Im Strafprozess klang an, dass dem Mann nur noch mit einer erneuten langen Therapie zu helfen sei. Von der Anklagevertretung wurden acht Monate Gefängnis ohne Bewährung beantragt, zudem zwei Jahre Sperre zum Erwerb einer Fahrerlaubnis. Strafverteidiger Matthias Wandzik hielt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten für tat- und schuldangemessen. Der Verteidiger machte in seinem Plädoyer deutlich, dass der Angeklagte Hilfe brauche, um mit seiner Drogenkrankheit fertig zu werden.

Strafrichter Christoph Kellermann verurteilte den Mann zu sieben Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Der Unfall und das ganze Geschehen seien sehr heftig gewesen. „Es hätte viel schlimmer ausgehen können“, führte Kellermann an. Das Hauptproblem des Angeklagten sei seine Drogensucht, insbesondere der enorme Konsum von Kokain. Der Verurteilte und sein Anwalt nahmen das Urteil an.

Von Dieter Niederheide

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