Verein „Sprachlos“ bietet Hilfe an

Gewalt gegen Frauen: Es passiert überall - auch in der eigenen Nachbarschaft

Der Vorstand des Weyher Vereins Sprachlos.

Weyhe - Den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am Montag haben wir zum Anlass genommen, mit dem Vorstand der „Fachberatung bei sexualisierter Gewalt in Weyhe“ zu sprechen.

Stefan Freck, Ingelore Groß, Inka Stenzel-Fürle und Heinz Schulenberg vom Verein Sprachlos wissen, dass hinter mancher schönen Hausfassade in der Wesergemeinde nicht nur die heile Welt zu finden ist.

Opfer von Partnerschaftsgewalt sind laut polizeilicher Kriminalstatistik zu 82 Prozent Frauen. Außerdem hat in Deutschland jede vierte Frau mindestens einmal im Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Was bedeutet das für Weyhe?

In Weyhe leben wir nicht auf einer Insel, wie immer noch gern argumentiert wird: 'Hier in Weyhe kennt jeder jeden, hier gibt es sowas nicht.’ Psychologische Studien gehen davon aus, dass es in jeder Lebensgemeinschaft Familiengeheimnisse gibt, die generationsübergreifend gehütet werden, wenn sie nicht therapeutisch, zum Beispiel in angeleiteten Familienaufstellungen, aufgelöst werden.

Was heißt das?

Gewalt in der Partnerschaft gibt es in allen gesellschaftlichen Schichten und Strukturen. Sie ist unabhängig vom Bildungsstand. Partnerschaftsgewalt ist in unserer Gesellschaft existent, nur das Darüber-Reden ist ein Tabu. Symbolisiert durch die drei Affen – nix sehen, nix hören, nix sagen. Selbst das Fachpersonal aus Hausarzt-, Facharzt- und Kinderarztpraxen und Krankenhäusern, die mittlerweile angehalten sind, Verdachtsfällen nachzugehen, die Betroffenen auch anzusprechen, sehen oft lieber weg.

Weshalb?

Die Gründe sind vielfältig: Unsicherheit, Zeitmangel, Überforderung, Selbstbetroffenheit, oder auch Resignation.

Was verstehen Sie unter häuslicher Gewalt?

Häusliche Gewalt bezeichnet einen Sammelbegriff für körperliche, sexualisierte, psychische und/oder wirtschaftliche Gewalt zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben. Wer seine wirtschaftliche Machtstellung nutzt, um seine/n Partner/in zu demütigen, wie beispielsweise das Haushaltsgeld auf den Cent genau zu kontrollieren, schafft ein Gefälle von Macht und Ohnmacht, das häusliche Gewalt geradezu provozieren kann.

Was ist der Unterschied zwischen sexueller Belästigung und sexueller Gewalt?

Sexuelle Belästigung ist ein Übergriff in unangemessener Form durch sexualisierte Sprache oder körperliche Berührung der Geschlechtsmerkmale Brust, Po, Genitalbereich – gegen den Willen der beteiligten Person. Sie findet meist im hierarchischen Kontext von Abhängigkeiten statt, wie sie in Firmen, Betrieben, Verwaltungen, Politik, Schulen, Sportvereinen, Kirchen, Kunstbetrieben, Medienanstalten gegeben sind. Sexualisierte Gewalt ist ein Machtmissbrauch, der sich des Sexuellen bemächtigt.

Bei sexueller Gewalt geht es nicht um Sexualität, sondern um Machtausübung an einem abhängigen oder körperlich unterlegenen Menschen (Kinder; Frauen; kranke, behinderte anders lebende, entwurzelte Menschen) zur Aufwertung eigener Defizite und Befriedigung eigener Machtgelüste. Es betrifft selbstredend nicht das Ausleben sexueller Bedürfnisse zwischen einvernehmlichen Partnern.

Lesen Sie auch: Im Landkreis Verden gibt es einige Anlaufstellen für Frauen, die Gewalt erlebt haben. Zum Beispiel bietet das Frauenhaus Unterschlupf für sie und ihre Kinder. 

Wo können die Betroffenen konkret Hilfe holen?

Viele Hilfsangebote, sowohl Notruftelefone als auch Fachberatungsstellen, sind im Internet mit allen wichtigen Informationen für Betroffene zu finden. Auch die Polizei gibt Informationen über Hilfsangebote weiter.

Was ist, wenn Betroffene von ihren Partnern gedrängt werden, Hilfeangebote nicht anzunehmen?

Die Betroffenen befinden sich in einer Abhängigkeit, häufig auch finanziell. Wenn es Kinder in einer Beziehung gibt, fällt es den Betroffenen oft noch schwerer, die Partnerschaft zu verlassen. Sie können sich, auch anonym, telefonisch oder per E-Mail an eine Institution, die Polizei, die Gemeinde, konkret: die Gleichstellungsbeauftragte und das Bürgerbüro wenden. Gibt es eine vertraute Person, kann diese die ersten Kontakte herstellen und gegebenenfalls begleitend hilfreich sein, um zu erfahren, wie weitere Schritte eingeleitet werden können.

Wenn die eigene Wohnung keinen Schutz mehr bietet und die Betroffenen kein Geld haben, alleine in eine andere Wohnung umzuziehen: Was raten Sie?

In dem Moment, in dem die Polizei benachrichtigt wird und der Aggressor durch diese eine sogenannte Wegweisung (ein längerer Platzverweis, Anm. der Red.) erfährt, bedeutet das: Er darf die nächsten 14 Tage die Wohnung nicht mehr betreten. Die hilfesuchende Person kann vorerst in der Wohnung bleiben und über Hilfsmaßnahmen nachdenken. Hier ist auch der Weiße Ring hilfreich, weil er über finanzielle Mittel verfügt, um einen notwendigen Auszug zu ermöglichen. Auch das Frauenhaus in Diepholz bietet Schutz und Hilfe.

Weitere Infos auf www.sprachlos-ev-beratung.de

„Orange the world“ - mit dieser Aktion setzen die Vereinten Nationen ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Auch in der Gemeinde Weyhe. So soll der Marktplatz in Kirchweyhe am Montag in ein farbiges Licht gehüllt werden.

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