„Verein profitiert vom VW-Abgas-Skandal“

TSV Blau-Weiß Melchiorshausen baut Bewegungshalle auf alter Beach-Soccer-Anlage

Dort soll die Bewegungshalle stehen: Für für den Bau der Bewegungshalle hat der TSV Blau-Weiß Melchiorshausen zwei große Fördertopfe anzapfen können: Der Verein bekommt jeweils einen sechsstelligen Betrag von der Gemeinde und vom Kreissportbund. Foto: Sigi Schritt
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Dort soll die Bewegungshalle stehen: Für für den Bau der Bewegungshalle hat der TSV Blau-Weiß Melchiorshausen zwei große Fördertopfe anzapfen können: Der Verein bekommt jeweils einen sechsstelligen Betrag von der Gemeinde und vom Kreissportbund.

Weyhe - Die Erdarbeiten für die neue Bewegungshalle des TSV Blau-Weiß Melchiorshausen sind vor wenigen Tagen gestartet: Wo sich einst ein Beach-Soccer-Platz befand, soll Anfang des kommenden Jahres eine Sporthalle in den Ausmaßen 27 mal 17 Metern eröffnet werden.

Der Verein hat das Weyher Unternehmen Baucom sowie die ausführende Firma Bauunternehmung Bernhard Kulinna aus Syke beauftragt. In der kommenden Woche geht es mit den Vermessungsarbeiten und mit den Arbeiten am Fundament los, kündigte Herwig Sündermann an. Er ist Pressewart des Vereins und leitet das Projekt zusammen mit der Vorsitzenden Birgit Sündermann sowie dem Vize-Vorsitzenden Helmut Drescher.

Nach bisheriger Planung ist die Fertigstellung des 500 Quadratmeter großen Gebäude zum Jahresende geplant, so Sündermann. Das Richtfest sei für Juni vorgesehen.

Die Hälfte der Fläche entfällt auf die reine Halle, in der laut dem Projektleiter „hauptsächlich Gesundheitskurse angeboten werden. Dort soll außerdem das Blasorchester des Vereins üben.“

Die Projektverantwortlichen Herwig und Birgit Sündermann erläutern auf Nachfrage, weshalb sich der Baustart verzögert. Denn er war eigentlich für März avisiert. Das habe mit den vielen Anträgen zu tun gehabt, so die Vereinsvorsitzende. Unter anderem habe kürzlich auch der Kreissportbund eine Förderzusage gegeben.

Das Projekt sei derzeit mit einem Kostenrahmen von 609 000 Euro kalkuliert, so Herwig Sündermann. Mit einem Betrag von 120 000 Euro wolle sich die Gemeinde Weyhe an dem Projekt beteiligen. Das ist eine Förderung von 20 Prozent der Bausumme, sagt er erfreut.

Außerdem rechnen die Projektleiter mit einer Summe von 100 000 Euro, die vom Kreissportbund (KSB) überwiesen werden. „Der KSB unterstützt Vereine mit der Zuzahlung von 30 Prozent. Zugrunde liegt aber nur eine förderfähige Summe“, so Herwig Sündermann. Das wäre für Melchiorshausen ein Betrag von 550 000 Euro, so der Pressesprecher weiter, weil zum Beispiel Büroräume nicht angerechnet würden. Rechnerisch ergebe sich dann zwar immer noch ein Betrag von 165 000 Euro, der KSB deckelt ihn aber. „100 000 Euro ist die Förderhöchstsumme, und die werden wir vom KSB bekommen“, so der Vereinssprecher. Er geht davon aus, dass der Fördertopf des KSB in diesem Jahr gut gefüllt sei, sodass der Auszahlung in voller Höhe nichts entgegensteht. „Unser Verein profitiert vom VW-Abgas-Skandal“, so Sündermann.

Das bestätigt Uwe Drecktrah, Geschäftsführer des KSB, auf Anfrage. Er erläutert die Hintergründe: Der KSB bekomme für die Bauprojekte Landesmittel. „Im Landkreis haben wir einen enormen Bedarf an Sportstätten“, so Uwe Drecktrah. Aufgrund eines Gesetzes stehen im Land grundsätzlich fünf Millionen Euro für den Sportstättenbau zur Verfügung. Doch dieser Topf wurde weiter gefüllt, so Uwe Drecktrah. „Wegen des Abgas-Skandals hatte der Autobauer Volkswagen dem Land Niedersachsen eine Milliarde Euro überwiesen, wobei davon 20 Millionen für den Sportstättenbau reserviert wurden.“ Der Landessportbund überweise dem KSB im Kreis Diepholz anteilig wiederum Gelder, die intern verteilt werden. „Wir sind in der Lage, alle Vereine mit 30 Prozent Förderung zu unterstützen“, ergänzt der KSB-Geschäftsführer. „Die Vereine können richtig raushauen, auch der TSV Blau-Weiß Melchiorshausen.“ Die Summe für dieses Weyher Projekt, eines von über 20 im Kreis, stehe abrufbereit zur Verfügung.

Noch nicht geklärt hat sich ein weiterer möglicher Zuschuss von der Aktion Mensch. Der könnte sich laut Herwig Sündermann auf einen immerhin vierstelligen Betrag belaufen. Unter anderem soll ein behindertengerechtes WC eingerichtet werden. Außerdem soll in der neuen Bewegungshalle auch Sport für Menschen mit Beeinträchtigungen angeboten werden. Herwig Sündermann denkt zum Beispiel an die Beschäftigten der Delme-Werkstätten, sagt er. Bei den bereits erwähnten Gesundheitskursen geht es laut dem Pressesprecher darum, zum Beispiel Kurse anzubieten, die sich mit der Krebsnachsorge befassen. Sie sollen auch Menschen helfen, die zum Beispiel an Parkinson sowie der Schaufensterkrankheit leiden oder die ihr Herz-Kreislaufsystem stärken müssen.

Da Erkrankungen der Psyche zunehmen, will der Verein dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Sport löst bekanntlich Glückshormone aus. So könnte sich der geistige Zustand verbessern. Außerdem stärke Sport auch das Immunsystem. Das sei auch wichtig, um der Corona-Krise zu begegnen. Außerdem möchte der 750 Mitglieder starke TSV Blau-Weiß Melchiorshausen übergewichtigen Menschen – Kindern wie Erwachsenen – Raum geben, um sich körperlich zu betätigen. Ein Kraftraum mit speziellen Geräten soll als Unterstützung dienen. „Wir wollen aber kein Fitnessstudio betreiben wie der TuS Sudweyhe“, so Sündermann weiter.

Um das Projekt weiter zu finanzieren, müssen die Mitglieder einen monatlichen Beitrag von 2,50 Euro dazuzahlen – für maximal 20 Jahre.

Weiterhin setzt der Verein auf Firmenspenden, um sich schneller zu entschulden.

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