Verein ändert Zielrichtung: Auflösung vom Tisch / Projekt im Libanon im Visier

Eine-Welt-Forum hilft Kindern in Flüchtlingscamp

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Beate Auner-Diegel, Ulrich König, Christa Rödiger (v.l.n.r.) und ihre Mitstreiter vom Eine-Welt-Forum haben in Mosambik viel auf die Beine gestellt: Dort befinden sich aufgrund der Weyher Hilfe mehrere Schulen.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Nach fast drei Jahrzehnten Engagement in Sachen Bildungsprojekte für Mosambik will sich das Eine-Welt-Forum in Weyhe jetzt gewissermaßen neu erfinden.

Die Vorstandsmitglieder Ulrich König und Christa Rödiger haben die neuen Pläne gestern vorgestellt. Die Ehrenamtlichen wollen jetzt Kinder in einem UN-Flüchtlingscamp im nördlichen Libanon unterstützen. Die beabsichtigte Vereinsaufgabe ist jetzt vom Tisch. Die pensionierten Leester KGS-Pädagogen sehen es als Aufgabe an, ihr caritatives Wissen weiterzugeben und für die Projektarbeit der KGS-Schülervertretung die Vereinsstruktur beizubehalten. Die jungen Leester organisieren selbst einen Run-for-help-Spendenlauf, der am 11. März über die Bühne geht.

Bei zurückliegenden Läufen hatten Schüler regelmäßig Beträge um die 40000 Euro in die Vereinskasse gespült: Insgesamt hatte der Verein seit seiner Gründung im Jahr 1989 rund eine halbe Million Euro an Spenden eingeworben. Mithilfe weiterer Finanzspritzen haben die Ehrenamtlichen in einem der ärmsten Länder der Welt Schulbauprojekte in Höhe von mehr als drei Millionen Euro verwirklichen können. Mehr als 25000 Schüler werden jährlich in jenen Gebäuden unterrichtet, für die die Weyher seinerzeit sogar die Architekten besorgt hatten. Eine Staatssekretärin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hatte vor mehreren Jahren das Eine-Welt-Forum Weyhe als Leuchtturmprojekt bezeichnet, dessen Wirken damals von Alt-Bundespräsident Horst Köhler und seiner Frau Eva Luise ebenfalls gewürdigt worden war (wir berichteten).

Bei seiner Afrikareise hat der damalige Bundespräsident Horst Köhler die Weyher Lehrer getroffen.

„Der Bau der Schulen war deshalb möglich, weil wir mit Padre Vicente einen erstklassigen Ansprechpartner hatten, der die Projekte in Mosambik vorantrieb“, erklärte König. „Wir konnten daheim auf schwungvolle Schüler setzen, auf eine überdurchschnittliche Hilfs- und Spendenbereitschaft der Weyher Bürger“, bilanzierte er. Es war eine langjährige und enge Zusammenarbeit mit Projektpartnern möglich, und Vereinsmitglied Annegret Löhr habe „professionelle“ Finanzierungsanträge gestellt. Der Vorsitzende merkte an, dass „die bisherigen Akteure in die Jahre gekommen“ seien. „Padre Vicente wird bald 79 Jahre alt, neue Projekte mit ihm sind nicht mehr möglich, da abzusehen ist, dass er in sein Heimatland Spanien zurückgeht.“ Für die Weyher war zwar ein Nachfolger in Sicht, doch dieser sei vor zwei Jahren gestorben. „Außerdem haben sich die Förderrichtlinien des BMZ geändert, so dass es schwierig wäre, in gleicher Weise wie bisher Zuschüsse für neue Bauprojekte zu bekommen“, begründete König die Überlegungen, weshalb er und die aktiven Mitstreiter des 40 Mitglieder umfassenden gemeinnützigen Vereins einen Auflösungsbeschluss herbeiführen wollten. Doch die Lage habe sich geändert. „Das vergangene Jahr war geprägt vom Zustrom syrischer Flüchtlinge als Folge der politischen und humanitären Katastrophe im Nahen Osten. 250 davon sind in Weyhe angekommen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die uns bei unserer Arbeit für Mosambik zu Gute kam, ist auch jetzt beträchtlich“, so König. Er ist der Ansicht, dass für einige Aktionen, beispielsweise für das Einwerben von Spenden, eine Vereinsstruktur notwendig sei. Deshalb ist es laut Christa Rödiger wichtig, „den Verein zu erhalten, zumal es stets ein Prinzip war, Missstände innerhalb der globalisierten Welt dort zu bekämpfen, wo sie verursacht werden“. Eine Lehrerin mit syrischen Wurzeln hatte schließlich den Weyher Verein auf ein Flüchtlingscamp im nördlichen Libanon aufmerksam gemacht, in dem nicht nur Palästinenser, sondern auch Syrer leben. „Das Camp unter der Führung einer Unterorganisation des Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen besteht seit 30 Jahren. Das Geld vom nächsten Run-for-help-Lauf möchte der Verein in ein Bildungsprojekt für 100 bis 150 Kinder fließen lassen, die dort mit ihren 70 Familien untergekommen sind.“

Eine-Welt-Forum: Greift besonders tief in die Tasche!

Sigi Schritt

Von Sigi Schritt - Wenn Schüler künftig Verwandte, Nachbarn und Freunde fragen, ob sie jede ihrer gelaufenen Runden versilbern möchten, sollten die Förderer tief in die Tasche greifen. Dadurch senden sie ein anerkennendes Signal an das Eine-Welt-Forum, dass die Umorientierung mit der Unterstützung in Sachen Flüchtlingen in Weyhe auf ein breites Echo stößt. Es ist richtig, die Schülervertretung stärker in die Projektarbeit einzubeziehen, als in den Jahren zuvor. Das fördert nicht nur die Eigeninitiative, sondern wirkt jahrgangsübergreifend identitätsstiftend. Kassenwartin Christa Rödiger, glaubt ‚nur‘ 30 000 Euro ‚einzufahren‘, doch es liegt an der Bevölkerung zu beweisen, dass sich die ehemalige Mathe-Lehrerin irrt. Die Weyher können ihr großes Herz zeigen und so die Vereinsmitglieder motivieren, weitere Hilfsprojekte zu begleiten und zu finanzieren. Auf lange Sicht kann es gelingen, junge Mitstreiter zu finden, die den Staffelstab übernehmen und eigene Projekte aus dem Boden stampfen. Das ist allemal besser als ein Leuchtturm-Projekt nur wegen einer Pensionierung zu Grabe zu tragen. Die Flüchtlingskrise ist nur mit Hilfe aller zu bewältigen und Bildung ist der Schlüssel dazu.

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