Tiere verschwunden oder verletzt

Verdacht: Treibt sich ein Katzenquäler in Weyhe herum?

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Familie Goldschmidt aus Lahausen vermisst ihren Kater Felix seit dem zweiten Weihnachtstag. Aufgrund der Vorkommnisse in der Nachbarschaft, fürchtet sie, dass dem Tier etwas Schlimmes zugestoßen sein könnte.

Lahausen - Von Katharina Schmidt. Suchplakate und Vermisstenanzeigen säumen immer wieder die Straßen im Siedlungsgebiet zwischen der Straße „An der Brake“ und dem Hof Rumpsfelde in Lahausen. „Seit Jahren verschwinden Hauskatzen spurlos und werden nie wieder gefunden“, schildert Yasmine Goldschmidt. Die 21-jährige Anwohnerin vermisst selbst seit einem Monat ihren Kater Felix.

„Nachdem anfangs die Katzen nur verschwunden sind, kommt es seit Kurzem auch dazu, dass vermisste Tiere verstümmelt nach Hause zurückkehren“, erzählt sie.

Kater Felix verschwand an Weihnachten. Kurz davor kam Goldschmidt zufolge ein paar Straßen weiter Kater Eddi verstümmelt nach Hause. Die Katze Bonny sei im September verschwunden.

„Besonders erschreckend ist der Fall von Kater Eddi, der sich halbtot nach Hause schleppte. In der Tierklinik in Posthausen stellte die Veterinärin dann fest, dass das Bein des Tieres an mehreren Stellen zertrümmert worden war. Sie vermutet, dass sich Eddi aus einer Lebendfalle befreite und geflohen ist.“ Dem Vierbeiner musste das Bein amputiert werden.

Butscher kehrte mit fast abgetrennter Zunge zurück

Etwas ähnlich Schreckliches sei Siedlungskater Butscher passierte. „Er kehrte von seinem Streifzug mit einer beinah komplett abgetrennten Zunge zurück und konnte tierärztlich gerettet werden. Wenige Wochen später ein erneuter Schock: Jemand hatte ihm das Fell am Gesäß abrasiert und dort in die Haut ein zwei Zentimeter tiefes, einen Zentimeter breites Loch gebohrt.“ Kürzlich sei außerdem ein Tier mit Schaum vor dem Mund nach Hause zurückgekehrt.

Nicht nur Goldschmidt nehmen die Fälle mit. „Jede vermisste Katze ist ein Familienmitglied, das von uns gerissen wurde. Es ist einfach nicht mehr dasselbe ohne sie, und das schlimmste ist die Ungewissheit“, sagt eine weiterer betroffene Person.

Eine andere Anwohnerin klagt: „Ich wache nachts auf, renne zur Tür und hoffe, dass mein Kater wieder da ist. Vergebens. Ich kann seit Wochen nicht mehr richtig schlafen.“ Auf ihrer Suche nach ihren Katzen haben Betroffene viel Mitgefühl erfahren, aber auch Sätze gehört wie „Katzen gehören getötet“.

Großteil der vermissten Katzen gechipt

Der Großteil der in der Siedlung vermissten Katzen sind laut Goldschmidt gechipt und beim Tiersuchservice „Tasso“ registriert. Sprich: Wenn sie tot oder lebendig gefunden werden, können sie ihrem Besitzer anhand eines Chips unter der Haut zugeordnet werden.

Nachfragen der Bewohner bei der Polizei, dem Bauhof sowie bei gebietszuständigen Jägern haben ergeben, dass keine der Katzen tot aufgefunden wurde. „Dies könnte dafür sprechen, dass menschliches Handeln dahinter steckt“, vermutet Goldschmidt. „Verdächtigungen gibt es viele, jedoch fehlen handfeste Beweise.“

Die Anwohner haben die Vorfälle bei der Polizei angezeigt. Im gesamten Landkreis Diepholz haben die Beamten im vergangenen Jahr 14 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz registriert, drei davon im Bereich des hiesigen Komissariats. Seit 2015 sind in den Statistiken für die Wesergemeinde zehn solcher Ergeignisse gelistet (56 im Landkreis).

Bußgelder bis zu 25 .000 Euro möglich

Bei den polizeilich dokumentierten Fällen handelt es sich um vernachlässigte Tiere, ausgelegte Rattenköder und Gewaltanwendungen gegenüber Tieren – aber nicht zwangsläufig um Vergehen gegenüber Katzen.

Einem „Tierquäler“ erwartet laut Tierschutzgesetz beim Vorliegen einer Straftat bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe. Bei Ordnungswidrigkeiten können Bußgelder bis zu 25 .000 Euro fällig werden.

Katze weg - was tun?

Wenn das Haustier verschwunden ist, können die Besitzer Kontakt zu Tierheimen aufnehmen. „Sie sollten nicht erst lange warten“, rät Monique Gawronski vom Team des Brinkumer Tierheims Arche Noah. Dieses ist auch für Weyhe zuständig. Gawronski legt Haltern explizit ans Herz, nicht nur bei der nächstgelegenen Einrichtung nachzufragen. „Es gab schon mal eine Katze, die ist bei einem Bauarbeiter ins Auto gesprungen“, erzählt sie. „Sie ist dann in Verden wieder aus dem Auto gehopst.“ Die „Arche Noah“ veröffentlicht gesuchte und gefundene Tiere auf ihrer Internetseite.

Suchplakate und soziale Medien können helfen

Außerdem sollten Besitzer, die ihr Tier suchen, Nachbarn bitten, in Kellern und Schuppen nachzuschauen. „Katzen sind von Natur aus neugierig“, schildert Gawronski. Auch Suchplakate oder Hilferufe in sozialen Netzwerken könnten helfen. Die Arche Noah hat zuletzt pro Jahr etwa 300 Fundkatzen aufgenommen. Diese Zahl der Fälle dürfte sich künftig deutlich erhöhen, da seit Kurzem auch die Fellnasen aus dem südlichen Landkreis Rotenburg nach Brinkum kommen. Ein dortiges Tierheim hat aus finanziellen Gründen einen Aufnahmestopp ausgesprochen. Von allen Tieren, die in der „Arche Noah“ stranden, finden nur wenige zurück zu ihrem ursprünglichen Zuhause. „Es sind vielleicht zehn Prozent“, schätzt Gawronski. Das Problem sei, dass bis zu 95 Prozent der aufgefundenen Katzen trotz Kastrations- und Kennzeichnungspflicht nicht vom Tierarzt gechipt und bei einem Tiersuchservice registriert seien.

www.findefix.com

www.tierheim-arche-noah.de

www.tasso.net

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