Sammlung von Waltraud Mühlenbeck

Verborgenes Archiv im alten Eisenbahn-Lohnbüro

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Waltraud Mühlenbeck hat Kisten und Alben voller Fotos und Zeitungsartikel zu Hause. Sie ist leidenschaftliche Sammlerin.

Kirchweyhe - Von Katharina Schmidt. Nahe dem Bahnhof in Kirchweyhe, an der Alten Hauptstraße, verbirgt sich ein verborgenes Privatarchiv. Dort wohnt Waltraud Mühlenbeck. Die 73-Jährige sammelt seit Jahrzehnten Fotografien und Zeitungsberichte. Sie zu durchforsten, gleicht einer kleinen Zeitreise.

„Das ist Geschichte“, sagt Mühlenbeck und deutet auf eine alte Schwarz-Weiß-Aufnahme. Das Bild zeigt die Schranken, die einst den Kirchweyher Bahnübergang markierten. „Früher stand ich ständig mit dem Kinderwagen im Regen oder Schnee davor“, erinnert sich die Seniorin. Sie lächelt und legt das Bild weg. „Das ist alles längst vergangen.“

Damals wie heute beginnt der Tag für sie mit ihrer Kreiszeitung. Hat sie morgens Termine, steht sie extra ein bisschen eher auf. Was ihr beim Lesen besonders ins Auge sticht, schneidet sie sorgfältig aus und bewahrt es für die Nachwelt auf. Dabei beschränkt sich die Kirchweyherin nicht nur auf Nachrichten aus ihrem Heimatort. Eines ihrer jüngsten Fundstücke: Eine Themenseite darüber, dass Angela Merkel wegen US-Präsident Trump Abstand zu Amerika nimmt.

Breites Interesse der Sammlerin

Mühlenbeck interessiert sich für Geschichte, Heimat, Handwerk und Kirche. Auf ein Lieblingsthema festlegen will sie sich aber nicht.

Das Zuhause von Waltraud Mühlenbeck vor einigen Jahren. Laut der Seniorin war in dem Gebäude einst ein Lohnbüro der Deutschen Bahn. Sie würde gerne mehr darüber erfahren.

„Ich sammle schon immer“, führt die Seniorin aus. Die Leidenschaft dafür habe sie im Blut. „Meine Enkelin liebt das Alte wie ich.“ Schon oft habe sie ihre Alben mit ihr zusammen durchgeblättert. Mühlenbecks Sammlung umfasst neben Zeitungsberichten auch Postkarten, Adressen und ein Schulzeugnis ihrer Großmutter aus dem Jahr 1861.

Die 73-Jährige erzählt gerne von vergangenen Tagen. Zu jedem ihrer Fotos kennt sie Gesichter und Geschichten. „Diese Häuser stehen nicht mehr“, berichtet sie und zeigt auf ein von ihr aufgenommenes Bild – sie sammelt nicht nur Fotos, sondern lichtet die Welt selber mit Vorliebe ab. 

Wenn Bauarbeiter irgendwo „wühlen oder reißen“, spitzt sie die Ohren und veranlasst noch schnell ein Foto, bevor sich Häuser, Straßen oder Wege vielleicht für immer verändern. Auch vom Weyher Marktplatz hat sie Fotos – immerhin steht dessen Neugestaltung bevor.

Stadtbild verändert sich laufend

„Das Stadtbild verändert sich laufend“, hat sie beobachtet. Schade findet sie, wenn schöne alte Hausfassaden abgerissen und durch „Klötze“ ersetzt werden.

Durch ihr „verrücktes Hobby“, wie sie es selbst nennt, erfährt Waltraud Mühlenbeck viel über ihre Heimat. Ihren Wissensdurst über ihr Haus konnte bisher allerdings noch kein Artikel, Buch, Foto oder Gesprächspartner stillen. Ihr zufolge war das Gebäude an der Alten Haltstraße 21 damals das erste Lohnbüro der Eisenbahn in Kirchweyhe. Der erste Trakt sei 1901 gebaut worden, ein weiterer neun Jahre später. Mühlenbeck hofft, dass ihr jemand mehr über das alte Lohnbüro erzählen kann und bleibt aufmerksam.

An dem Haus hat sich seit Anfang der 1990er-Jahre viel getan, nicht zuletzt durch Waltraud Mühlenbeck und ihren Mann. Sie haben einiges umgebaut. Auch dabei hat sich die Leidenschaft der Kirchweyherin fürs Sammeln bemerkbar gemacht. Sie hat eine alte Glasflasche der Brinkumer Firma A. Frick aufbewahrt, die damals vermutlich von Handwerkern eingemauert wurde und beim Abriss eines Schornsteins zutage kam.

„Ich glaube, ich muss langsam mal aufhören zu sammeln“, sagt Waltraud Mühlenbeck und seufzt leise. „Aber dann kribbelt es wieder, wenn ich etwas Interessantes sehe.“

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