Historische Fundstätte in Leeste

Verantwortung gegenüber der Geschichte

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Seit gestern arbeiten dort nicht mehr die Archäologen, sondern wieder die Bauleute. 

Weyhe - Von Sigi Schritt. „Die Geschichte der Wesergemeinde ist wichtig, und wir wollen sie präsentieren“, sagt Baudirektor Steffen Nadrowski auf Anfrage. Historische Zeugnisse sollen nicht versteckt werden, die Gemeinde wolle ihren Beitrag dazu leisten, ergänzt der Fachbereichsleiter im Rathaus. 

Drei Wochen lang haben Fachleute das ehemalige Gemeindehaus-Areal an der Schulstraße untersucht. 

Er freut sich über die jüngsten 800 Jahre alten Fundstücke, die kürzlich der Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulff und die Archäologin Stephanie Böker an der Schulstraße in Leeste zusammen mit einem Bremer Team ans Licht geholt hatten (wir berichteten gestern). Die Arbeiten der Geschichtsforscher belegen, dass das Zentrum von Leeste bereits im Mittelalter bewohnt war. Die Fachleute haben Keramikscherben aus der Erde geholt, die ein Gewicht von drei Kilogramm haben. Außerdem fanden die Forscher Hinweise auf ein in der Siedlung abgebranntes Haus. Die Wissenschaftler glauben, dass alle Funde aus dem 13. Jahrhundert stammen. Die Archäologen waren drei Wochen auf dem Areal des ehemaligen Pfarrhauses samt Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde zu Gast, auf dem Investor und Architekt Valerius Pfeiffer aus Brinkum Mehrfamilienhäuser mit 24 Wohneinheiten errichten will.

Die Siedlung im Wandel der Zeit scheint aber viel größer in ihrer Ausdehnung gewesen zu sein. Auf dem Grundstück der ehemaligen Aral-Tankstelle von Rudolf Goldbecker und des Autohauses an der Hauptstraße hatten Archäologen zuletzt eine 3 000 Jahre alte Urne gefunden. Was noch im Boden ist, können die Fachleute nicht ergründen, denn die umliegenden Flächen sind bereits bebaut. Etwas anderes gilt für die Bereiche um den Henry-Wetjen-Platz im Zuge der Sanierung des Ortskerns Leeste, sagt Baudirektor Nadrowski. Es könne dort durchaus passieren, dass Spezialisten weitere historische Gegenstände finden. Für den Rathausmitarbeiter ist es wichtig, dass die Denkmalsschutzbehörde, der Landkreis und Gemeinde gemeinsam mit den Bauherren einen Kompromiss finden, damit ein Bau zügig voranschreiten kann. Denn die Verzögerung und die Kosten für die Bodenuntersuchung habe nur der Investor zu schultern. Ein finanzieller Ausgleich seitens der Gemeinde sei nicht vorgesehen, so Nadrowski. „Auch nicht in diesen Fall. Denn wir haben keine speziellen Förderprogramme dafür.“ Zwar seien die Einschränkungen für Investoren alles andere als gerne gesehen, und er könne das auch nachempfinden. Doch Nadrowski zeigt sich auch erfreut darüber, dass es an der Schulstraße Funde gibt, die jetzt aufgearbeitet und in die Geschichte eingeordnet werden. Er wolle der Denkmalbehörde nicht vorgreifen, doch die Gemeinde könne sich eine Ausstellung der Stücke im Rathaus vorstellen. Möglich sei auch eine Fotoausstellung mit Erklärungstafeln.

Eine Schrecksekunde hatte es laut Rathausmitarbeiter in den zurückliegenden Monaten einmal beim Bau des Feuerwehrhauses in Angelse gegeben. Dort hatten die Fachleute tief im Acker Keramikscherben gefunden. Doch wie sich herausstellte, hatte nur jemand ein altes Klosett entsorgt.

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