„90-60-90? Bedeutungslos!“

Weyherin will das Miss-Germany-Event umkrempeln - und wurde sogar genau dafür dorthin eingeladen

Vanessa Goldschmidt auf dem Catwalk
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Möchte das Deutschland-Finale erreichen: Vanessa Goldschmidt. Die 25-jährige Unternehmerin will die Plattform nutzen, um junge Menschen zu motivieren, nicht falschen Schönheitsidealen nachzueifern.

Vanessa Goldschmidt aus Weyhe möchte für Bremen in das Miss Germany Finale einziehen. Dabei geht es der 25-Jährigen vor allem um die Persönlichkeit und nicht etwa um ideale Modelmaße. Mit ihrer Teilnahme möchte sie den Wettbewerb verändern.

  • Vanessa Goldschmidt aus Weyhe möchte ins Miss Germany Finale.
  • Das Model nutzt soziale Medien zur Aufklärung von jungen Mädchen über moderne Schönheitsideale.
  • Der Miss Germany Wettbewerb ist laut Vanessa Goldschmidt nicht mehr das, was er mal war.

Weyhe – Diese typische Haltung haben Nutzer von Instagram und anderen sozialen Medien: Der Kopf ist geneigt und der Blick verharrt auf dem Handy. Immer wieder. Mehrmals am Tag. Vanessa Goldschmidt aus dem Weyher Ortsteil Erichshof kennt die Mädchen, die sich viele Gedanken um ihre Schönheit machen, deshalb ihren Idolen nacheifern und oft im Handy nachschauen, was diese so machen und welche Produkte sie verwenden.

Vanessa Goldschmidt versteht junge Menschen

Vanessa Goldschmidt kann sich gut in diese jungen Menschen hineinversetzen – agierte sie doch vor ihrer eigenen Wandlung ähnlich. Sie inszenierte sich sorgfältig. Allerdings habe Vanessa Goldschmidt es nicht so übertrieben wie andere Influencer, die zum Beispiel Kleidung nur einmal tragen und sogar schon um 7 Uhr morgens perfekt geschminkt Bilder von sich machen und auch mit einer starken Beautyretusche stets um das Äußere und um die Wirkung bei ihren Fans bedacht sind.

Diese Mädchen, die von ihren Idolen verführt werden, so erklärt die 25-jährige Frau aus Weyhe, seien meist Teil einer Fangemeinde, die sehr groß sein kann. Sie besteht nicht selten aus einer fünf- oder sogar sechs- bis siebenstelligen Anzahl von sogenannten Followern.

Model-Jobs brachten keine Unabhängigkeit

Vanessa Goldschmidt hat noch viele Fans aus der Zeit, als sie permanent in die Glitzerwelt eintauchte. Damals sprang sie von Event zu Event, um gesehen zu werden und um andere zu sehen. Selbst wenn sie wenig Lust hatte. Es lief eigentlich ganz gut. Sie bewarb sich zum Beispiel als ehemalige Miss Bremen, um den Titel Miss MGO Germany und musste damit leben, nicht als Siegerin gekürt zu werden.

Die Teilnahme am Wettbewerb eröffnete ihr einige Modelaufträge in der Glitzerwelt der Modekonzerne und Hersteller. Die Jobs zusammen hätten allerdings keine Unabhängigkeit bewirkt. Der mentale Preis sei hoch, sagt sie rückblickend. „Ich war nur mit mir selbst beschäftigt“, erklärt sie.

Vanessa Goldschmidt aus Weyhe hält die alten Werte des Miss-Germany-Wettbewerbs für überholt. Mit ihrer Teilnahme möchte sie Teil eines neuen Image werden.

Zwischenzeitlich hat sich einiges geändert: Sie hat ihre Ausbildung abgeschlossen, trat eine neue Stelle an und hat sich in der Corona-Zeit mittlerweile selbstständig gemacht. Außerdem hat die Erichshoferin mittlerweile mit Freund Hannes einen Partner an ihrer Seite, mit dem sie zusammen im Marketing ein finanzielles Standbein aufbaut.

„Die Präsentation von Beauty-Produkten ist nicht mein Ding. Ich arbeite lieber mit regionalen Unternehmen zusammen, die von der Reichweite meiner Beiträge profitieren.“ So habe sie zusammen mit ihrem Freund Hannes vor Corona einen Ausflugstipp ins Netz gestellt, wie ein Nachmittag in einer Therme sein kann. „Bewertungen auf Internetseiten interessieren mich nicht, ich möchte auf Instagram Menschen sehen, die beispielsweise ein Hotel nutzen. Dann würde ich dort einchecken“, so Goldschmidt.

Vanessa Goldschmidt nutzt soziale Medien zur Aufklärung von jungen Mädchen

Ihre Reichweite in den sozialen Medien nutzt die Weyherin außerdem als Botschafterin, um besonders junge Mädchen aufzuklären, dass nicht Schönheit, sondern Persönlichkeit Vorrang hat. Das Angebot der Miss Germany Corporation aus Oldenburg, die seit vielen Jahrzehnten Miss-Wahlen veranstaltet, komme ihr „wie gerufen“ sagt sie.

Nanu, gibt es nicht einen Widerspruch mit den heutigen Ansichten und der üblichen Präsentation von viel Haut und einem Bikini auf den Laufstegen des Schönheitswettbewerbs? Nein, sagt die Weyherin, denn es gehe bei dem Wettbewerb nicht mehr darum, wer die schönsten und längsten Beine hat.

Die Weyherin ist überzeugt davon, dass der junge Unternehmer Max Klemmer, Enkel des 84 Jahre alten Firmengründers Horst Klemmer, die Miss-Germany-Wahl modernisieren kann und seine Ideen erfolgreich umsetzen wird. Das sexistische Image soll abgelegt werden.

Vanessa Goldschmidt: „Schönheit kommt von innen heraus“

Es gehe nicht mehr um Traummaße, sondern um Persönlichkeit. „Max Klemmer motivierte mich, mich zu bewerben, und ich musste nicht lange überlegen.“ Sie will die Plattform nutzen, um jungen Mädchen zu raten, nicht irgendwelchen Leuten hinterher zu eifern, sondern sich eigene Ziele zu setzen. Außerdem sei es in jungen Jahren völlig unnötig, sich zu schminken, um Anerkennung zu finden.

„Wenn jemand sagt, das kannst du nicht, das schaffst du nicht, dann sollte man sich das nicht zu Herzen nehmen, sondern weiter sein Ziel verfolgen.“ Schönheit komme von innen heraus, weiß sie heute. Es sei nicht wichtig, wer wo und wann im Urlaub war und wer die schönste Frisur hat und sich so zeigt.

Instagram ist für Vanessa Goldschmidt wichtig, sie schaut aber weniger auf die Plattform als früher.

Goldschmidt freut sich auf den besonderen Wettbewerb unter Corona-Bedingungen. Denn sie stellt sich online vor und Weyher können sich online über Vanessa Goldschmidt informieren und für sie im Internet abstimmen.

„Bei der neuen Ausrichtung von Miss Germany stehen die Persönlichkeit und die Stärke der Frau im Vordergrund“, so Andre Padecken, Marketing & Sales Manager der MGC-Miss-Germany-Corporation-Klemmer. „Wir wollen eine Frau finden, die als Vorbild und Sprachrohr für andere Frauen steht und andere Frauen darin bestärkt, an ihre Einzigartigkeit zu glauben und dafür einzustehen. Dabei soll sie mit ihrer Persönlichkeit, ihrer Geschichte sowie ihren Visionen und Zielen überzeugen.“ Gesellschaftliche Schönheitsideale spielen keine Rolle. „Der Mensch und die Person, wofür sie steht, ist das Entscheidende.“

Das Voting für das Bundesland Bremen, für das Vanessa Goldschmidt antritt, ist vom 5. Oktober ab 15 Uhr bis zum 7. Oktober um 23.59 Uhr möglich. Das Miss-Germany-Finale ist für den 27. Februar im Europa-Park Rust geplant. Dort stoßen die Finalisten in der Arena auf Gäste, 50 Influencer, über 200 Medienvertreter. Die 16 Finalistinnen werden von Jurorinnen bewertet und von über 250.000 Zuschauern auf Live-Streams begleitet, so die MGC.

Ob Vanessa Goldschmidt aber eine Finalistin wird, werde sich bis spätestens November zeigen. Dann wird die Siegerin des Bremen-Votings bekannt gegeben. Die Weyherin würde dem Wettbewerb – wie sie sagt – helfen, sich einen frischen Anstrich zu geben.

Mitentscheiden

https://missgermany.de/teilnehmerin/vanessa-goldschmidt/#voting

Von Sigi Schritt

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