Integratives Lernen an Gesamtschulen

Unterschiedlich Begabte lernen Schulter an Schulter

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Die Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschulen (GGG) hatte die landesweite Tagung in Kirchweyhe organisiert.

Kirchweyhe - Von Anke Seidel. Für Eltern ist es eine Zukunftsentscheidung – für ihre Kinder viel zu oft der Abschied von vertrauten Klassenkameraden, wenn nach der Grundschule das dreigliedrige Schulsystem greift. Doch das ist an der KGS Kirchweyhe und der KGS Leeste anders: Fünftklässler mit Haupt- und Realschulbegabung sowie Gymnasialempfehlung lernen gemeinsam in einer Klasse.

Wie profitieren sie von diesem integrativen Modell – und welche Herausforderungen müssen Lehrkräfte schultern? Fragen, die 35 Schulleiter und didaktische Fachkräfte aus Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen gestern in der KGS Kirchweyhe diskutierten.

Die Dynamik dabei bewies: Das Interesse an solchen integrativen Modellen, die auf den ersten Blick an die Orientierungsstufe von einst erinnern, ist groß – in manchen Fällen aber auch die Skepsis. Denn Schüler mit unterschiedlichen Begabungen gemeinsam zu unterrichten, bedeutet eine besondere Auseinandersetzung mit jedem einzelnen der bis zu 25 Kinder in einer solchen Klasse – und das auf Basis der Vorgaben im niedersächsischen Schulgesetz.

Übersicht über Entwicklung im Land

Thorsten Frenzel-Früh, Referatsleiter Gesamtschule/Ganztagsschule, reflektierte diese integrativen Modelle aus der Sicht des Kultusministeriums. An einigen Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen sind sie demnach bereits Schulalltag, an anderen wiederum in Planung. Unterschiedliche Schulen bringen dabei unterschiedliche Voraussetzungen mit. Das Impulsreferat und die Diskussion ließen keinen Zweifel: Haushaltsrechtliche Strukturen mit den praktischen Notwendigkeiten des Schulalltags in Einklang zu bringen, ist ein enorm zeitraubendes Unterfangen.

Welche Schule hat welche Herausforderung effektiv gemeistert? Wo gibt es besonders wirksame Lösungen? Und wo beste Beispiele aus der Praxis? Das Netzwerk-Treffen in Kirchweyhe mit dem gemeinsamen Austausch ermöglichte es den Teilnehmern, von unterschiedlichen Erfahrungen zu profitieren – und Impulse sowie Ideen mit in die eigene Schule zu nehmen.

„Wir haben das bereits evaluiert“

Dr. Martin Baschta, Schulleiter der KGS Kirchweyhe, hatte dabei mehr zu bieten als nur praktische Erfahrungen mit dem integrativen Weyher Modell, das seit einem Schuljahr Alltag ist: „Wir haben das bereits evaluiert“, blickte Baschta auf eine Befragung von Eltern, Lehrkräften sowie der Schüler selbst: „Von allen drei Gruppen wird das große Klassengemeinschaftsgefühl zurückgemeldet.“ Das soziale Gefüge in einer Klasse sei ein enorm wichtiger Aspekt, stellte der Schulleiter klar. Geplant ist deshalb, dieses integrative Modell fortzusetzen – sprich auf die sechste Jahrgangsstufe zu übertragen.

Weitere Aufstockung nicht ausgeschlossen: „Das niedersächsische Schulgesetz bietet ja die Möglichkeit, die Klassenstufen fünf bis acht anders zu stellen“, beschrieb Carsten Milde, Schulleiter der KGS Sehnde und Mit-Organisator des Netzwerk-Treffens, die Optionen – und zeigte sich zufrieden mit diesem ersten landesweiten Erfahrungsaustausch zum Thema: „Eine offene, konstruktive Diskussion!“

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