Unternehmer Bashkim Imeraj sucht händeringend Personal

Weyher kritisiert Abschiebung seiner Pflegekraft

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Der Unternehmer Bashkim Imeraj (2.v.l.) mit Miljana R., Fatimire I. und Heinz Knieriem.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Händeringend sucht der Unternehmer Bashkim Imeraj vertrauenswürdiges und kompetentes Personal. „Das ist aber nicht so einfach“, sagt er. Bei der Suche nach Helfern für seinen Pflegedienst muss er viele Rückschläge hinnehmen. „Die Agentur für Arbeit schickt immer wieder Menschen zu mir, doch nur selten kommen die tatsächlich“, berichtet Imeraj.

„Und die, die zu uns kommen, scheinen bewusst den Eindruck erwecken zu wollen, nicht geeignet zu sein. Mal waren die Interessenten angetrunken, mal haben sie in der Probezeit gesagt, dass die körperliche Belastung, etwa Senioren im Supermarkt zu begleiten, zu hoch ist.“ Umso mehr ist er von fünf Flüchtlingen begeistert, die eine „enorme Leistungsbeitschaft zeigen“. Zwei haben sogar ein Examen, doch es ist hier nicht anerkannt. „Drei Flüchtlinge, Egzon R. (22), Bekim I. (21), Fatimire I. (22) aus dem Kosovo, wohnen seit Oktober 2014 bei uns im Haus, zwei andere, Miljana (38) und Vojo R. (21) aus Montenegro, leben seit Dezember in Heiligenfelde. Die fünf verstärken das 24-köpfige Pflegeteam, indem sie sich im Rahmen des betreuten Wohnens um Pflegebedürftige kümmern. Doch die Neu-Heiligenfelder, die einen unbegrenzten Arbeitsvertrag bekommen haben, sollen das Land bald verlassen. Imeraj schüttelt den Kopf: „Sie verdienen ihr eigenes Geld, zahlen Steuern, sind fleißig und beliebt bei den Senioren.“ Das bestätigt Heinz Knieriem. Der 87-Jährige aus Lahausen findet, dass Miljana R. „ihre Sache sehr gut macht“. Er fühlt sich perfekt aufgehoben und wünscht, dass sie ihn weiter betreut. Außerdem klappt die Verständigung „sehr gut“, sagt der ehemalige Bremer Bierbrauer.

Dieses Lob bestärkt Imeraj in seinem eingeschlagenen Weg, für die Flüchtlinge Privatunterricht durch eine pensionierte Deutsch-Lehrerin zu organisieren. „Außerdem wird bei uns im Haus nur Deutsch gesprochen.“ Das zeigt Wirkung: Fatimire I. benötigt keine Übersetzer und plaudert munter drauf los. „Das war neulich bei einem 27-jährigen Arzt aus Syrien, der sich um einen Job als Pflegehelfer beworben hatte, anders. Da ich kein Arabisch spreche, kann ich ihn erst einsetzen, wenn er unsere Sprache gelernt hat. Er darf wiederkommen“, sagt Imeraj. Er verstehe es, dass es keine Flüchtlinge aus dem Kosovo und aus Montenegro geben dürfe, weil dort kein Krieg herrscht. „Doch wenn die Menschen niemandem auf der Tasche liegen und im Gegenteil, sogar das Solidarsystem durch die Vollzeittätigkeit mit ihren Steuern mitfinanzieren?“ „Faule Leute“ sieht Imeraj grundsätzlich nicht gerne – da sei es ihm „egal, ob sie Wurzeln in der Region haben oder aus einem anderen Land“ kommen.

Miljana R. glaubte an ihre Chancen, weil sie „über die Medien vom großen Mangel an Pflegekräften“ erfahren habe. Vom deutschen Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005, wonach der Arbeitsmarkt für Mangelberufe nicht nur Akademikern offensteht, sei in Montenegro nicht thematisiert worden. Einer Abschiebung will Miljana R. jedoch zuvorkommen und freiwillig das Land verlassen. Ausgestattet mit ihrem Arbeitsvertrag hofft sie, bald erneut einreisen zu dürfen, um dauerhaft in Weyhe zu arbeiten und damit wieder Heinz Knieriem versorgen zu können.

Als Vorbild einer gelungenen Integration sieht Miljana R. ihren Chef. Er kam als 15-jähriger mit seinem etwas älteren Bruder 1991 wegen des Jugoslawien-Krieges nach Deutschland. Er besuchte die KGS. Als er abgeschoben werden sollte, sammelten alle Schüler und Lehrer Geld, um einen Anwalt zu bezahlen. „Ich konnte in Deutschland bleiben und eine berufsbegleitende Ausbildung zum Alten- und Krankenpfleger absolvieren.“ Nach einer Weiterbildung zum Pflegedienstleiter machte er sich vor fünf Jahren selbstständig und beschäftigt derzeit auch mit seiner Zeitarbeitsfirma rund 50 Mitarbeiter.

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