Astrid Müller stellt Bilder im eigenen Garten aus

Ungewöhnliche Kunstpräsentation in Kirchweyhe

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Ölgemälde mit Weyher Motiv hinter dem Glas: Es zeigt den Wittrocksee.

Kirchweyhe - Der schönste Ort in Weyhe? Die Künstlerin Astrid Müller muss nicht lange überlegen: „Es ist der Wittrocksee“, sagt sie. Ihr gefalle das Gewässer in der Nähe des Kirchweyher Scheunen-Marktes sogar so sehr, dass das Motiv in ihre Kunst eingeflossen ist. Die Kirchweyherin nennt allerdings augenzwinkernd eine Einschränkung. „Es ist der schönste Ort außerhalb meines Gartens.“

Dieser See befindet sich wenige hundert Meter vom Wohnhaus der 84-Jährigen entfernt. Die Wasserfläche habe sie gleich mehrfach auf die Leinwand gebannt, sagt sie. Derzeit zeigt sie das Ergebnis in einer besonderen Ausstellung.

Um ihre Kunst zu präsentieren, geht die Kirchweyherin nämlich seit gut einem halben Jahr neue Wege. Direkt vor ihrem Haus haben Astrid Müller und ihr Mann Karl eine Vitrine aus Metall und viel Glas errichtet. In diesen abschließbaren Schaukasten drapiert Müller ihre Werke. Das kommt offenbar sehr gut an.

So äußerte sich zum Beispiel der Kirchweyher Reinhard Koldeweyh sehr positiv darüber. Er hatte das Werk, wie andere Spaziergänger, bei einem Rundgang durch seinen Ort entdeckt. Die positive Reaktion des Bäckermeisters sei kein Einzelfall, berichtet Astrid Müller erfreut. Andere Betrachter hätten einfach geklingelt, man sei ins Gespräch über die vielen Ölbilder gekommen, die sich normalerweise nur in ihren eigenen vier Wänden befinden.

Mehr als 50 Bilder hängen entweder an den Wänden oder sind laut Müller verpackt. Die meisten ihrer Arbeiten thematisieren Landschaften. „Ich male aus dem Gedächtnis“, sagt sie. Alle Bilder hätten etwas mit ihrem Leben zu tun.

Astrid Müller malt Landschaften aus dem Gedächtnis.

Neben dem Wittrocksee zeigen weitere Bilder Orte und Eindrücke, die die Kirchweyherin auf den vielen Reisen mit ihrem Mann gewonnen hat: Die Müllers unternahmen ausgedehnte Touren fernab der großen Städte Asiens und Australiens. Astrid Müller deutet auf ein großes Ölbild, das sie an eine von mehreren Reisen an das andere Ende der Welt erinnert. Es zeigt Kühe auf einer grünen Wiese. Das soll Australien sein?

Wie Astrid Müller schildert, sei sie mehrfach wochenlang mit einem geländegängigen Fahrzeug auf abenteuerlichen Routen unterwegs gewesen. Sie sah immer mal wieder am Straßenrand verendete Rinder. Die Lastwagen-Züge, die teilweise bis zu drei Anhänger ziehen, hätten diese Tiere deshalb angefahren, weil die Fahrer die Rinder nicht rechtzeitig gesehen und somit ihre Gefährte nicht hatten anhalten können. „Ich hatte Mitleid mit den Tieren, deshalb gab ich ihnen in meinem Bild eine grüne Wiese und frisches Wasser“, erklärt sie.

Neben Auslandsmotiven richtete sie auch den Blick auf heimische Orte wie zum Beispiel das Bremer Blockland, das sie vor mehreren Jahrzehnten erlebt hat. „Damals war es noch nicht überlaufen“, sagt sie.

Bremer Motive wie das Blockland gehören deshalb zu ihrem Leben, weil Astrid Müller in der Hansestadt geboren wurde. Sie ist ein Kind des Jahrgangs 1935, wohnte mit ihrer Familie nahe dem Hafen und erlebte den Zweiten Weltkrieg und zerbombte Häuser. Den sogenannten Luftschutzkeller, den sie in einer Kriegsnacht aufsuchen wollte, erreichte sie nicht mehr rechtzeitig. Das war ihr Glück. Diesen Keller zerstörte eine Bombe.

Mit Bremen verbindet sie nicht nur Schreckliches, sondern auch schöne Zeiten, in der ihre künstlerische Ader gefordert wurde – und das beruflich sogar in den Anfängen des Wirtschaftswunders. „Ich habe mit 14 Jahren eine Lehre als Hutmacherin absolviert“, berichtet die 84-Jährige. „Ich konnte gut zeichnen und durfte zu den großen Modeschauen nach Düsseldorf. “ Ihre Zeichnungen flossen in die Mode, die ihre Firma in Bremer Schauen im legendären Varieté-Theater Astoria gezeigt hatte. „Das war damals ein angesagter Treffpunkt. Astrid Müller nahm sich die Zeitschrift Vogue zum Vorbild und nähte ihre Kleider selbst. Mit ihrer Garderobe aus ihren kreativen Händen angelte sie sich auch ihren Ehemann. Sie gab ihren Beruf auf. „Der Traum vieler Frauen war es, verheiratet zu sein und Hausfrau zu sein.“ Die Werbung war damals darauf zugeschnitten.

So kam es auch: Astrid Müller bekam eine Tochter. Außerdem studierte sie ein Semester Kunst.

Seit dem Umzug von Bremen nach Kirchweyhe folgt sie noch einer anderen Leidenschaft: Gartenarbeit. „Das hält jung“, sagt sie. Und auch im Garten könne man sich sehr künstlerisch austoben. Ein schöner Garten wiederum biete nämlich zahlreiche Motive für Stillleben.

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