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Modeladen ohne Öffnungszeiten: Ungewöhnliche Geschäftsidee im Lockdown

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Von: Sigi Schritt

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Jennifer Schaapen sortiert die Kleidungsstücke, die sie im Verkaufsraum ihres Wohnhauses anbietet.
Jennifer Schaapen sortiert die Kleidungsstücke, die sie im Verkaufsraum ihres Wohnhauses anbietet. © Sigi Schritt

Jennifer Schaapen hat in Weyhe ein ungewöhnliches Modegeschäft eröffnet: Es liegt nicht an einer der bekannten Einkaufsstraßen, sondern mitten in einem Wohngebiet am Schmiedeweg in Kirchweyhe. Das Kuriose: Es gibt überhaupt keine Öffnungszeiten. Ein entsprechendes Schild sucht man vergebens.

Weyhe – Ihr Modegeschäft befindet sich in einem Wohnhaus. Wer den Verkaufsraum von Jennifer Schaapen betreten will, muss durch das Carport in den Garten gehen. Eine größere Terrassentür zum Garten bildet den Eingang. Wer den Garten betritt, vermutet sicherlich nicht den Weg zu einem kleinen Verkaufsraum für Mode. Und doch befindet sich dort das Eingangsportal zu einem Raum, in dem sich zahlreiche modische Kleidungsstücke, Schuhe, Schmuck und eine Kasse befinden. Mit ein bisschen Fantasie könne es auch eine Art begehbarer Kleiderschrank sein.

„Ich habe meinen Traum verwirklicht“

„Ich habe meinen Traum verwirklicht“, sagt Jennifer Schaapen. Die Idee zu diesem Nebenerwerb hatte die 50-Jährige im Lockdown, als sie ihren eigentlichen Beruf nicht ausüben konnte. In den ersten Monaten in der Corona-Pandemie haben Fluggesellschaften beschlossen, Flieger am Boden zu lassen. „Die Welt stand still, der Himmel war wie leer gefegt.“ Die Mutter von zwei Kindern konnte nicht mehr ihrem gewohnten Job nachgehen, für eine große, deutsche Fluglinie als Stewardess im Fernverkehr zu fungieren. Sie versorgte ihre Familie intensiver als sonst, aber konnte dabei auch ihre Idee reifen lassen.

Den passenden Modeschmuck hat Jennifer Schaapen ebenfalls parat.
Den passenden Modeschmuck hat Jennifer Schaapen ebenfalls parat. © Sigi Schritt

In dem Wohnhaus befindet sich eine Wohnung, die ihr Vater genutzt hatte. Er sei vor vier Jahren gestorben, berichtet sie. „Sein Wohnzimmer und seine Terrasse nutze ich für das Modegeschäft“, erläutert sie.

Idee zum privaten Shopping kam im Corona-Lockdown

Die Idee, die sie in der Corona-Pandemie ausreifen ließ, war die vom privaten Shopping. Es gehe um eine sehr intime, vertraute Atmosphäre, in der nicht nur eingekauft wird, sondern wo Käufer und Verkäufer mitunter auch viel von sich preisgeben. „Man redet auch viel über Privates“, sagt Jennifer Schaapen. Vertrauliches verlasse nicht den Raum, sagt sie. Diese zum Teil recht verrtaulichen Gespräche würden in den üblichen Modegeschäften so nicht geführt.

Man kommt in dieses Geschäft nur hinein, wenn man sich anmeldet und wenn Jennifer Schaapen Zeit hat. Derzeit sei sie wieder für ihre Fluggesellschaft unterwegs. In der vergangenen Woche war sie zum Beispiel in Asien. Ob sie dort nach Mode Ausschau hält? Nein, sagt sie. Das würde sie gerne. Aber sie dürfe eine längere Wartezeit zwischen Landung und Abflug nicht zum Shopping verwenden, sondern müsse die Zeit im Hotel verbringen. So lauten dort noch die Corona-Bestimmungen. Sie kaufe ihre Waren in einem Modecenter für Großhändler in Hamburg ein.

Ihr neues Geschäft habe sich schon herumgesprochen: Zunächst seien nur die Freundinnen vorbeigekommen, jetzt suchen auch deren Freunde und Bekannte Jennifer Schaapen auf.

Anders als in großen Warenhäusern in den Modeabteilungen, in denen nicht unbedingt immer ein Berater zur Verfügung steht, sei das beim sogenannten Privat-Shopping ganz anders. Die Kundinnen von Jennifer Schaapen müssten sich nicht selbst an den Kleiderstangen zurechtfinden, sondern sie haben die 50-Jährige jederzeit als Ansprechpartnerin, die die passenden Kombinationen heraussucht.

Die Hauptzielgruppe seien Frauen ab 30 Jahren, sagt sie. Sie möchte ab und zu kleine Gruppen einladen, die sich zum Beispiel passend zum Herbst oder Winter in geselliger Atmosphäre über das richtige Outfit informieren. Modenschauen sollen das Angebot abrunden. Eine Modeparty war zum Beispiel am Montagabend im Dall’Italiano. „Die Karten waren schnell ausverkauft“, so Schaapen. Sie sei sich jedoch sicher, dass es bei dieser Modenschau nicht bleiben wird. „Weitere werden folgen“, sagt sie. Dann gebe es wieder Tickets.

An Inhalten für eine eigene Homepage arbeite sie noch. Sie habe allerdings schon mal die sozialen Medien wie etwa Instagram oder Facebook mit Bildern aus ihrem Geschäft „gefüttert“.

Weitere Informationen unter https://neueliebeweyhe.de

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