Freiluftkonzert an der Wassermühle

Ungewöhnlich für Jazzmusik

Die Oldenburger Jazz-Formation „Chapeau Manouche“ spielt in Sudweyhe. - Foto: U. Goldschmidt

Sudweyhe - Von Uwe Goldschmidt. Viel Beifall hat es am Sonnabend an der Sudweyher Wassermühle für die Oldenburger Jazz-Formation „Chapeau Manouche“ im Rahmen eines von der Gemeinde organisierten Konzertes gegeben. Inspiriert von Django Reinhard, dem Großmeister des Sinti-Swing, brachte das Quartett dessen Musik der 1920er- und 1930er-Jahre auf die Freilichtbühne an der Hache.

Zunächst nutzen die Schwestern Charlotte und Antonia Kaluza die Gelegenheit und stellten dem zunächst in übersichtlicher Zahl erschienen Zuhörern vier ihrer selbstkomponierten Stücke vor. So waren die Gäste bereits eingestimmt, als die Oldenburger Profis die Bühne übernahmen.

Zwei Gitarren, eine Geige und ein Kontrabass: In dieser für Jazzmusik ungewöhnlichen Instrumentation erklingt die Musik des im Jahre 2008 gegründeten Ensembles, um so zu einem unverkennbaren Klangbild zu finden.

Die Gitarristen Manolito Steinbach und Wilhelm Magnus verleihen mit ihrem energiegeladenen Rhythmus- und Solospiel dem Ensemble die charakteristische Prägung des Sinti-Swing. Die in der Jazzmusik eher selten zu hörende Geige – gespielt von Sorin Ferat, der als Ersatz für den erkrankten Clemens Schneider einsprang, verfeinert den Klang der Oldenburger Gruppe.

Ferat, der von seinen Kollegen auch als Rumänischer Teufelsgeiger bezeichnet wird, versprühte als Profimusiker musikalisch eine spürbare Leichtigkeit in seiner Spielweise, so dass man ihm die Spielfreude und Begeisterung jeden Moment anmerken konnte. Charmant lächelnd streicht er mit dem Bogen scheinbar über die Saiten seines Instruments und entlockt diesen die typischen weichen, aber wenn es sein muss, auch harten Töne.

Während Benjamin Bökesch mit seinem erdenden Bass-Spiel das Fundament dieser mitreißenden und lebensfrohen Swingmusik gießt, überzeugt Manolito Steinbach an der Gitarre mit schnellem und harmonischem Gitarrenspiel. Er ist selber Sinto und versucht die Kultur der Sinti zu vermitteln. Mit ihm spielt Wilhelm Magnus (Rhythmusgitarre), der auch eigene Titel für die Gruppe komponiert.

Zwischen den einzelnen Titeln erzählte Bökesch etwas über das Leben des Musikers Django Reinhardt. Er gelte als der Begründer des europäischen Jazz. 1910 in Belgien als Sohn von Manouche, der französischsprachigen Sinti, geboren, lebte er später mit seinen Eltern in einer Wohnwagensiedlung in der Nähe von Paris. Er wurde schwer verletzt, als sein Wohnwagen in Brand geriet. Obwohl er sich erholte, blieb seine linke Hand verkrüppelt. Das führte dazu, dass er sich eine eigene Grifftechnik aneignete, die später sein Markenzeichen wurde.

Bei den interpretierten Originalkompositionen Reinhards, die weithin als Gypsy-Swing bezeichnet werden, ist der treibende und pumpende Rhythmus, der sogenannte „la pompe“ (französisch für Pumpe) das sofort Auffällige.

Dabei wird, wann immer möglich, ein Abschlag über die Saiten der Gitarre gespielt, da dieser lauter ist und weniger Kraft benötigt. Synchron wurde diese Kraft von Steinbach und Magnus ins Publikum transportiert. Für ihre Soli erhielten die Musiker oft Szenenapplaus.

Aber auch die zeitgenössischen Kompositionen von Magnus kamen an der Wassermühle gut an. Der Titel „Saint Germain“ von Magnus enthielt viele Elemente des brasilianischen Bossa Nova, wie ihn Antônio Carlos Jobim in den 1950er-Jahren komponierte. Er klang erst leicht und sanft und wechselte dann nach Gitarren- und Geigensoli wieder in den typischen Rhythmus des Jazz.

Bassist Bökisch attestierte den Zuhörern aufgrund des lautstarken Beifalls einen guten Geschmack und lieferte mit seinen Musikern – nachdem die Wolken am Himmel erfolgreich beiseite gespielt wurden – noch die geforderten Zugaben.

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