Umweltbeauftragter Panten freut sich über neues Leben in der Leester Marsch

Einladung für Schnepfen und Schilfrohrsänger

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Der Bremische Deichverband hat das Biotop als Ausgleichsfläche angelegt. Grafik: Verband

Weyhe - Von Philipp Köster. Ulf Panten freut sich, dass bald womöglich seine Kindheitserinnerungen wieder lebendig werden.

Der Umweltbeauftragte weiß noch, dass es vor 40 Jahren in der Leester Marsch eine breit gefächerte Flora und Fauna mit Feldlerche, Brachvogel & Co. gab. Doch die „intensivste Landwirtschaft“ der vergangenen Jahrzehnte hätte zu einer Artenarmut geführt.

Dank der Renaturierungsmaßnahme westlich der Ochtumbrücke könnten sich aber schon in zwei bis drei Jahren wieder viele Vogel- und andere Tierarten auf dem Areal niederlassen. Wie berichtet, hatte der Bremische Deichverband links der Weser das Feuchtbiotop als Kompensation angelegt. In der Nähe des Güterverkehrszentrums musste ein ähnlicher Auwald weichen, damit der dortige Weserdeich verstärkt und erhöht werden konnte. „Das ist der prognostizierten und schon eintretenden Veränderung des Klimas geschuldet“, sagt Marcus Winde, Ingenieur beim Deichverband. Weil die Bremer keine geeigneten Flächen für die 1:1-Kompensation hatten, wurden sie beim Mittelweserverband auf niedersächsischem Gebiet fündig, der ihnen das Gelände verkaufte. Insgesamt wurden 900000 Euro für das Feuchtbiotop fällig, inklusive Anpflanzungen, Erdbewegung in großem Stil, Straßensanierung und Ochtumdeichaufweitung. Denn bislang war der Fluss in kanalisiertem Zustand. Weil der Auwald aber laut Markus Baritz von der beauftragen „Planungsgruppe Grün“ mehrmals im Jahr nasse Füße bekommen muss, hat die ausführende Firma Mittelwesertiefbau den Deich an der Ochtum aufgebrochen und Altarme reaktiviert.

Uferschnepfen, Schilfrohrsänger und Schellenten sollen sich in Kürze im Röhricht wohlfühlen. Darunter versteht man in der Biologie eine gehölzfreie Vernässungsfläche (Baritz) mit Schilf, Rohrkolben, Stauden und Gräsern.

Eine andere Spezies siedelt sich nicht an, beobachtet aber die Anlage beim Vorbeiziehen: die Radler, die zu Hunderten die Strecke durch die Marsch für den Weg zur Arbeit in Bremen nutzen. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so viele sind“, gibt Marcus Winde zu. Er hätte die Straße Vorwiese für die Arbeiten der Bagger auch lieber länger gesperrt. Doch dagegen hatte die Gemeinde erfolgreich ihr Veto eingelegt. So konnten Radfahrer die Straße lediglich in der Woche vor Pfingsten nicht nutzen, weil die Vorwiese erneuert wurde.

Bald soll ein Schild auf das Feuchtbiotop und seine Anpflanzungen hinweisen. Die Gemeinde hat, obwohl sie sonst nichts mit der Maßnahme zu schaffen hat, eine zweite Bank aufgestellt. Auf ihnen sitzend und dem Auwald beim Wachsen zusehend, können Radler, Spaziergänger und Unweltbeauftragte in Kindheitserinnerungen schwelgen.

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