Lockdown und Homeschooling

Parkplatz-Gespräche in Weyhe: Verlängerung, wenn nötig „bis zum März“

Will mit ihren Kindern Janne und Jaris ohne Auflagen spielen: Gaby Schierenbeck spricht sich für eine Lockdown-Verlängerung aus.
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Will mit ihren Kindern Janne und Jaris ohne Auflagen spielen: Gaby Schierenbeck spricht sich für eine Lockdown-Verlängerung aus.

Deutschland im Lockdown: In einer nicht-repräsentativen Umfrage sprachen sich in Kirchweyhe Bürger gemeinsam dafür aus, dass das öffentliche Leben länger als geplant pausieren sollte. Die Bundesregierung und die Regierungen der Länder sollten den Lockdown über den 11. Januar hinaus beschließen.

Weyhe – „Ich werde aggressiv, wenn ich die Bilder sehe“, sagt Gaby Schierenbeck. Mit „Bildern“ meint die zweifache Mutter die Menschen, die mitten in der Corona-Pandemie ins Ski-Gebiet fahren, um dort zu feiern oder Wintersport zu betreiben. Abstände einhalten? Fehlanzeige. Es seien Egoisten, die ganz bewusst die gebotenen Hygieneregeln nicht einhalten wollen. Es mache die 36-Jährige aus Kirchweyhe ebenso ärgerlich, wenn sie Szenen von Partygängern im Fernsehen sieht, die nur aufhören, wenn die Polizei kommt. Anderswo ringen die Menschen in den Krankenhäusern um ihr Leben, macht sie deutlich. Gaby Schierenbeck findet, dass es noch zu viele Menschen gebe, die die Corona-Lage ignorierten, deshalb plädiert sie dafür, die Lockdown-Maßnahmen zu verlängern und notfalls zu verschärfen.

Es schlage aber auch ein zweites Herz in ihrer Brust: Ihre Kinder Janne und Jaris, drei und vier Jahre alt, benötigen den Kontakt zu anderen Mädchen und Jungen. Nur die paar flüchtigen Begegnungen auf dem Spielplatz – das reiche längst nicht aus, so die 36-Jährige. Je schneller die Pandemie im Griff sei, desto besser sei es für alle und eben auch für ihre Kinder. Deshalb sei es gut, die Warnungen und Restriktionen ernst zu nehmen.

Alexander Schmidt (36)

„Sollte sich die Regierung für einen unbefristeten Lockdown entscheiden, so wäre das okay“, sagt Alexander Schmidt aus Brinkum. Die aktuellen Maßnahmen würden nicht ausreichen. Das Partyvolk hätte einen Weg gefunden, um zu feiern und um sich näher zu kommen. Allerdings würde er sich bei einem unbefristeten Lockdown Sorgen um die Betreuung seines Kindes machen. Er hofft, dass die Großeltern diesen Dienst übernehmen, weil sie jetzt in Rente seien.

Melanie Vogt (39)

Für Melanie Vogt (39) aus Riede, die in Kirchweyhe Lebensmittel einkauft, sollte „der Lockdown bis Ende Januar andauern“, weil die Zahlen der Neuinfizierten und Toten zu hoch seien. Corona schrecke die Leute nicht ab, in den Urlaub zu fahren. „Die nehmen keine Rücksicht.“ Man müsse noch nicht mal in die Ferne schauen: Maskenpflicht auf dem Parkplatz würden auch einige Weyher nicht ernst nehmen. Ob es eine Verlängerung bis in den Februar hinein geben sollte? Das müsse man sehen. In die Überlegungen mit einbezogen müsse auch werden, wie weit die Impfungen voranschreiten.

Ihre Mutter Waltraud (64) könnte sich sogar vorstellen, dass das öffentliche Leben bis in den März hinein stillsteht. Senioren langweilen sich. Zwar vermissen sie die bekannten Treffen und Veranstaltungen. Aber Sicherheit ginge vor. Einen zaghaften Lockdown könne man nicht gebrauchen. „Wenn wir von Lockdown reden, klagen wir auf hohem Niveau“, sagt Melanie Vogt. „Wir dürfen ja raus, mit dem Auto unterwegs sein, einkaufen.“ Was ihr fehlt: Sport und das Treffen mit ihren Freunden. „Wir können unsere Gewohnheiten nicht so pflegen wie in den Jahren zuvor.“ Sie findet es schade, dass Kohlpartys tabu seien und dass das Bremer Sechstagerennen ausfällt. Alles könne man jedoch im nächsten Jahr nachholen. Bis zum Ende der Pandemie müsse nun ihre Arbeit aus dem Homeoffice gemacht werden. Sie sei für ein Versorgungsunternehmen tätig und daheim vernünftig ausgestattet – also mit Schreibtisch samt ergonomischem Bürostuhl sowie schnellem Internet.

Marcel Schumacher

Marcel Schumacher aus Kirchweyhe (22) hätte eine härtere Lockdown-Gangart im November für notwendig gehalten, sagt er. In dieser Situation plädiert der Student für eine Verlängerung von drei Wochen. „Und dann muss man weitersehen.“ Er komme in seinem Mathe- und Physik-Studium an der Uni Bremen ganz gut klar. Für das siebte Semester gebe es Live-Streams und Videos. „Man sitzt daheim am PC und schaut sich alles an. Die Videos zum Stoff könne man „bequem anhalten, um einige Sachen zu den Modulen nachschlagen“. Ihm fehle lediglich der direkte Austausch mit den Mitstudenten, und man verliere etwas an Motivation, weil man meint, Videos später anschauen zu können. Es sei sogar möglich, daheim mit anderen ein Bier zu trinken – verbunden über das Programm Zoom.

Nadine Steeneck (39)

Auch Nadine Steeneck (39) aus Riede spricht sich für einen verlängerten Lockdown, nicht aber für verlängerte Ferien aus. Sie arbeite in einer Zahnarztpraxis, habe Urlaub und daher frei. Schüler, wie ihr 13-jähriger Sohn, sollten aber unterrichtet werden. Das könnte ebenfalls per Zoom geschehen und sei problemlos möglich. Engagierte Lehrer würden mit Sicherheit einen Weg finden, den Schülern etwas beizubringen.

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