Überzeugende Gestik und starke Mimik

Gelungene Premiere von „Willi Winzig“ im Weyher Theater

Mit der Komödie „Willi Winzig“ bringt das Weyher Theater ein Heinz-Erhardt-Stück auf die Bühne, das sich der Komiker auf den Leib geschrieben hatte. - Foto: Ehlers

Weyhe - Von Regine Suling. Er ist rechtschaffen, und er hat sein Herz am rechten Fleck. Und doch: Wirklich wahr- und ernstgenommen wird er nicht. Willi Winzig, der kleine Beamte im Finanzministerium Süd. „Unsereiner muss arbeiten und Akten schreiben. Und wenn das draußen zugestellt wird, dann sind das Tragödien und Katastrophen“, jammert Willi Winzig, während er in seiner Amtsstube die Aktendeckel aufschlägt – und kurzerhand ein paar von ihnen im Ordner im Schrank verschwinden lässt, um außerhalb der Welt des Ministeriums keine Schicksalsschläge auszulösen. „Denn wenn der das kriegt, hängt er sich tot oder schießt sich auf.“

Mit „Willi Winzig – Das hat man nun davon!“ legte ganz besonders Thorsten Hamer als Willi Winzig am Freitagabend eine grandiose Premiere auf die Bretter des Weyher Theaters. Hamer weiß, was er tut: Denn er gilt als versierter Heinz-Erhardt-Interpret und hat dessen Programme mehr als 1000 Mal auf die Bühne gebracht.

Auch am Weyher Theater brilliert Thorsten Hamer in der Komödie von Heinz Erhardt als solcher – und bedient dabei alle Genres. Den Schüchternen, den Verrückten, den Ehrlichen und manchmal auch den Mutigen. Das alles garniert mit der nötigen Prise Witz und Klamauk, mit einer starken Gestik und Mimik.

Dabei ist es nicht selbstverständlich, die Stücke und den Humor aus den 1950er- und 1960er-Jahren auch im 21. Jahrhundert zu einem Erfolg zu machen. Dem Ensemble des Weyher Theaters ist das gelungen.

„Ich komme direkt von meinen lieben Kühen und Schweinen“, sagt der Landwirt und frisch gebackene Finanzminister Kuhländer (Joachim Börker), dem sein neues Ressort so gar nicht gefällt. „Was machen Sie hier?“, will er von Willi Winzig wissen. „Teils jenes, teils dieses“, erwidert der. Und irgendwann platzt ihm, der noch eine Woche bis zur Frühpensionierung vor sich hat, der Kragen. Er geigt seinem Chef Herrn Dolleschall (Hermes Schmid) die Meinung. Dessen Antwort folgt auf dem Fuße: Kürzung der Beamtenpension auf ein Drittel. Das löst die blanke Panik in Willi Winzig aus.

Er beherzigt den Rat des Ministerialsekretärs Dr. Senn (Carsten Steuwer): „Geben Sie dem Affen Zucker!“ Woraufhin Winzig wissen will: „Wo kriege ich den Affen her?“. Er solle den Verrückten mimen, dann bekomme er die komplette Pension, sagt Dr. Senn. Gesagt, getan.

„Ich bin ein Narr. Helau!“

Willi Winzig springt über die Bühne, macht lauter verrückte Dinge: „Ich bin ein Narr. Helau!“ Plötzlich wird er wahrgenommen – allerdings ganz anders als er dachte. „Für mich sind Sie der normalste Mensch, dem ich seit langem begegnet bin“, sagt Minister Kuhländer. „Wenn der Keks spricht, haben die Krümel zu schweigen“, herrscht Winzig seine Vorgesetzten an. Und legt dank einiger glücklicher Umstände schließlich eine steile Karriere im Ministerium hin.

Winzig bleibt seiner rechtschaffenen Art und Weise treu, er himmelt weiterhin die Tierärztin Dr. Kubin (Isolde Beilé) an, die eigentlich nur auf Fördermittel für ihre Forschung aus ist.

Winzig nimmt weiterhin nicht wahr, wie sehr ihn seine Mitarbeiterin Frau Weguscheit anhimmelt – übrigens hervorragend von Maren Rogge in Szene gesetzt. Wie sie über ihre Brille linst, den Rock übers Knie schiebt und ihn fragt: „Sie haben doch sicher ein Hobby?“ ist unnachahmlich. Und sich doch nicht abschrecken lässt von Winzigs herbem Charme: „Erstens bin ich für Sie zu jung, und zweitens sind Sie für mich zu alt.“

Welche Rollen Landwirtschaftsminister Dr. Finz (Marc Gelhart) und der Scheich von Hamudistan (Simon Kase) in dieser Komödie spielen, wie die Geschichte für Willi Winzig schließlich ausgeht – das erfahren all jene, die sich das Stück noch bis zum 24. Juni anschauen. Es lohnt sich, denn zwei humorvolle Stunden sind garantiert.

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