Ärger um Reihenhäuser in Leeste

„Überdimensionierter Fremdkörper“ verursacht Anwohner-Frust

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Anwohner der Leester „Schloss“-Straßen haben vergeblich versucht, Änderungen beim Bau von sechs Reihenhäusern zu erwirken, die ab Herbst – auf dem Bild rechts – entstehen sollen.

Leeste - Von Philipp Köster. „Reihenhäuser in traumhafter Lage von Leeste“ preist ein Exposé der Firma Baucom an. Verkauft werden an der Straße Am Schloss sechs Wohneinheiten à circa 155 Quadratmeter über drei Etagen, erstellt in energieeffizienter Bauweise, die den KfW-55-Standard „sogar übertreffen“. Vier Häuser sind bereits reserviert, Baubeginn soll im Herbst sein. Die Nachbarn sind über das Projekt aber alles andere erfreut.

Für die Anwohner der Straßen „Am Schloss“, „Schlossgarten“ und „Hinter dem Schloss“ stellt der Neubau einen „überdimensionierten Fremdkörper“dar, wie sie es in einem Schreiben an die Gemeinde, den Landkreis als Genehmigungsbehörde sowie die Firma Baucom formuliert haben. „Es war uns schon klar, dass die grüne Oase irgendwann bebaut werden würde“, sagt Harald Bruns als Sprecher der Nachbarn gegenüber dieser Zeitung. Erkundigungen bei den Behörden hätten ergeben, dass sich ein Haus an der Umgebungsbebauung orientieren müsste. „Doch als das Exposé publik wurde, haben wir gemerkt, dass sich Baucom unsere Reihenhausphilosophie zu eigen gemacht hat.“ Allerdings passe die vermutete Firsthöhe von bis zu 15 Metern nicht zu den längs in Nord-Südausrichtung erstellten Flachdachbauten aus den 1970er-Jahren, finden Bruns und seine Mitstreiter.

Die Referenzobjekte, auf die sich die Firma von der Höhe beziehen könnte, befänden sich an der Alten Poststraße und der Leester Straße. Die Nachbarschaft fordert in ihrem Schreiben von Ende Mai, die „geplante Bebauung neu zu gestalten, insbesondere in der Gebäudehöhe“.

„Stadtplaner müssten Haare zu Berge stehen“

Darüber hinaus greifen die Anwohner die aktuelle Diskussion um die Sanierung und Ortskerngestaltung Leestes auf und fragen nach den Gestaltungskriterien für die Entwicklung. „Leeste und Teile Kirchweyhes sind schlimm zersiedelt. Es gib kaum konkret Gewachsenes“, sagt Bruns. Die Gemeinde müsste sich bei der Planung mehr Mühe geben. „Dem neuen Stadtplaner (Christian Silberhorn, d. Red.) müssten doch die Haare zu Berge stehen.“

Der Angesprochene antwortet auf Anfrage, dass das Vorhaben im Innenbereich und im Sanierungsgebiet liegt, es aber keinen Bebauungsplan gibt. Darum sei es nach dem Paragrafen 34 des Baugesetzbuches zu behandeln. Silberhorn verweist zugleich auf den Landkreis als Genehmigungsbehörde. Dessen Baudirektor Stephan Maaß zitiert besagten Paragrafen 34, demzufolge ein Vorhaben zulässig ist, „wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. Maaß weiter: „Anwohner können sich gegen ein benachbartes Bauvorhaben mit Widerspruch und Klage zur Wehr setzen, wenn sie in ihren Rechten verletzt sind. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Grenzabstände nicht eingehalten werden oder erhebliche Immissionsbelastungen zu erwarten sind. Ein Mitspracherecht über die Gestaltung des Nachbargebäudes gibt es hingegen nicht.“ Das bedeutet kurzum, dass das Ansinnen der Nachbarn wenig Aussicht auf Erfolg haben dürfte. Inzwischen haben sie sowohl mit Baucom als auch mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte gesprochen – mit entsprechend ernüchterndem Ergebnis. „Die Firma wird mit keinem Jota von ihren Plänen abweichen“, sagt Harald Bruns. Das Gespräch mit den Baucom-Verantwortlichen sei in vernünftig-sachlicher Atmosphäre über die Bühne gegangen. Es gebe aber kein Zugeständnis. Ein Mitbewerber hätte noch ganz andere Pläne gehabt, habe es geheißen.

Weil die Nachbarn dem 74-Jährigen zufolge keine Handhabe für einen erfolgversprechenden Einspruch haben, wollen sie auch keine Rechtsmittel einlegen. „Bitte bitte sagen, bringt nichts.“ Ein Anwalt könnte maximal eine Zeitverzögerung erwirken. Bruns und seine Mitstreiter sind vielmehr sogar bereit, auch den neuen „Schlossbewohnern“ die Hand zu reichen und sie in die funktionierende Nachbarschaft zu integrieren.

Die Firma Baucom hat trotz mehrfacher Bitte keine Stellungnahme abgegeben.

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