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Tugba Biyikli-Wiesemann: Die neue Direktkandidatin der Grünen im Nordkreis stellt sich vor

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Von: Gregor Hühne

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Tugba Biyikli-Wiesemann.
Aus Weyhe für Niedersachsen: Tugba Biyikli-Wiesemann (36) ist das neue, junge und weibliche Gesicht für die Grünen im anstehenden Landtagswahlkampf in Niedersachsen. © Gregor Hühne

Tugba Biyikli-Wiesemann ist die neue, junge und weibliche Gesicht der Grünen für den Wahlkreis 40, der Bassum, Syke, Stuhr und Weyhe umfasst. Nun stellt sich die 36-jährige Kita-Leiterin für die kommende Landtagswahl am 9. Oktober zur Wahl. Eines ihrer Ziele in der Politik und der Bildung: Ambiguitätstoleranz zu vermitteln, also Unterschiede auszuhalten.

Weyhe – Tugba Biyikli-Wiesemann will in den Niedersächsischen Landtag. Sie ist die neue junge Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis 40 bei der anstehenden Landtagswahl am 9. Oktober. „Viele denken, dass wir das hauptamtlich machen“, erzählt sie, doch die politische Arbeit betreibe sie (noch) in ihrer Freizeit.

Seit rund vier Jahren leitet sie die 36-Jährige die Kita in Sudweyhe und ist von Haus aus Pädagogin. Ihr Steckenpferd ist daher die Bildungs- und Familienpolitik. Tugba Biyikli-Wiesemann steht „für eine inklusive, offene Gesellschaft“, und dafür „müssen wir lernen, uns mit allen Lebensphasen zu beschäftigen“. Ambiguitätstoleranz nennt sie das, was sie bereits den Kleinsten beizubringen versucht. Der Begriff bedeutet, Unterschiede aushalten zu lernen. „Familien sind unterschiedlich wie die Gesellschaft“, beschreibt sie. Eltern bräuchten unterschiedliche Betreuungszeiten und Betreuungsangebote.

Ich bin überrascht, wie braun es auf dem Land werden kann, aber ich sehe auch, dass viele Menschen sich dagegen solidarisieren, die ein gutes und inklusives Miteinander wollen.

Tugba Biyikli-Wiesemann, Direktkandidatin im Wahlkreis 40 von Bündnis 90/Die Grünen

Vor rund vier Jahren zog sie nach Weyhe. „Ich bin schon immer politisch aktiv gewesen“, erzählt sie. Sie hat ihren Bachelor in Sozialer Arbeit gemacht und dabei den NSU-Themenkomplex aufgearbeitet. Zu den Grünen kam sie vor etwa vier Jahren über ein Mentoringprogramm des Landes Niedersachsen, das mehr Frauen in die Politik bringen will. Damals habe sie Annika Bruck in Weyhe als Mentee an die Hand genommen. Anschließend verschlug es Tugba Biyikli-Wiesemann im Jahr 2019 zu den Grünen. „Ich war schon immer grün-affin“, sagt sie, „und wollte nicht in eine konservative Partei.“ Unabhängig von der anschließenden Parteiwahl könne sie das Mentoring jeder Frau empfehlen, die mit der Politik liebäugelt. Dort werde gelehrt sich zu behaupten, auch bei rauem Gegenwind.

Ein weiteres Themenfeld ist die „Chancengleichheit von Anfang an“, was auf ihren Plakaten steht. Ohnehin fange bürgerliches Engagement „ganz früh an“, sagt Tugba Biyikli-Wiesemann. Das Interesse an politischen Entscheidungen und Prozessen bemerke sie bereits bei Kindern. Angesprochen von Kindern auf die Wahlplakate mit ihrem Konterfei, reagierten viele neugierig und erfuhren so zum ersten Mal etwas über Landtagswahlen und politische Mitbestimmung. Sie selbst wolle so „Politik niedrigschwelliger machen“ und erklären, was man bewirken kann – und ebenso nicht bewirken kann.

Wahlkampf mit Anfeindungen

Anfeindungen an Wahlkampfständen habe Tugba Biyikli-Wiesemann selbst bereits erlebt. Gelegentlich gebe es Leute, die da vorbeikommen und dann lautstark ihre Ablehnung der Grünen kundtun würden oder auch gegen sie persönlich wetterten, warum sie sich denn als Migrantin in Deutschland zur Wahl aufstellen lasse. Tugba Biyikli-Wiesemann, gebürtig aus der Türkei, kam mit einem Lebensjahr nach Deutschland. Hier wuchs sie auf. „Für einige Menschen bin ich im Wahlkampf eine negative Projektionsfläche.“ Die Polizei sei bei solchen Pöbeleien nicht nötig gewesen, aber „die Sorge ist da, und die ist auch berechtigt“, so die Kandidatin darüber, dass sich die Lage auf der Straße im Herbst aufschaukele.

Parteien wie die AfD, sagt sie, nutzten die steigenden Energiepreise und die allgemeine Inflation, um Stimmung zu schüren. „Auch ich will, dass Energie bezahlbar bleibt, die Wirtschaft läuft und die Kinder gut aufwachsen“, erklärt sie. „Leute, lasst euch keinen Bären aufbinden von denen, die keine Lösungen anbieten.“

Es sei beängstigend, wenn sie von Übergriffen auf Politiker höre oder deren Autos zerstört würden: „Die Gefahr ist da, dass es Leute einschüchtert und aus dem öffentlichen Raum vertreibt.“ Sich einschränken oder klein beigeben will Tugba Biyikli-Wiesemann nicht. Zwar sei sie vorsichtiger geworden, ihre Familie soll keine Nachteile durch ihre politische Arbeit erleiden, doch der öffentliche Raum gehöre allen, betont sie. „Ich bin überrascht, wie braun es auf dem Land werden kann, aber ich sehe auch, dass viele Menschen sich dagegen solidarisieren, die ein gutes und inklusives Miteinander wollen.“

In den kommenden Wochen bis zur Landtagswahl hat Tugba Biyikli-Wiesemann kaum noch Zeit. So werde sie vermehrt „zum Schnack“ Veranstaltungen in Lokalitäten aus der Region besuchen, um dort mit Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen. Während Corona hätten viele „stark zurückstecken müssen“, sagt sie. Beispielsweise sei die Regelung, zugleich Homeoffice und Homeschooling zu verordnen, eine der „bescheuertsten Maßnahmen der letzten zwei Jahre“, findet sie. Wer diese Entscheidung traf, habe nie „die Umsetzung im Feld erlebt“, so Tugba Biyikli-Wiesemann. „Ich komme aus der Praxis“, und mit ihrer Sicht der Lebenswelt will sie in der Landespolitik wirken – für alle Menschen.

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