Tosender Applaus

Chor, Solisten und Kammersinfonie begeistern mit Haydns „Schöpfung“

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Kantorin Elisabeth Geppert (am Podest) dirigiert erneut ein beeindruckendes Konzert.

Kirchweyhe - Von Angelika Kratz. Bei strahlendem Sonnenschein über die Schöpfung Gottes nachzudenken, ist sicherlich nicht so schwer. Wer aber den bequemen Liegestuhl verlässt und sich auf in die Felicianuskirche macht – sollte am Sonntag mit Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ einen wunderschönen musikalischen Genuss erleben.

Erneut hatte die Kantorei unter Leitung von Elisabeth Geppert ein großes Werk einstudiert.

Joseph Haydn ließ sich Anfang der 1790er-Jahre bei seinem zweiten Londoner Aufenthalt in der Westminster Abbey von Händelschen Oratorien inspirieren. Solch ein Werk zu schaffen, war für den nicht mehr jungen Haydn nicht nur ein großer Wunsch, sondern auch eine große Herausforderung.

Als leicht verständliche Komposition für jeden Musikfreund ist dieses Oratorium für Kantorin Elisabeth Geppert wie ein musikalisches Bilderbuch, in dem laut vernehmlich Elefanten durch die Kirche laufen, der Sonnenaufgang in ein dramatisches Crescendo umgesetzt wird und sich leise und volle Töne abwechseln.

Mit großem Applaus wurden die gut 60 Sängerinnen und Sänger der Kantorei, die Kammersinfonie Bremen sowie die Solisten Magdalene Harer (Sopran), Christiane Artisi (Alt), Michael J. Connaire und Guido Weber beim Einzug in das Kirchenschiff begrüßt. Pastorin Gisela Freese übernahm die Eingangsworte in der sehr gut gefüllten Kirche. Nicht nur sie freute sich auf Haydns Interpretation der guten Schöpfung.

Professor Kluge dirigiert versunken mit

Auf einem der nummerierten Sitzplätze hielt Professor Joachim Kluge, Mitbegründer der Kammersinfonie Bremen, die Partitur zu Haydns „Schöpfung“ in den Händen. Tief versunken dirigierte er in den kommenden Stunden mit seiner linken Hand oft mit. Nicht verwunderlich, denn wohl kaum einer steht der Kammersinfonie Bremen als langjähriger Leiter näher.

Am Sonntagabend hielt indes Elisabeth Geppert den imaginären Taktstock in den Händen. Mit einem gewaltigen Tusch, einem Donner gleich, begann der erste Teil der Schöpfung, denen sogleich leisere Töne folgten. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, übernahm Bassist Guido Weber die Rolle des Raphael. „Und Gott sah das Licht“, berichtete Uriel, Tenor Michael J. Connaire, weiter. Im Wechselspiel mit dem Chor ergab sich eine eindrucksvolle Darstellung der ersten vier Tage der Erschaffung der Welt weg vom Chaos hin zum Licht, der Entstehung von Pflanzen und der Gestirne. Gabriel wurde von Sopranistin Magdalene Harer verkörpert, die wie ihre Kollegen eine großartige Stimme hatte.

Mischungen mit reicher Bläserbesetzung und viel Witz

Neu waren damals im 18. Jahrhundert zur Zeit der Uraufführung neue Klangmischungen mit reicher Bläserbesetzung und viel Witz im zweiten Teil. Perfekt gestaltete sich das Wechselspiel von Solisten, Kammersinfonie und einer sehr ausgewogenen Kantorei. Wie Elisabeth Geppert bereits im Vorfeld versprochen hatte, waren die Tiere mal laut brüllend oder mal winzig klein als Insekten zu vernehmen. „Und der himmlische Chor feierte das Ende des sechsten Tages“, verkündete Raphael, aber für die Kantorei ging es dennoch weiter in den dritten Teil mit dem Auftreten von Adam und Eva. Bis zum letzten Satz musste Altistin Christiane Artisi warten. Ihr blieb nur ein gesangliches „Amen“, aber so hatte es sich Meister Haydn gewünscht.

„Eine sehr schöne, lebendige Aufführung“, lobte Kammermusiker Joachim Kluge, bevor er zu zahlreichen Umarmungen Richtung seines Orchesters eilte. Das Publikum sah es ebenso und dankte mit tosendem Applaus für einen ganz besonderen Konzertabend.

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