360 Grad Performance zeigt „Sixties an Bord“

Tollkühne Stewardessen in ihrer fliegenden Kiste

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Sie versorgen die Fluggäste mit Proviant und bringen darüber hinaus das eine oder andere Lied zu Gehör: die Stewardessen von „Jet-Baguette“.

Kirchweyhe - Von Uwe Goldschmidt. Zum zweiten Mal hat die französische Airline „Jet-Baguette“ die KGS Kirchweyhe als Startflughafen ausgewählt. Das junge Theaterensemble von 360 Grad Performance hob am Freitagabend mit rund 200 Passagieren zu einem musikalischen Flug mit vielen unvorhergesehenen Pannen nach Paris ab und bot eine quietsch-vergnügliche Show mit dem Titel „Sixties an Bord“.

Bereits beim Check-in werden die Fluggäste von den Stewardessen mit französischem Akzent begrüßt und mit Bordproviant ausgestattet, während im Hintergrund die typischen Flughafendurchsagen laufen. Nachdem im Publikum noch die Musiker für die Band gefunden wurden, hebt die alte Tupolew in Richtung Frankreich mit leichter Verspätung ab.

Pilot verfliegt sich, Co-Pilot ist tot

Eine Stewardess von Jet-Baguette stellt sich als „Angstflug-, nein Flugangstbegleitung” vor, die andere bemerkt lakonisch: „Unsere richtisch Flugzeug ist in eine Eimer”, weshalb ein ausrangiertes Transportflugzeug für „winzig kleine Atombomben” als Ersatz herhalten muss. Und der mehr als angetüdelte Pilot (Kai Rosenberg) kann sich nicht recht erinnern, ob er gerade gelandet ist oder noch starten muss. Das Essen wird knapp, das Flugzeug entpuppt sich als schrottreif, ein Triebwerk fällt aus, der Co-Pilot ist tot, der Kapitän verfliegt sich, und die geplante Notwasserung auf der Nordsee fällt buchstäblich ins Wasser.

Doch die tollkühnen Stewardessen in ihrer fliegenden Kiste wissen sich in jeder Situation zu helfen, und zum Glück gibt es ein großes Repertoire an Songs, mit denen Babette (Jenny Sievert) und Jeanette (Jessica Knief) sowie ihr leidgeprüfter Azubi Raclette (Catharina Zogmayer) über alle Pannen hinweg singen und tanzen. Die Protagonisten haben für jede Situation das passende Lied parat. Aber nicht nur die originellen Interpretationen der Hits, auch die frechen Dialoge machen den Katastrophen-Trip zu einem himmlischen Vergnügen, der musikalisch treffend mit der Gospelballade „I fly away“ beginnt.

Schon mit den ersten Songs des Abends beweisen die drei Darstellerinnen neben ihren schauspielerischen ebenso ihre gesanglichen Qualitäten. Wie auch mit dem Titel „Boogie Woogie Bugle Boy“ aus dem Jahr 1941, der der Originalversion von den Andrews Sisters dank des dreistimmigen Gesangs und der flotten Begleitung der sechsköpfigen Live-Band erstaunlich nahe kommt.

Weitere „Beatles an Bord“-Aufführungen scheiterten an Urheberrechten

Mit erfrischender Spielfreude und Können geht es weiter zum Zielflughafen. Mal rockig mit Titeln von Elvis – etwa „Don‘t be cruel“, „Return to sender“ und dem „Jail House Rock“ –, aber auch mal ruhiger mit „Blue moon“, „You´re always on my mind“ und „What a wonderful world“. Immer wieder begeistern die die drei Flugbegleiterinnen dabei auch mit überzeugend vorgetragenen Soloparts.

Regisseur Marco Lange hat nach nur einem halben Jahr Vorbereitung mit den Amateurschauspielern und -musikern ein komplettes Musical auf die Bühne gebracht, das sich hinter Aufführungen vieler professioneller Theater nicht verstecken muss. Die Urfassung des Stücks schuf der deutsche Autor Enrique Keil mit „Beatles an Bord“. Diese Fassung hatte Lange bereits vor zwei Jahren in Weyhe produziert, konnte aber aufgrund von gescheiterten Verhandlungen mit den Besitzern der musikalischen Urheberrechte zunächst keine weiteren Aufführungen planen. Kurzerhand entschlossen sich die Akteure, den Titel der Story in „Sixties an Bord“ zu ändern und mit Liedern aus den 60er-Jahren zu garnieren.

Das begeisterte Publikum verabschiedete die gesamte Crew von Darstellern, Musikern, Technikern und Bühnenbauern für deren gelungene Premiere mit Ovationen und tosendem Beifall.

Drei weitere Aufführungen sind am 11. und 19. August sowie am 23. September, jeweils um 20 Uhr und jeweils in der KGS Kirchweyhe, zu erleben.

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