Jens Uhlhorn und Berufskollegen in Berlin

Therapeuten am Limit: Weyher unterstützt Protestaktion

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Zu einer Protestaktion wird Ende Mai ein Berufskollege von Jens Uhlhorn aufbrechen. Der Weyher trifft den Protestler in Berlin.

Weyhe - Von Sigi Schritt. Jens Uhlhorn aus Weyhe will nicht schweigen. In seiner Berufssparte laufe seit Jahren viel zu viel schief. Aus seiner Sicht ist die Situation vieler Physiotherapeuten in Deutschland „katastrophal“, weil die Freiberufler mit Widrigkeiten des Jobs leben müssen und unterm Strich mit Ansage in die Altersarmut schlittern, wenn die Politik nicht regulativ eingreift. Deshalb unterstützt der Weyher die Aktion „Therapeuten am Limit“.

Im Mittelpunkt dieser Aktion steht Uhlhorns Berufskollege aus Frankfurt/Main, Heiko Schneider, der Ende Mai für eine Protest-Radtour nach Berlin seine Einzelpraxis für mehrere Tage dicht macht.

Vor etwa drei Wochen hatte der Frankfurter einen Brandbrief an Vertreter der Politik und von Verbänden und Krankenkassen geschrieben und den Empfängern mitgeteilt, dass die Existenz und Gesundheit der freiberuflichen Physiotherapeuten „in höchster Gefahr“ sei. Er schilderte, dass die Lage der Physiotherapeuten „so prekär“ sei, dass „eine regelmäßige Teilnahme an finanziell kostspieligen Fortbildungen, Bildung von Rücklagen und das Zahlen vernünftiger Gehälter nicht mehr möglich ist“. Die Vergütung liege im Mittel bei 2 200 Euro brutto. „Dies bildet jedoch nicht die Situation der Selbstständigen ab, die zu Fortbildung verpflichtet sind und einen erdrückenden Kostenapparat erfüllen müssen“, hatte Schneider geschrieben.

In Etappen der Hauptstadt entgegen

„Seine Kritik hat eine Krankenkasse arrogant abgebürstet“, ärgert sich Uhlhorn. Der Frankfurter bekam Zuschriften aus ganz Deutschland. So sei die Idee zur Protesttour entstanden. Da der Frankfurter mit seiner zwölfstündigen Arbeit gegen die Insolvenz ankämpft und ihm sogar das Geld für ein Zugticket fehlte, so Uhlhorn, habe der Weyher in kürzester Zeit einen Sponsorenpool für den Trip organisiert.

In Etappen fährt Heiko Schneider der Hauptstadt entgegen und übernachtet bei anderen Physiotherapeuten. Jens Uhlhorn wiederum trifft den radelnden Protestler am 5. Juni in Berlin und will mit ihm die vielen Briefe hochkarätigen Ansprechpartnern zeigen. Ob der neue Gesundheitsminister Jens Spahn ebenfalls dabei ist, könne der Weyher noch nicht sagen. Fest steht, dass die Physiotherapeuten mindestens mit einem Staatssekretär sprechen.

Bei aller massiven Kritik lässt Uhlhorn keinen Zweifel aufkommen, dass die Arbeit eines Physiotherapeuten „nach wie vor toll und sehr erfüllend ist“, weil „das Feedback direkt ist, und es viele Erfolgserlebnisse gibt“. Und er würde jederzeit wieder den Job ergreifen. Doch dann sollte die Ausbildung gratis sein.

„Lichtjahre zu spät“

„Derzeit kostet sie noch 20.000 Euro. Die Ankündigung der Politik, eine Schulgeldfreiheit umzusetzen, ist noch nicht umgesetzt.“ Für Uhlhorn kommt dies „Lichtjahre zu spät“.

Ein weiteres Problem sei, dass der Fachkräftenachwuchs fehlt. „Gab es 2003 noch viele Initiativbewerbungen, können sich heute die Schüler den Arbeitsplatz aussuchen. Ein Bewerber kommt statistisch auf fünf freie Stellen. Und freie Stellen bleiben 181 Tage unbesetzt.“ Das bedeutet, dass derzeit in Deutschland 35.000 Therapeuten fehlen, so Uhlhorn.

Wegen des Nachwuchsmangels „haben wir uns so reingehängt, um eine Berufsfachschule anzusiedeln, in der auch unsere Therapeuten sich bei der Ausbildung beteiligen“. Jens Uhlhorn ist Geschäftsführer der in einer GbR organisierten zwei „Reha Weyhe“- und „Reha Bremen“-Standorte mit 80 Beschäftigten. Dieses Unternehmen sei laut Uhlhorn der größte Anbieter von Reha-Maßnahmen – mit Ausnahme der Praxen an den Unikliniken. „Wir könnten an jedem Standort noch ein bis zwei Kollegen gebrauchen“, so Uhlhorn. Würde der Job in Deutschland grundsätzlich gut bezahlt, wären die Aussichten glänzend. „Bis zum Jahr 2025 gibt es 25 Prozent weniger Therapeuten als jetzt, demgegenüber steht eine Patientensteigerung um 35 Prozent.“

Menschen mobilisieren

Uhlhorn gibt ein Beispiel: Früher wurde eine Hüftprothese nur einmal gewechselt, heute sogar zweimal, weil die Patienten älter werden. „Der Wechsel lohnt sich noch mit 83.“ Es lohne sich deshalb, die Menschen zu mobilisieren. Sonst würden sie zu einem Pflege- oder vorzeitigen Rentenfall. In beiden Situationen würden die Krankenkassen profitieren, so Uhlhorn.

Würden Schlaganfallpatienten laut Uhlhorn in den sechs Monaten nach dem Ereignis jeden Tag für eine Stunde physiotherapeutisch behandelt, so würden sie sich besser ins Leben zurück kämpfen. Es sei vieles möglich: Ein Profifußballer kann nach einem Kreuzbandriss nach einem halben Jahr wieder auf dem Platz stehen, während ein Hobbykicker mit dem gleichen Problem noch 15 Monate den Rasen meiden muss, kritisiert Uhlhorn.

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