BTE-Geschäftsführer Andreas Bobka im Gespräch

„Das Thema Bürgerbahn ist noch nicht beerdigt“

+
Diverse Bahnübergänge – wie in Kirchweyhe (Bild) – werden technisch gesichert.

Weyhe - Auf dem Gleis der Bremen-Thedinghauser-Eisenbahn (BTE) rollen Bagger. Geschäftsführer Andreas Bobka spricht über die laufenden Arbeiten, über Investitionen, über das Projekt Bürgerbahn und über die Revision beim Bundesverwaltungsgericht (BVG). Unser Redakteur Sigi Schritt stellte die Fragen.

Wann wird das Gleis ertüchtigt, dass die Streckensperrung zwischen Leeste und Huchting aufgehoben werden kann und der Pingelheini wieder seine Stammstrecke voll ausfahren kann?

Bobka: Aktuell wird der Streckenabschnitt bis Stuhrbaum bis zum Ende des ersten Quartals 2019 in einen sicher befahrbaren Zustand versetzt. Im Anschluss wird dann der Abschnitt bis Huchting betrachtet. Je nach Umfang der erforderlichen Arbeiten wird der Pingelheini die Strecke bis Huchting wieder befahren können. Eine Bereisung im vergangenen Jahr hat ergeben, dass sich die Strecke in einem besseren Zustand als erwartet befindet, so dass ich guter Dinge bin, dass der Pingelheini die Strecke in einem überschaubaren Zeitrahmen wieder in vollem Umfang befahren kann.

Die Gemeinden und die BTE haben das Thema Bürgerbahn geprüft. Ist das Projekt beerdigt und wenn ja, was waren die Gründe dafür?

Bobka: Nein, das Thema Bürgerbahn ist nicht beerdigt. Aktuell liegt der Fokus darauf, die Strecke zwischen Stuhrbaum und Leeste zu ertüchtigten, um den Güterverkehr auf diesem Teilstück zu reaktivieren. Wie Gespräche ergeben haben, ist insbesondere der Bahnhof Stuhrbaum bei potenziellen Neukunden für den Umschlag von Gütern von großem Interesse. Daneben stehen dadurch eine größere Teilstrecke und damit auch mehr potenzielle Nutzer für die Bürgerbahn zur Verfügung.

Im Sommer hat das BVG die Revision in Sachen Verlängerung der Linie 8 von Bremen über Stuhr zugelassen. Die BTE hatte sich nicht damit abgefunden, dass im Jahr 2016 das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg den Planfeststellungsbeschluss für die Linie-8-Trasse aufgehoben hatte und bemängelte, dass die Richter dafür eine falsche Rechtsgrundlage herangezogen hatten. Wie geht es weiter?

Bobka: Sowohl die Planfeststellungsbehörde, die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die Beklagte in dem Verfahren ist, als auch die BTE als Beigeladene haben Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts in Lüneburg eingelegt. Dieser Beschwerde ist das BVG gefolgt und hat die Revision gegen das Urteil zugelassen, da aus Sicht des Gerichtes die Entscheidung, ob Eisenbahnrecht oder Personenbeförderungsrecht anzuwenden ist, von grundsätzlicher Bedeutung ist. Der Verfahrensablauf liegt in den Händen des BVG.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?

Bobka: Ich möchte dem Gericht weder vorgreifen, noch kann ich Zeitfenster benennen, die durch die BTE nicht beeinflusst werden können.

Ist dann der Weg frei für die Straßenbahn?

Bobka: Sie werden Verständnis haben, dass ich der Entscheidung des BVG nicht vorgreifen kann. Die BTE ist erfreut über die Zulassung der Revision. Dadurch wird Klarheit über das anzuwendende Recht hergestellt. Aus Sicht der BTE handelt es sich bei der Linie 8 auf der Infrastruktur der BTE nicht um einen Straßenbahnverkehr, sondern um einen Eisenbahnverkehr. In Abhängigkeit von der Entscheidung in Leipzig wird das Projekt im Anschluss auf die erforderliche Art und Weise fortgesetzt.

Wie ist der Sachstand zum Thema Straßenbahn?

Bobka: Wir sollten von der Linie 8 sprechen. Für den Einsatz auf dieser Linie sind Zwei-System-Fahrzeuge vorgesehen, diese können im Straßenbahnnetz als Straßenbahnen verkehren und auf der Infrastruktur der BTE als Eisenbahnzüge. Um auf die Frage zurückzukommen, die vergangenen Monate waren geprägt von den Gerichtsverfahren in Bremen und Niedersachsen. Gerne hätten die Projektbeteiligten weiter an der konkreten Umsetzung gearbeitet, die gerichtlichen Entscheidungen sind abzuwarten.

Welche Beträge investiert die BTE in diesem Jahr in Weyhe und Stuhr?

Bobka: Im Wirtschaftsplan sind Mittel für Investitionen in einem Volumen von rund 2,9 Millionen Euro veranschlagt, für die Zuschüsse von rund 2,1 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Es handelt sich dabei um die Gleisertüchtigung für den Güterverkehr zwischen Stuhrbaum und dem Bahnhof Leeste. Daneben wurden die Arbeiten an der Abzweigweiche zum Bahnhof Kirchweyhe abgeschlossen, und es werden jeweils zwei Bahnübergänge in Weyhe und Thedinghausen technisch gesichert.

Wie hoch sind die Mittel für das kommende Jahr?

Bobka: In 2019 sind Mittel für Investitionen im Volumen von 560.000 Euro vorgesehen, bei Zuschüssen in Höhe von 456.000 Euro. Größtes Projekt ist die technische Sicherung eines Stuhrer Bahnübergangs.

In der Nähe des Leester Mühlenkamps sind Schwellen rot markiert. Welche Bautätigkeiten sind geplant?

Bobka: Hierbei handelt es sich um die angekündigte Maßnahme zur Gleiserneuerung zwischen Stuhrbaum und Leeste, die nach dem Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz gefördert wird. In Teilbereichen werden die Schwellen ausgetauscht und der Untergrund instand gesetzt, um die sichere Befahrbarkeit wieder zu gewährleisten.

Einige Weyher befürworten einen Bedarfshalt beim Freizeit- und Eventgelände. Wird darüber nachgedacht?

Bobka: Zunächst freue ich mich über das Interesse an der BTE-Strecke und deren Nutzung für die Bevölkerung in Stuhr, Weyhe und Thedinghausen. Zum jetzigen Zeitpunkt liegt das Hauptaugenmerk auf einer Ertüchtigung der Strecke, um den Güterverkehr bis Stuhrbaum zu ermöglichen und auch dem Pingelheini wieder einen längeren Streckenabschnitt zur Verfügung zu stellen. Über zusätzliche Haltepunkte wird dann zu gegebener Zeit gesprochen werden.

Am Bahnhof Leeste stehen Bagger. Was passiert dort?

Bobka: Auch diese Bagger stehen im Zusammenhang mit den Maßnahmen an der Strecke zwischen Stuhrbaum und Leeste. Da es sich um einen vier Kilometer langen Abschnitt handelt, müssen Maschinen und Material an verschiedenen Stellen gelagert werden, um eine reibungslose Abwicklung der Maßnahme zu gewährleisten. Hier bieten sich die an der Strecke befindlichen Bahnhöfe wie Leeste und Erichshof an.

Weshalb hat kürzlich die BTE den Bahnübergang an der Straße „Im Bruch“ technisch aufgewertet? Was haben die Firmen dort installiert?

Bobka: An dieser Stelle wurde nicht primär der Bahnübergang aufgewertet, sondern die Abzweigweiche zum Bahnhof Kirchweyhe.

Was bedeutet das?

Bobka: Diese musste bisher bei jeder Zugbewegung durch einen BTE-Mitarbeiter manuell bedient werden, der dafür jeweils seine aktuelle Aufgabe unterbrechen und zur Weiche fahren musste. Nunmehr ist die Abzweigweiche elektrisch ausgerüstet und kann durch den Lokführer bedient werden. Im Rahmen dieser Maßnahme mussten auch Arbeiten an den beiden Bahnübergängen Weidufer und Im Bruch durchgeführt werden. Es wurden dabei Verknüpfungen zwischen der Weiche und den Bahnübergängen hergestellt.

Welchen Betrag hat die BTE dafür ausgegeben?

Bobka: Die BTE hat intensiv Fördergelder eingeworben. Der Eigenanteil lag somit bei 30 Prozent, also rund 113.000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

Bremen Olé: Der Party-Tag auf der Bürgerweide

US-Amerikaner gedenken Mondlandung vor 50 Jahren

US-Amerikaner gedenken Mondlandung vor 50 Jahren

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Großbritannien droht dem Iran in Tankerkrise

Fotostrecke: Enttäuschung gegen Osnabrück, Jubel gegen Köln

Fotostrecke: Enttäuschung gegen Osnabrück, Jubel gegen Köln

Meistgelesene Artikel

Bei der Kirsch-Ernte ist in diesem Jahr der Wurm drin

Bei der Kirsch-Ernte ist in diesem Jahr der Wurm drin

Badeverbot am Dümmer: Blaualgen sind zurück im Badesee

Badeverbot am Dümmer: Blaualgen sind zurück im Badesee

Hüttenstadt auf Lüdersbusch: Holz bleibt zum Möbelbau übrig

Hüttenstadt auf Lüdersbusch: Holz bleibt zum Möbelbau übrig

Blitzeinschlag in Kindergarten reißt Telefonanlage auseinander

Blitzeinschlag in Kindergarten reißt Telefonanlage auseinander

Kommentare