Bundestagskandidaten im Porträt

Tevfik Özkan setzt auf Gespräche mit Bürgern

+
Mit seinem Wahlmobil ist Tevfik Özkan im Landkreis Diepholz auf Tour und führt Gespräche mit Bürgern.

Weyhe - Von Anke Seidel. Starre Wahlkampfveranstaltungen mit wechselnden Themen und wechselnden Referenten sind seine Sache nicht: „Ich muss zu den Menschen gehen“, sagt Tevfik Özkan. Mit 29 Jahren ist er der jüngste SPD-Bundestagskandidat in Niedersachsen. Von Haus zu Haus ist er in diesen Tagen unterwegs. Das, was andere als „Klinken putzen“ bezeichnen, heißt bei dem Sozialdemokraten „Tür-zu-Tür-Wahlkampf“.

Und nur wenige, so berichtet Tevfik Özkan, schlagen ihm dieselbe vor der Nase zu. „Etwa fünf Prozent wollen das nicht“, zieht er die Bilanz seiner bisherigen Besuche. „Aber der Großteil der Menschen hört sich an, was ich zu sagen habe.“ Die Bürger zu Wort kommen lassen, das ist für den Juristen Strategie: „Da nehme ich häufig was mit.“

Hohe Resonanz auf Facebook

Wahlkampf betreibt Özkan auch über die sozialen Medien: „Bei Facebook erfahre ich sehr viel Resonanz.“ Deshalb macht er seine virtuellen Besucher zu Wahlkampfhelfern: „Mit Özkan nach Berlin“ hat er eine Verlosung überschrieben, bei der es eine Wochenendreise nach Berlin zu gewinnen gibt – inklusive Übernachtung im Hotel. Wer teilnehmen möchte, soll ein Foto von sich und einem Özkan-Wahlplakat oder seinem Wahlmobil machen und es auf Facebook veröffentlichen (#mitoezkannachberlin) oder es ihm per E-Mail senden (info@tevfik-oezkan.de). „Ich finde es wichtig, dass junge Menschen in der Politik Verantwortung übernehmen“, so Özkan. Nur so könne sich die gesamte Gesellschaft im Bundestag widerspiegeln. Bisher liege das Durchschnittsalter dort bei 50 Jahren.

Er selbst habe sich schon als Jugendlicher für Politik interessiert: „Am Gymnasium Syke hatte ich Politik-Leistungskurs.“ Nach dem Abitur hätte er gern Politik studiert, „aber ich wollte das nicht auf Lehramt machen.“ Deshalb entschied er sich für Jura. Heute ist er Volljurist bei der Agentur für Arbeit in Bremen zuständig für Sozialrecht, zum Beispiel für Fragen bei Unterhaltsansprüchen. „Jetzt begegnet mir die Agenda 2010 ganz real“, stellt Özkan fest.

Die Großmutter als großes Vorbild

Reale Politik macht der 29-Jährige auf kommunaler Ebene seit sieben Jahren. 2011 war er in den Gemeinderat Weyhe gewählt worden, ist Mitglied im Bildungs- und Schulausschuss. Vorsitzender der Jungsozialisten (Jusos) in Weyhe war er von 2009 bis 2012 und führte danach drei Jahre lang den Kreisverband.

Hat er eine Maxime? „Leistung muss sich lohnen – aber jeder muss auch die gleiche Chance auf Leistung haben, damit jeder sich mit seinen ganz persönlichen Talenten entfalten kann“, sagt der 29-Jährige – und zieht daraus folgende Konsequenz: „Bildung muss kostenfrei sein, von der Kita bis zum Studium.“

Der Jurist aus Weyhe hat türkische Wurzeln. Seine Großmutter war es, die in den 1970er-Jahren allein in den Landkreis Diepholz kam. Erst ein Jahr später folgte ihr Mann mit den beiden Kindern. In einer Druckerei ein Dreye arbeiteten die Eltern bis zur Rente. Zu seiner Großmutter hat Tevfik Özkan noch heute eine sehr enge Bindung: „Sie lebt aber die meiste Zeit in der Türkei.“ Seine Großmutter ist sein großes Vorbild: „Mutig Dinge anfassen und sich mutig auf Fremdes einlassen!“

Gedanken beim Rasenmähen schweifen lassen

Auf seine türkischen Wurzeln will sich Özkan aber nicht reduzieren lassen. Erdogans Politik der Polarsierung sei schlimm, betont er. Und Menschen ohne Anklage und Überprüfung in Haft zu nehmen, „das geht gar nicht und muss sofort geändert werden!“ Ebenso wenig dürfe toleriert werden, dass türkische Mitbürger in Deutschland unter Druck gesetzt werden, wen sie zu wählen haben. Richtig und wichtig sei, dass SPD-Außenminister Sigmar Gabriel „klare Kante“ zeige.

Wenn Arbeit und Politik ihm die Zeit dazu lassen und das Wetter schön ist, mäht Tevfik Özkan im Garten seiner Eltern gern Rasen: „Da kann ich meine Gedanken schweifen lassen und über viele Dinge noch mal nachdenken.“

Die Serie:

In unserer Serie „Kandidaten im Porträt“ stellen wir die sechs politischen Bewerber um ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Diepholz/Nienburg I vor – in der Reihenfolge der Parteistimmen-Ergebnisse bei den Bundestagswahlen 2013, weil fünf von sechs Kandidaten neu sind. Im ersten Teil stellt sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig vor. Die CDU hatte 2013 in diesem Wahlkreis 37,51 Prozent der Parteistimmen geholt – das war damals der Spitzenplatz.

1. Axel Knoerig will im Wahlkampf „in die Tiefe gehen“

2. Tevfik Özkan setzt auf Gespräche mit Bürgern

3. Alexander Carapinha Hesse stellt Sicherheit in den Fokus

4. Klaus Schmelz sieht sich als kreativer Kämpfer an der Basis

5. Jürgen Abelmann ist Eisenbahnfan und will den kostenlosen Schulbus

6. Gerd Breternitz kritisiert erneuerbare Energien sowie das Steuerrecht

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bayern wahren Chance auf Gruppensieg - 2:1 bei Anderlecht

Bayern wahren Chance auf Gruppensieg - 2:1 bei Anderlecht

Barca und Chelsea im Achtelfinale - Man United patzt

Barca und Chelsea im Achtelfinale - Man United patzt

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie

Mugabes Nachfolger Mnangagwa verspricht Jobs und Demokratie

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"

Argentinische Marine: "Keine Spur des verschollenen U-Boots"

Meistgelesene Artikel

Top-News aus der Region direkt aufs Smartphone

Top-News aus der Region direkt aufs Smartphone

Milchtankstellen und mehr: Direktverkauf im Kreis Diepholz

Milchtankstellen und mehr: Direktverkauf im Kreis Diepholz

Syke sucht seine Rätselchampions

Syke sucht seine Rätselchampions

Kommentare