Wenn Spaziergänger weggeklingelt werden

Tempo-30-Zonen: Weyhe will Radler vom Gehweg auf Straße schicken

Bürgermeister Frank Seidel mit Stefan Sommer und Holger Opitz an einem „Radfahren erlaubt“-Schild.
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Wollen das weiße Zusatzschild entfernen: Frank Seidel, Stefan Sommer (r.) und Holger Opitz (l.).

Vom Fußweg auf die Straße: In Weyhes 30-Zonen sollen Radfahrer künftig die Fahrbahn benutzen, damit sie Fußgänger seltener wegklingeln oder über den Haufen fahren.

Weyhe – Radfahrer werden in Kürze weniger Möglichkeiten bekommen, ihren Weg innerhalb von Tempo-30-Zonen zu wählen. Bislang dürfen sie sowohl Gehwege benutzen als auch auf der Straße fahren. Manchmal nur in einer Richtung, manchmal in beiden. Das soll sich bald ändern: Die Gemeinde will die Fahrradfahrer nämlich konsequent von den Gehwegen auf die Straße schicken.

Die Begründung liege auf der Hand, sagen Fachleute. „Fußgänger werden häufig über den Haufen gefahren“, sagt Bürgermeister Frank Seidel. Wie Stefan Sommer vom Fachbereich Ordnung und Soziales ergänzt, sollen gleich 16 Straßen in Weyhe angepasst werden.

ADFC: „Längst überfällig“

Holger Opitz vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club findet die Aktion „längst überfällig“: Wenn ich zu Fuß zum Bus gehe, werde ich von Radfahrern weggeklingelt“, schimpft er. Oder wenn er an der Böttcherei bei sich daheim die Rabatten pflege, sausten schon mal die Radler auf dem Bürgersteig in hohem Tempo an ihm vorbei. „Der Hintern wird abgefahren“, äußert er sich entrüstet.

Der Lobbyist der Radfahrer im Kreis Diepholz sieht besonderes gefährliche Situationen, wenn Radfahrer auf einem Gehweg von links eine Einfahrt passieren wollen. Autofahrer nehmen die nicht immer wahr, so Opitz. Es sei falsch zu glauben, dass Radfahrer immer auf dem Hochbord sicherer seien. Dass in der Vergangenheit noch keine nennenswerten Unfälle registriert worden seien, sei nur dem Zufall geschuldet. Besser sei es, wenn also jeder Radler auf der Straße und dann in Fahrtrichtung rechts unterwegs sei.

„Radfahrer frei“-Schilder sollen entfernt werden

Bislang räumen weiße Zusatzschilder mit der Aufschrift „Radfahrer frei“ unter dem runden Gehweg-Verkehrszeichen die rechtliche Möglichkeit ein, dass Radler auf den Strecken sogar Tempo machen können, wo Kinder und Senioren mit Rollatoren unterwegs sind. Dort gelte für die Radler eigentlich Schrittgeschwindigkeit, aber daran würden sich die wenigsten halten, so Holger Opitz. Eine Begegnung könnte problematisch ausgehen, weil die Breiten der Wege nicht ausreichen und Karambolagen zu befürchten seien.

Sie müssen bald auf dieser Asphalt-Straße fahren: Kinder ab elf Jahren, Jugendliche und Erwachsene. Der Gehweg ist für Fußgänger reserviert.

Wegen unterschiedlicher Geschwindigkeiten auf dem Gehweg spricht aus Sicht des ADFC daher nichts dagegen, die vor Jahren erteilten Freigaben zurückzunehmen, erklärt Opitz. Der Bauhof der Gemeinde wird daher laut Rathaus-Mitarbeiter Sommer rund 200 Zusatzschilder entfernen. Es betrifft diese Wege in Kirchweyhe, Leeste sowie Melchiorshausen und Erichshof: Am Angelser Feld, Am Bahndamm, Am Fuhrenkamp, An der Beeke, Auf dem Berge, Böttcherei, Gartenstraße, Geestfurth, Grützmacher Straße, Hördener Sandhöhe, Junkernhof, Köhlerbruch, Ortfeld und Rumpsfelder Heide.

Noch in den 90ern war es umgekehrt

Holger Opitz erinnert daran, dass es noch in den 90er-Jahren Radfahrern verboten war, die Straße zu benutzen. Die Gehwege wurden zu Fahrradwegen. Erst 1997 wurde das Verbot deshalb aufgehoben, weil die Gehwege oftmals zu schmal und im schlechten Zustand gewesen seien. 1998 seien in allen Nebenstraßen in Weyhe diese Rechtsänderung vollzogen worden. Dazu kommt laut Opitz, dass Weyhe seit 20 Jahren von Tempo-30-Zonen durchdrungen sei. Auf der Hombachstraße zwischen der Classic Tankstelle und der Grundschule Erichshof sind Rad-Piktogramme auf der Straße angebracht. Sie sollen laut Stefan Sommer zeigen, dass Fahrradfahrer auf die Straße gehören. „Der Überholungsabstand beträgt 1,5 Meter zum Radfahrer“, so Opitz.

Kinder- und Jugendliche und auch Eltern auf Fahrrädern mit Anhängern – das hat eine Stippvisite gezeigt –benutzen derzeit lieber das Hochbord. Solange es noch erlaubt ist.

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