Tarifstreit: Verwaltungschefs von Stuhr und Weyhe mahnen zu Kompromissbereitschaft / Gebührenerstattung

„Vertrauensvolles Miteinander“ in Gefahr

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Viele Eltern sind an der Grenze der Belastbarkeit angelangt, was die Betreuung ihrer Kinder in Zeiten des Streiks geht.

Weyhe/Stuhr - Von Philipp Köster. In den Tarifauseinandersetzungen zwischen Erziehern und Sozialarbeitern sowie den Vereinigten Kommunalen Arbeitgeberverbänden (VKA) sollen „die Weichen auf einen Kompromiss gestellt“ werden.

Dafür sprechen sich die Bürgermeister von Weyhe und Stuhr, Andreas Bovenschulte und Niels Thomsen, in einem Schreiben an die VKA aus. Im Interesse der Eltern und Erzieher müsse nach drei Wochen Streik „Bewegung in die Sache kommen“, erläuterte Bovenschulte gestern in einem Pressegespräch mit Thomsen im Weyher Rathaus. Die Verwaltungschefs sehen die Arbeitgeberseite am Zug, mahnen aber auch die Gewerkschaften, auf ihre Maximalforderungen zu verzichten. Am Ende der Auseinandersetzungen müsse eine generelle Aufwertung der Berufe stehen, nicht nur eine von einigen Gruppen, so Bovenschulte.

Thomsen fürchtet bei einem anhaltenden Streik um einen nachhaltigen Schaden der quantitativ und qualitativ hochwertigen Betreuung in den Kitas. „Das gute, vertrauensvolle Miteinander droht wegzubrechen“, sagte der Stuhrer Bürgermeister. Die Notdienstbetreuung könne eine qualitativ durchgängige Betreuung nicht gewährleisten. Zugleich seien die Eltern mit den alternativen Unterbringungsmöglichkeiten – wenn überhaupt vorhanden – am Ende: Großeltern seien erschöpft, Arbeitgeber hätten kein Verständnis mehr. Der volkswirtschaftliche Schaden des Bahnstreiks sei womöglich größer, doch der Kita-Streik treffe das „Funktionieren des örtlichen Gemeinwesens“ radikaler. „Das führt zu Verwerfungen“, warnte Thomsen. In Stuhr und Weyhe sind über 2000 Kinder von den Streiks betroffen. An eine so lange und heftige Tarifauseinandersetzung können sich die Rathauschefs nicht erinnern.

Über das Thema Gebührenerstattung hätten die Verwaltungsausschüsse beider Gemeinden unabhängig voneinander am Mittwoch gesprochen. In Stuhr mit dem Ergebnis, dass der Rat am 10. Juni die Rückerstattung aller Beiträge ohne Antrag der Eltern beschließen möge, egal, ob ein Notdienst in Anspruch genommen wurde oder nicht, sagte Thomsen. Laut Mitteilung der Verwaltung von gestern Mittag gilt die Erstattung ebenso für das Verpflegungsgeld.

Diese Tendenz herrscht auch bei den Parteien in Weyhe vor, sagte Bovenschulte. Wie genau die Erstattung erfolge, darüber sei noch zu sprechen. Der Rat befasst sich dann am 21. Juli mit diesem Thema.

Die Bürgermeister hätten Pfingsten „in die gleiche Richtung gedacht“ und sich am Dienstag in einem Telefonat über ein Schreiben an die VKA geeinigt. Dieses sollte pünktlich zum gestrigen Treffen der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände in Frankfurt bei den zuständigen hiesigen Vertretern landen.

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