35 Tafel-Helfer teilen in zwei Stunden mehr als eine Tonne Lebensmittel aus

„Es könnten noch viel mehr Menschen zu uns kommen“

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Die Fahrer haben die vielen grünen Kisten mit Obst, Gemüse und anderen Waren angeliefert. Helfer haben diese sortiert. Kurz vor 14 Uhr stehen alle bereit, um den Kunden das Gewünschte herauszugeben.

Leeste - Von Sigi Schritt. Dem ehemaligen Drogerie- und Reformhaus in Leeste haucht die Syker Tafel an jedem Freitag Leben ein. Dafür bauen 35 Ehrenamtliche hinter den Kulissen im ehemaligen Verkaufsraum Tische u-förmig auf. Die Helfer schleppen kistenweise Wurst, Käse, Joghurt, Brot und Kartoffeln in den Raum und stapeln die Behälter. Die Lebensmittel, zu denen auch Konserven, fertige Salate und weiteres Obst und Gemüse zählen, haben eines gemeinsam: „Das Haltbarkeitsdatum läuft bald ab oder ist schon über der Zeit“, sagt Carla Pfitzner, Koordinatorin für die Leester Ausgabestelle.

„Es gibt so viele Lebensmittel, die man noch essen kann, obwohl der aufgedruckte Verfallstag längst verstrichen ist. Diese müssten eigentlich nicht sofort entsorgt werden. Die Supermärkte machen es aber trotzdem“, erklärt Pfitzner. Wenn die Verbraucher bewusster einkaufen würden, müssten die Märkte beispielsweise das viele Obst und das Gemüse nicht entsorgen. Von diesem Umstand profitiert die Syker Tafel und damit auch die Ausgabestelle in Leeste.

Ihre Kunden sind bedürftige Menschen aus Weyhe. „Sie brauchen das preiswerte Obst und Gemüse, um ihr Leben besser in den Griff zu bekommen“, erklärt Pfitzner. Zu den Stammkunden in der Ausgabestelle zählen Rentner, Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund. „Es könnten noch viel mehr Menschen zu uns kommen, doch die trauen sich nicht“, bedauert Pfitzner.

Die Leester Ausgabestelle der Syker Tafel ist eine Einrichtung der Diakonie, die zum Kirchenkreis Syke-Hoya gehört. Die Lebensmittel, die allesamt zum schnellen Verzehr bestimmt sind, sollen keine Vollversorgung darstellen, sagen die Mitarbeiter.

Wer ebenfalls vom Warenangebot profitieren möchte, müsste die Bedürftigkeit bei den Tafel-Helfern, die sich um die Büroarbeit kümmern, nachweisen. „Die Interessenten bringen ihre Unterlagen mit. Dazu zählen beispielsweise der Hartz-IV-Bescheid oder die Schreiben, die über die Grundsicherung oder über das Wohngeld Auskunft geben.“ Ist die formale Hürde genommen, bekommen die Neu-Kunden einen Ausweis – einem Einkauf steht dann nichts mehr im Weg, so Carla Pfitzner.

So ganz gratis ist die Ausgabe der Waren jedoch nicht. Allerdings ist der Beitrag pro Einkaufstag schmal bemessen – Kinder zahlen 50 Cent, Erwachsene einen Euro. „Wir haben ja auch Kosten. Das fängt bei den Tüten an, geht über Reinigungsmittel und hört bei den Spritkosten für die Fahrzeuge auf, die die Lebensmittel aus den Supermärkten abholen.

100 Menschen warten regelmäßig freitags um 13.30 Uhr vor der Bürotür. „Sie stehen stellvertretend für mehr als 250 Personen“, erläutert die Leester Koordinatorin. Ein Kunde deckt sich schon mal mit Waren für die ganze Familie ein. Um aber die Einkaufszeit vor den Tafeltischen zu gestalten, müssen die Kunden eine Nummer ziehen – diese regelt die Reihenfolge des Einlasses.

Um 14 Uhr sind im Verkaufsraum alle Tische mit Kisten bestückt – etwa 1,2 Tonnen gilt es, in den nächsten beiden Stunden alles zu verteilen. Die Helfer haben Handschuhe angezogen und grüßen freundlich. Es entwickelt sich auch hier und da ein kleiner Plausch.

Die Not ist groß, und die Altersarmut steigt. Dieser Ansicht ist Carla Pfitzner, weil die Anzahl der ausgegebenen Ausweise in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Gegenüber dem Vorjahr stiegt die Gesamtzahl um 30 auf 110.

Die Größe der Ausgabestelle bezeichnet Carla Pfitzner als ideal. Die Syker Tafel hatte sich vor Monaten ein neues Domizil für Weyhe suchen müssen, nachdem ihr altes, das Gemeindehaus am Henry-Wetjen-Platz, dem Erdboden gleich gemacht worden ist. Von den Umgestaltungsplänen in Leeste hat Pfitzner gehört, doch sie geht davon aus, dass die Leester Ausgabestelle noch lange in ehemaligen Drogerie- und Reformhaus bleiben kann.

Die Freiwilligenagentur sucht weitere Helfer für die Tafel. Es geht um das Sortieren der gespendeten Lebensmittel und um die wöchentliche Ausgabe der Waren. Als Ansprechpartnerin fungiert Carla Pfitzner unter der Telefonnummer 04203/7899 55. Sie ist auch per E-Mail erreichbar: cptaf@web.de.

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