Stürmischer Applaus für eine „formidejble“ Heinz-Erhardt-Revue

Der einfühlsame Interpret

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Thorsten Hamer schlüpft gekonnt in die Rolle des Ende der 1970er-Jahre verstorbenen Komikers Heinz Erhardt.

Kirchweyhe - Von Hans-Jürgen Wachholz. Volles Haus, und ein begeistert mitgehendes Publikum, das sich mit nicht enden wollendem Applaus für einen überaus gut gelungenen Abend bei Hauptdarsteller Thorsten Hamer und die ihn unterstützenden Mitglieder des Weyher Theaters bedankten.

Das ist die Premieren-Bilanz der Heinz-Erhardt-Revue „Nachdem ich mich hier versammelt habe“, die insgesamt zehn Mal auf dem aktuellen Spielplan steht. Thorsten Hamer eilt der Ruf voraus, nicht nur einer der besten, sondern der beste Heinz-Erhardt-Interpret zu sein. Und er gehört zum Ensemble des Weyher Theaters. Somit liegt auf der Hand, dass die Theaterleitung die neue Popularität des in den 60er- und 70er- Jahren des vorigen Jahrhunderts gefeierten Meisters sinnvollen und hintersinnigen Unsinns sowie des geistreichen und doch allgemeinverständlichen Wortspiels zur Bereicherung ihres Spielplans nutzt. Selbst die am Premierenabend parallel laufende ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ mit dem RAF-Überfall von Groß-Mackenstedt als Thema konnte da keinen Strich durch die Rechnung machen.

Die schon etwas älteren Fans, die Heinz Erhardt nicht nur von TV-Wiederholungen von mehr oder weniger gelungenen Spielfilmen kennen, sondern selbst auf der Bühne erlebt haben, kamen nicht umhin, Hamer nicht nur höflichen Beifall, sondern Respekt und Anerkennung zu zollen. Der präsentierte sich nicht als Kopie von Heinz Erhardt, sondern als einfühlsamer Interpret und Darsteller mit erkennbarem Eigencharakter. Stimmlage und Sprechtechnik sowie Körpersprache hielten feine Distanz zum Original.

Dort wo Gegenparts erforderlich waren, von Nathalie Brettschneider und Marc Gelhart sowie Pianist Kevin Kuhlmann erfrischend und stilsicher unterstützt, brannte Hamer dann ein wahres Feuerwerk von Zwerchfell strapazierenden Gedichten, Sketchen und Liedern Erhardts ab. Dass diese auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erstaufführung noch von hoher Aktualität sind, machten die zuweilen von Hamer elegant zu Personen oder Vorgängen der Gegenwart gespannte Brücken deutlich. Bei Klassikern aus Erhardts Repertoire verstand Hamer es trefflich, sein Publikum ganz im Stile Erhardts einzubeziehen und mitspielen zu lassen – bis hin zum gemeinschaftlichen Vortrag der Gedichte von der Made und ihrem Kinde sowie des Königs Erl. Dem „Fall des Groschen“ nachhelfen musste er dafür bei der Zeitangabe „Sieben Uhr sechzig“.

Mit Wortspielereien, hintersinnigen Gedichten und Liedern Erhardts lassen sich mehrere Abende gestalten. In Auswahl und Arrangement hat Hamer jedoch ein gutes Händchen bewiesen. Ritter Fips fehlt da so wenig, wie der vorgebliche Sketch „aus dem Hut“, in dem nur Wörter benutzt werden, die mit G anfangen. Und auf das Klagelied eines untergebutterten Ehemannes folgt letztlich auch die gesungene Liebeserklärung an das „formidejble Fräulein Mejbel im mejbiliertem Zimmer unterm Gejbel“. Und auch Wiederhörer hatten ihre Freude an der Begegnung mit der polyglotten Katze, der Sauerkraut schöpfenden Pechmarie oder den „Tauchenichten“, der grässlichen Königstochter und dem regierenden Scheich von Hamudistan.

Wer gerne herzhaft über Wortspiele und intelligente Blödeleien lacht, sollte sich die Heinz-Erhardt-Revue des Weyher Theaters nicht entgehen lassen.

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