Straßenmeisterei-Chefin begegnet Kritik von Anwohnerinnen der B6-Baustelle

„Können die Fahrbahn ja nicht über Nacht ausrollen“

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Nadine Neumeier (l.) und Sandra Behrens vor den Sperrbaken am Bollmannsdamm/ Ecke B6.

Melchiorshausen - Von Philipp Köster. Bereits seit Donnerstagvormittag ist die Bundesstraße 6 in Melchiorshausen wieder in beiden Richtungen befahrbar. „Die Arbeiten haben sehr gut geklappt. Hut ab vor der Baufirma“, lobt Ariane Sieling, Leiterin der federführenden Straßenmeisterei Bruchhausen-Vilsen, das Tempo, das das Verdener Unternehmen Matthäi an den Tag gelegt hat.

Das erkennen auch Nadine Neumeier und Sandra Behrens an. Die beiden Anwohnerinnen kritisieren jedoch den Informationsfluss der Behörde im Vorfeld der Arbeiten. Neumeier wohnt am Bollmannsdamm, Behrens an der Erichshofer Heide. Die Straßen sind – wie andere westlich von der B6 in dem Abschnitt abgehende auch – am vergangenen Sonnabend gesperrt worden, nachdem sich die Arbeiten auf die andere Fahrspur verlagert hatten. „Die Anwohner sind nicht informiert worden, wie man fahren muss und wie man herkommt“, ärgert sich Nadine Neumeier. Auch die dort untergebrachten Flüchtlinge hätten nicht Bescheid gewusst.

Anders als die Anlieger der östlich gelegenen Straßen wie „Auf dem Berge“ und Fuhrenkamp, die über Leeste ihre Ziele hätten erreichen können, seien den Bürgern an Flatterdamm, Erichshofer Heide & Co. im Grunde alle Zufahrtswege für Autos versperrt gewesen. „Die können uns doch nicht einfach hier festsetzen“, kritisiert Sandra Behrens.

Unklar war den beiden Müttern von Schulkindern zufolge auch, wo ihre Sprösslinge in den Schulbus nach Syke oder Erichshof hätten steigen können. „Ich habe bei den Busunternehmen angerufen, und man sagte mir, bei Rewe, aber da hat kein Bus gehalten“, sagt Neumeier. Die Kinder führen jetzt mehr mit dem Rad, was ja auch in Ordnung sei, aber der Radweg an der Bundesstraße sei oft von Fahrzeugen der Behörden oder der Baufirmen gesperrt gewesen.

Den Anwohnern blieben zwischen Sonnabend und Donnerstag lediglich zwei Möglichkeiten Richtung Syke und Bremen zu gelangen, und zwar durch das Ristedter Moor. Problem: Die Wege sind offiziell nur für den landwirtschaftlichen Verkehr und Räder freigegeben. Laut Straßenmeisterei-Chefin Sieling hat sie mit der Weyher Polizei gesprochen, dass diese Verbotsschilder für die Dauer der Sperrung abgehängt werden und die Durchfahrt ausnahmsweise erlaubt ist. Das können Nadine Neumeier und Sandra Behrens nicht bestätigen: „Da war nichts abgehängt.“ Vielmehr hätte es sogar Gerüchte gegeben, dass die Polizei an den Straßen kontrolliert habe. Das verneint Johann-Dieter Oldenburg, Leiter des Leester Kommissariats. „Wir kontrollieren dort nur, wenn es Beschwerden von den Anwohnern über zu viel Verkehr gibt.“

Faktisch war am Donnerstagmorgen, als die Zufahrt zur B6 noch gesperrt war, die Straße Richtung Wulfhoop/Seckenhausen/Warwe (die Verlängerung der Erichshofer Heide) nicht für den allgemeinen Verkehr freigegeben, an der Route die in Ristedt auf die Straße „In der Fortheide“ stößt, war das Verbotsschild zumindest zur Seite gedreht.

Polizeichef Oldenburg bestätigt aber, dass seine Mitarbeiter auf dem Parkplatz der Supermärkte Präsenz gezeigt hätten. Die Autofahrer hätten den Parkplatz als Verbindung von der B6 zur B322 genutzt, um die gesperrte Angelser Kreuzung zu umgehen. Darüber habe sich der Marktleiter von Rewe beschwert. „Wir haben dort gestanden, dann sind die Autofahrer nur langsamer geworden. Aber wir haben gar keine Handhabe“, sagt Oldenburg. Niemand könne dafür belangt werden, wenn er auf einen Parkplatz abbiegt, dann aber von seinem möglichen Einkaufsansinnen absieht und seine Fahrt fortsetzt. Gleichwohl ärgert sich auch Oldenburg über dieses Verhalten. Ohnehin würden Verkehrsschilder missachtet, und fast jeder lege sich die die Regeln nach seinem Gusto aus. „Das stimmt mich traurig. Das Auto wird gestartet, um 500 Meter zum Brötchenholen zu fahren, aber 500 Meter Umweg sind schon zu viel“, spricht Oldenburg ein für ihn grundsätzliches Problem an.

Straßenmeisterei-Leiterin Sieling indes zeigt für die Beschwerden der Anwohner grundsätzlich Verständnis. „Das ist manchmal wirklich schwierig zu lösen, und es tut mir auch leid.“ Doch Behinderungen ließen sich nicht immer vermeiden. „Wir können die neue Fahrbahn ja nicht über Nacht ausrollen.“ Und den Vorwurf der mangelnden Information möchte sie nicht auf sich sitzen lassen. „Die Baufirma hat 400 Handzettel verteilen lassen, vielleicht hat nicht jeder einen bekommen, aber ich setze darauf, dass sich die Nachbarn auch untereinander informiert haben.“

• Nach Ostern gehen die Arbeiten mit dem Abschnitt auf Höhe der Supermärkte bis zur Brinkumer Umgehung weiter. Sie sollen bis etwa bis zum 8. April dauern.

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