Wie die Weyher Hospizler jetzt arbeiten

Sterbebegleitung trotz Corona

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Die Ehrenamtlichen bei einem Treffen vor Corona. Fotos:

Weyhe – Sie begleiten sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg, sie helfen Trauernden, die jemanden verloren haben: die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizvereins Weyhe. Bei ihrer Arbeit haben die Hospizler engen Kontakt zu Menschen. Sie gehen in Pflegeheime oder zu den Betroffenen nach Hause und kümmern sich dort um die Kranken und ihre Familie – normalerweise. Doch was machen sie jetzt? Wie hat Corona die Arbeit der Ehrenamtlichen verändert?

„In die Pflegeheime durften wir nicht gehen. Das gilt bis heute. Unser Kontakt beschränkte sich auf Telefongespräche, sofern Bewohner einen eigenen Anschluss hatten und auf den Briefkontakt, ansonsten haben wir mit den Angehörigen gesprochen, denn auch sie brauchten Zuspruch, da sie ebenfalls der Kontaktsperre unterlagen“, berichtet Karin Meiners vom Hospiz. Einige Pflegeheime hätten aber auch versucht, kurze Momente der Begegnung für die Familien zu schaffen – beispielsweise durch spezielle Räume mit Trennscheiben, so Meiners. Im häuslichen Bereich hingegen konnten die Hospizler die Sterbebegleitung machen. Aber auch dort habe es zunächst große Verunsicherung gegeben. Innerhalb des Vereins sei es vor allem um die Frage gegangen, wer die Sterbebegleitungen übernehmen soll. „Keiner möchte die zu begleitende Familie infizieren oder der eigenen Familie Corona bringen. Doch sobald man eine Familie begleitet, spürt man, wie gut es ist, die sterbende Person und ihre Angehörigen unterstützen zu können. Man denkt gar nicht mehr daran, dass man sich anstecken könnte“, erklärt Meiners. Es erfülle einen mit Dankbarkeit, da zu sein, diese Aufgabe machen zu dürfen, das Vertrauen der Familie und des Sterbenden in dieser besonderen Zeit bekommen zu haben.

Die Hospizler hoffen, dass mit den Lockerungen – unter den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen – auch die Sterbebegleitung in den Pflegeheimen wieder möglich sein wird. Die unbefriedigende Situation der Menschen in ihrer letzten Lebensphase in den Heimen, den Kliniken und öffentlichen stationären Einrichtungen sei jüngst auch Thema einer Videokonferenz aller Hospizgruppen aus dem Landkreis gewesen. „Wir fanden es unmenschlich, ältere oder erkrankte Personen nicht mehr ganzheitlich zu sehen, sondern nur noch aus Sicht von Coronamaßnahmen, denn die Seele braucht auch Futter. Wie soll ein Mensch in Frieden gehen können, wenn seine Liebsten nicht von ihm Abschied nehmen können oder Menschen mit Demenz ihren gewohnten Ablauf nicht mehr haben?“, fragt Meiners und ergänzt: „Die Würde des Menschen wurde in dieser Zeit, für uns alle als erstmalige Erfahrung in solch einer Krise, nicht immer so geachtet, wie es hätte sein sollen. Wir alle haben daraus gelernt und schätzen danach hoffentlich wieder mehr das soziale Miteinander.“

Was aktuell auch noch ausfallen muss, sind die regelmäßigen Trauergruppen-Treffen des Vereins. Man versuche, telefonisch Kontakt zu halten. Doch es fehle das direkte Gespräch miteinander. „Man kann nicht mehr die Gefühle in den Gesichtern der Teilnehmer sehen und sich davon berühren lassen.“

Darüber hinaus hätten Trauernde oder Angehörige von Erkrankten immer mal wieder angerufen, um über die Nöte und Probleme zu sprechen, „damit sie die schwere Last überhaupt tragen können“. Aber auch, um sich bei administrativen Dingen beraten zu lassen. Denn viele Familien wüssten oft nicht, wie es weitergehen soll, wer helfen kann, wo Anträge gestellt werden können und worauf sie Anspruch haben. „Dann ist es unsere Aufgabe, mit unserem Netzwerk eine Hilfe aufzubauen. Ich kann die betroffenen Familien nur ermutigen, uns anzurufen. Dann finden wir gemeinsam heraus, was in welchem Krankheitsstadium benötigt wird“, sagt Meiners.

Positives gebe es hingegen vom Hospizler-Nachwuchs zu berichten. Obwohl die Ausbildung neuer Hospizler wegen Corona gerade pausiert, konnte das Weyher Hospiz-Team Sigrid Böttcher als neue Kollegin begrüßen. Böttcher habe ihre Ausbildung kurz vor Ausbruch der Pandemie abschließen können. „Wir freuen uns über Anmeldungen von Interessierten an der Ausbildung. Wann die Ausbildungen wieder anlaufen, kann ich zur Zeit nicht beantworten“, so Meiners.

Infos und Kontakt

Telefon: 0421/808074 oder 0160/91767525 E-Mail: info@hospiz-weyhe.de

Von Biljana Neloska

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