Circus Belly in Leeste

Statt Robby können Besucher Kamele sehen

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Marietto Köhler (18) hat zahlreiche Artistik-Nummern einstudiert. Er kümmert sich aber auch um Tiere. Hier schaut er nach Kamelen.

Leeste - Von Sigi Schritt. Verwechslungsgefahr in Leeste: Wer den Circus Belly auf dem Westermoor besucht und dort den mehr als über 40 Jahre alten Schimpansen Robby vermutet, wird das schlagzeilenträchtige Tier nicht antreffen.

Karin Köhler: Nicht in „ihrem“, sondern im Zirkus Belly des Bruders ihres Mannes Hans-Jürgen lebe das berühmte Tier. Die Leesterin kann den Rummel um den letzten Menschenaffe in einem Zirkus nicht verstehen. Das Verwaltungsgericht in Lüneburg hatte vor wenigen Tagen entschieden, dass Robby in eine auf die Resozialisierung von Menschenaffen spezielle Einrichtung abgegeben werden müsse. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Rechtsmittel sei eingelegt.

Für die Weyherin, die mit ihrem Zirkus ein Heimspiel feiert, müsse der Einzelfall gewertet werden. Es sei nicht mehr zeitgemäß, bestimmte Tierarten zur Schau zu stellen, räumt sie ein, wobei die Menschenaffen grundsätzlich dazu gehören. Robby sei aber kein junges Tier mehr, er habe sich längst an die Familie und die Abläufe gewöhnt. „Sofern mein Schwager auf den Platz fährt, freut sich Robby, wenn er die Wagengeräusche wahrnimmt“, gibt die mehrfache Mutter und Großmutter ein Beispiel. 

Robby sei ein gutmütiges Tier, das nur deshalb friedfertig sei, weil es sehr gut behandelt werde. Müsse er den Kreis der vertrauten Umgebung verlassen, sei das sein Todesurteil, ist sich die Weyherin sicher. Die Leesterin überlegt noch, wie ihre Familie der Verwandtschaft ihres Mannes helfen kann – etwa mit einer Unterschriftenaktion oder Spenden, um Gutachten für die nächste gerichtliche Instanz zu finanzieren.

Zunächst bereite „ihre“ Familie die Shows für Samstag um 16 Uhr und Sonntag 15 Uhr vor. Eine Wiederholung gibt es in einer Woche. Das Veterinäramt vom Landkreis Diepholz hat Grünes Licht gegeben: Die Amtstierärztin Kerstin Flebbe hatte gestern Nachmittag den Gesundheits- und Ernährungszustand von 50 Tieren, darunter Kamele, Lamas und Pferde, kontrolliert und äußerte sich zufrieden. 

Ein ganzes Team umsorgt die Tiere, darunter auch der Enkel der Leesterin, Marietto Köhler. Disziplin sei sehr wichtig. Deshalb beginne der Tag bereits um 5.30 Uhr mit der Fütterung der Tiere. Der 18-Jährige ist aber nicht nur für die Tiere mitverantwortlich, er zeigt an den Tagen auch Akrobatik. Obgleich er keine Artistikschule besucht hat, bedeutet das nicht, dass es keine aufwendigen Nummern gibt. Im Gegenteil. 

„Wir holen uns Ideen im Internet bei Youtube“, berichtet er. Die Grundtechniken bringe die Verwandtschaft ein. Von ihm könne das Publikum Drahtseil- und Jonglage-Nummern sowie Saltos erwarten. Dabei überwinde er mehr als sieben Meter, berichtet er. „Wir bieten unserem Publikum eine zweistündige Show mit dem Schwerpunkt Tierdressur und Artistik“, kündigt Karin Köhler an. Im ersten Gastspiel nach der Winterpause würden Eltern und Kinder in das Programm integriert.

Im Anschluss gastiert der Zirkus in Syke am Hallenbad und reist dann weiter nach Bruchhausen-Vilsen.

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