Gemeinde und Nabu kooperieren für gemeinsame Umweltprojekte rund um die Ochtum

Statt Klage: Zusammen geht’s besser

Frank Seidel (r.) zeigt auf eine Fläche, auf der ein Biotop entstehen soll.
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Frank Seidel (r.) zeigt auf eine Fläche, auf der ein Biotop entstehen soll.

Weyhe – Einen Streit beilegen und einen Kompromiss aushandeln – dazu gehört Größe. Das ist sowieso allemal besser als bei Meinungsverschiedenheiten vor Gericht zu ziehen, wissen Juristen. Der Ausgang ist manchmal ungewiss, und eine Entscheidung kostet immer Geld. Am Ende des Verfahrens steht womöglich sogar ein Ergebnis, das gar nicht gewollt war. Diese Überlegungen seien offenbar die Motivationsgründe für den Naturschutzbund Weyhe gewesen, auf eine Klage gegen die Gemeinde zu verzichten (wir berichteten).

Der Nabu hatte massiv die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Dreye-West III kritisiert.

Die Klageandrohung sei nie ein Bluff gewesen, so Brugger. „Wir hatten Stress, muss man sagen“, räumt auch Bürgermeister Seidel (SPD) ein. Die Gemeindeverwaltung habe die Androhung ernst genommen. „Ich hatte nie das Gefühl, dass jemand pokert.“ Die Reibereien sind jedenfalls vom Tisch.

Worum ging es? Thomas Brugger monierte in einer Sitzung des Bauausschusses 2019, dass weder das zuständige Planungsbüro noch Verwaltungsvertreter die Zweifel ausgeräumt hätten, weshalb das Gewerbegebiet Dreye-West III ausgerechnet in eine Ausgleichsfläche expandieren soll und bis auf 50 Meter an die Ochtum heranrücken soll. Der Nabu wollte den Vollzug des Bebauungsplans stoppen lassen, weil der Verband der Meinung war, dass der geschützten Vogelart Rohrweihe das Bruthabitat genommen würde.

Nun die Kehrtwende: Gemeinsam mit der Gemeinde habe der Nabu eine Lösung erarbeitet, wie das Gewerbegebiet erweitert werden könne und trotzdem die Umwelt gewinnen kann.

Das Ergebnis stellten Vertreter des Nabu und der Gemeinde am Rande einer Biotop--Fläche am Ende der Straße Horstkamp vor.

Es gehe jetzt darum, entlang der Ochtum so viele Flächen wie möglich zu vernetzen, die an der Ochtum und in der Nähe davon liegen.

Die Ochtum ist ein 26 Kilometer langes Gewässer und entspringt im Kirchweyher See. Für die Gemeinde und für den Nabu sei es das Ziel, einen Rückzugsraum für die Flora und Fauna zu schaffen. Es gehe um 25 Hektar Biotopfläche und nicht nur um ein einzelnes Projekt, sondern ein ganzes Bündel.

Dass die Gemeinde wegen der Versiegelung der avisierten Dreye-West-III-Erweiterungsflächen Ausgleich in der Leester Marsch schafft, sei selbstverständlich.

Zur Erweiterung des Gewerbeareals Dreye-West III, schräg gegenüber der Ochtum, merkt Thomas Brugger an, dass es zwar komme, aber etwas anders als ursprünglich gedacht. So würde der neue Abstand zur Ochtum nicht 50, sondern 60 Meter betragen. Diese zehn Meter würden schon eine Menge bringen. Außerdem würden die Gebäude eine Nummer kleiner ausfallen und auf dem Gewerbeareal so positioniert, dass im hinteren Teil des Geländes wenig Bewegung sei.

Damit nicht genug. Auf eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Nordwesten verzichte die Gemeinde. Sie versuche, Fördermittel zu bekommen, um ein Biotop anzulegen.

Bürgermeister Frank Seidel zeichnet die Lage auf einer großen Karte ein, die an einer Seite des Streetwatcher-Busses befestigt ist. Brugger rechnet mit Kosten in einem mittleren sechsstelligen Bereich. Das Biotop könnte in zwei Jahren fertiggestellt sein. „Die Erdarbeiten sind das Teuerste.“

Für den Lehmboden würde sich laut Brugger die Stiftung Naturschutz interessieren. Der Lehmboden, der im neuen Biotop herausgenommen wird, könnte wiederum zum Deichbau oder zur Abdichtung des Untergrunds im Kleinen Moor beim Böttchers Moor verwendet werden.

Der Umweltbeauftragte Ulf Panten sagte, dass für das Projekt wasserrechtliche Genehmigungen eingeholt werden müssten, weil das Grundwasser angeschnitten werden würde. Das Info-Treffen in der Leester Marsch sehen Nabu und Gemeinde als Auftakt an. Es gelte, mit der Politik zu sprechen und um Fördermittel zu ringen, so Seidel.

Das bereits vorhandene Biotop am Horstkamp soll ebenfalls erweitert werden und an einer Seite einen Zugang zur Ochtum bekommen. Es werde also vergrößert, freut sich der Nabu-Vorsitzende.

Von Sigi Schritt

Soll erweitert werden: das bestehende Biotop.

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