Stärkung für Hunderte Radler und Tausende Pendler

Ehepaar Kuck eröffnet ersten Weyher Milchautomaten 

Gerrit und Wiebke Kuck (mit der zehn Monate alten Levke) verkaufen ab dem kommenden Dienstag frische Milch an einem Automaten. Das Gerät kann sogar Scheine annehmen und auch herausgeben. - Foto: Husmann

Dreye - Von Philipp Köster. Wiebke und Gerrit Kuck eröffnen den ersten Weyher Milchautomaten. Und das nicht irgendwo. Das Paar führt einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Viehhaltung direkt am Weserdeich. Ab kommendem Dienstag macht Milch müde Radler munter, die als Touristen oder Berufstätige den Weserradweg nutzen.

Aber nicht nur sie: „Das Interesse im Ort ist sehr groß. Und wir erhoffen uns auch, dass von den 25 000 Pendlern, die die Umgehungsstraße nutzen, viele zu uns kommen. Das Potenzial ist da“, sagt Gerrit Kuck. Das Einzugsgebiet ist jedenfalls groß, die nächsten Milchtankstellen befinden sich in Lunsen und Stuhr. Und Wiebke Kuck weiß von Achimern, die extra nach Lunsen fahren, um frische Milch direkt vom Erzeuger zu kaufen. Um auf ihr Angebot aufmerksam zu machen, hat die Familie Schilder bestellt, die in diesen Tagen geliefert werden sollen, und Infokarten sowie Aufkleber drucken lassen.

Streng genommen handelt es sich aber gar nicht um eine „Milchtankstelle“. Die Kucks dürfen den Namen auch nicht verwenden, sondern verkaufen ihre „Deich-Milch“. Denn die Firma Hensing, die für andere Landwirte unter jenem geschützten Namen den Vertrieb organisiert und auf Wunsch vermarktet, verlangt, dass die „Tankstelle“ 24 Stunden am Tag öffnet. Das möchte Gerrit Kuck aber nicht. Sondern er passt die Öffnungszeiten an den Beginn und das Ende seines Tagesablaufs an: von 5.30 bis 22 Uhr.

200-Liter-Tank mit Rührwerk und Kühlung

Früh morgens will er ab Dienstag die neue Holzhütte aufsperren. Er hat den Bausatz mit Unterstützung selbst zusammengezimmert und zuvor den Boden gepflastert. In der Hütte steht der Automat. Darinnen befindet sich ein 200-Liter-Tank mit Rührwerk, Sauglanze und Kühlung. „Die Milch hat immer konstant vier Grad Celsius“, sagt der 47-Jährige. Das Rührwerk ist nötig, damit „nicht die Ersten dünne Milch bekommen und die Letzten nur noch Sahne“.

Das Prozedere ist kinderleicht. Der Kunde wirft Geld ein, sogar Scheine kann der Automat wechseln, und er gibt auch nicht nur Hartgeld raus. Dann drückt man auf einen Knopf und die Milch fließt in die Flasche. Es gibt Ein-Liter-Glasflaschen, aber auch Halbliter-Plastikflaschen, „für die Radler auf dem Weserradweg zum Beispiel“, sagt Wiebke Kuck. Da es sich um Rohmilch handelt, muss die 37-Jährige empfehlen, das Getränk vorher zu erhitzen. Natürlich kann man es aber auch so konsumieren.

Ein Liter kostet einen Euro. Reich werden die Kucks mit dem Erlös aus den avisierten durchschnittlich 60 Litern verkaufter Milch pro Tag nicht, aber es „ist ein kleiner Baustein“, sagt der Landwirt. Für das Wochenende und den Sommer mit vielen Touristen rechnet das Paar aber auch mit deutlich mehr Betrieb. Wenn der Tank leer ist, kann ja immer nachgefüllt werden.

Immer mehr Berufskollegen versuchen mit direkter Vermarktung ein paar Euro dazu zu verdienen, bieten neben Milch und Käse auch Kartoffeln und andere Erzeugnisse vom Hof an. Denn der aktuelle Preis für den Liter Milch, den die Bauern von den Molkereien bekommen, lag laut Gerrit Kuck im September bei 23 Cent, für den Oktober sind 26 Cent in Aussicht gestellt. „Damit machen wir wenigstens kein Minus mehr.“ 30 Cent pro Liter müssten es wenigstens sein.

Kein Wunder, dass es in Weyhe nur noch eine Handvoll Milchbauern gibt. Die Kucks können sich mit ihren 30 Kühen einen vergleichsweise kleinen Betrieb leisten, weil alles abgeschrieben ist. „Sonst heißt es immer: Alles unter 100 Kühen kann nicht wirtschaftlich sein.“ Der heutige Inhaber hat den Hof 1997 von seinen Eltern gepachtet, seit 2007 gehört er ihm.

Der Automat soll der erste Schritt sein. Wenn es gut läuft, wollen die Kucks weitere landwirtschaftliche Produkte verkaufen. Die idyllische Lage in der Nähe der Alten Weser passt schon mal.

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