Spurensuche in Schlamm und See

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Nur einige Pfosten ragen aus dem Wasser und erinnern an die Zeit, in der im Kirchweyher See noch gebadet wurde.

Kirchweyhe - Von Wilfried Meyer. Ältere Kirch- und Sudweyher Einwohner berichteten früher häufig von der Badeanstalt im Kirchweyher See. Das war um 1980, zu einer Zeit, als der See schon nahezu verlandet war.

Schwer vorstellbar, dass dort einmal Kirchweyher Wasserratten in das kühle Nass gesprungen sind. Zimmermann Ernst Schüttemeyer aus Erichshof hatte damals die Pfosten für die Stege und Sprungtürme in den See gerammt. Um das Kindern zu demonstrieren, hatte er sogar ein kleines Modell gebaut.

Auf Spurensuche am See zeigen sich schon 1980 letzte Andenken: Aus dem verlandeten Bereich ragten sechs fast verrottete Pfähle heraus. Es waren die Reste der Stege. Schon 1920/21 entstand für die damalige Zeit eine recht gute Bademöglichkeit, schließlich war der See noch fast 1 300 Meter lang und hatte teilweise eine Tiefe von zwei Metern. Im ersten Drittel des Sees schufen schwimmbegeisterte Bürger, zumeist Eisenbahner, Handwerker und Dorflehrer, in Eigenleistung eine 50-Meter-Bahn mit hölzernen Start- und Zielbrücken. Als Umkleidekabinen dienten alte Eisenbahnwagen, die mühsam auf Rollen über Kops-Esdohrs Weiden zum See transportiert wurden.

Unter der Leitung des Eisenbahners Willi Behrens („Onkel Willi“) gründete sich der „Schwimmverein Wasserfreunde Kirchweyhe“. Die rund 50 Mitglieder luden fast jedes Jahr zu einem großen Schwimmwettkampf ein, den die Veranstalter mit so genannten „Wasserscherzen“ auflockerten. Als Gäste machten überwiegend Bremer Schwimmvereine mit.

Das Vereinslokal war bei Hermann Warnken, genannt „Dassel“, in Sudweyhe, heute ein Wohnhaus an der Ecke Sudweyher Straße/Hoher Geestweg. Heinrich Winnecke, später der „Vater der Lahauser Badeanstalt“, gehörte damals ebenfalls zu den Mitbegründern.

Die zunehmende Verlandung des Kirchweyher Sees und die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs ließen alle Schwimmsportaktivitäten verebben. Der See lag später in einem Landschaftsschutzgebiet und verschlammte so stark, dass teilweise nur noch eine Wassertiefe von zehn Zentimetern blieb.

Nach 24-jährigen Planungen und Verhandlungen nahm man im Herbst 1998 eine Renaturierung des Sees vor. Dafür pumpte ein Saugbagger rund 45 000 Kubikmeter Schlamm ab. Bademöglichkeiten wird es dort allerdings nicht mehr geben; sie sind aus naturschutzrechtlichen Gründen auch nicht erlaubt.

Vorher mündete die Hache im letzten Drittel in den See. Um zukünftige Verlandungen zu verhindern, schufen die Wasserbauer für den Süstedter Bach einen Schlammfang und leiteten die Hache am See vorbei, direkt in die Ochtum. Ihren Namen hat sie an dieser Stelle allerdings verloren.

Bei der Entschlammung blieben übrigens die alten Holzpfosten verschont, sie sind immer noch zu erkennen. Und das nach immerhin fast einem Jahrhundert.

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