Inklusionsprojekt entspringt einer Idee

Neues Sportangebot für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen in Weyhe

Die Bewohner der Wohngruppe am Schlehenkamp trommeln beim TSV Blau-Weiß Melchiorshausen.
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Die Bewohner der Wohngruppe am Schlehenkamp trommeln beim TSV Blau-Weiß Melchiorshausen.

Weyhe – „Ich bin ein Pandabär, ich bin ein Pandabär. Du kannst mich knuddeln, kannst rubbeln bis zu geht nicht mehr!“ Die Musik schallt laut durch die Halle des TSV Blau-Weiß Melchiorshausen. Birgit Sündermann trägt ein blaues Plüsch-Kostüm. Die Vorsitzende des Vereins hüpft durch den Raum. 16 Bewohner der Lahauser Wohngruppe am Schlehenkamp wippen im Takt mit und schlagen mit Schlagzeug-Sticks auf rote Bälle.

Diese Bälle sind in einem Kreis angeordnet. Sündermann geht von Sportler zu Sportler, hält immer wieder ihre Sticks in die Höhe. Ihr Gegenüber ahmt das Verhalten nach – die Sticks knallen aufeinander. Nacheinander klatscht Birgit Sündermann die Teilnehmer ab.

Man merkt sofort: Die geistig und körperlich eingeschränkten Menschen sowie ihre Betreuer haben bei diesem Sport nicht nur Spaß, sie feiern eine große Party.

Autisten aus Bremen stoßen zur Gruppe

Das neue Angebot des Vereins speziell für geistig eingeschränkte Menschen kommt offenbar an. Es sei nicht nur für die Wohngruppe der Lebenshilfe bestimmt, sondern als Integrations- und Inklusionsprojekt offen für andere, sagt Birgit Sündermann. Am nächsten Freitag würden Autisten aus Bremen zur Gruppe stoßen. Am Ende des Kurses sollen die Teilnehmer eine Choreografie beherrschen. Man müsse sich noch auf ein Lied einigen, zu dem die Teilnehmer im Rhythmus auf die Bälle schlagen. „Ich möchte mit den Teilnehmern einen Auftritt bestreiten.“

„Die Bälle, auf denen die Lahauser trommeln, sehen zwar aus wie übliche Gymnastikbälle, doch unsere sind viel dünner. Deshalb platzt ein Ball schon einmal.“

Nachbarin hatte Idee für Angebot

Auf die Idee, ein Angebot für geistig und körperlich behinderte Menschen zu entwickeln, sei eine Nachbarin der Vorsitzenden gekommen. In Weyhe und Umgebung gebe es kaum Kurse dieser Art. Wer davon profitiert, sei sehr dankbar, ist sich Sündermann sicher. Die Teilnehmer würden sogar für jene Sportstunde in Melchiorshausen andere Termine sausen lassen oder sie verlegen.

Nach zwei erfolgreichen Proben folgt nun ein festes Angebot des Vereins: So wird aus einer Idee ein Inklusionsprojekt. Weitere Sportler seien willkommen.

Vierstellige Anzahl von Schlägen

„Das Trommeln und die Schläge über Kreuz sind wichtig, um die Koordination und die Konzentration zu üben“, berichtet Sündermann. „Wann geht schon mal die rechte Hand über die linke Seite und umgekehrt? Wir trainieren das.“ Innerhalb des Trainings würden jeder eine vierstellige Anzahl von Schlägen ausführen. Das sei „eine schweißtreibende Angelegenheit“. Die Musik komme dabei von der CD oder von einem Streamingdienst. „Wegen des Blasorchesters haben wir als Verein bei der GEMA einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Davon profitiert jetzt auch diese neue Trommelgruppe.“

Die erste Vorsitzende sieht in dem neuen Angebot einen weiteren Schritt, den Masterplan Inklusion im niedersächsischen Sport umzusetzen. Bis 2030, so erklärt Sündermann, sollen Vereine sich so weiterentwickeln, dass Menschen mit Behinderungen unter anderem als Teilnehmende im Sportbetrieb auf Augenhöhe mit anderen Sportlern ihren Platz finden. „Wir verstehen uns als Impulsgeber.“

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