Spielraumtheater bittet zur Premiere und führt das Stück „Der Freigeist“ auf

Eröffnung mit spontaner Demo an der Bundesstraße

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Platz ist in der kleinsten Hütte: Das Spielraumtheater hat einen ehemaligen Supermarkt in eine Spielstätte verwandelt.

Seckenhausen - Von Angelika Kratz. Zum aufputschenden Indianergeheul haben sich am Freitagabend alle Akteure des Spielraumtheaters in Seckenhausen an den Schultern gefasst und riefen in einem großen Kreis alle Kräfte für eine Premiere wach. Die Zeremonie in wunderschöner Bühnenkleidung war eine spontane Openair-Demonstration an der B 51 und passte zum neuesten Stück „Der Freigeist“.

Der Protagonist Denis Diderot (sehr überzeugend gespielt von Stefan Gerding) konnte unter dem vorgetäuschten Mäntelchen eines Philosophen seine sexuellen Gelüste nicht verbergen und vergaß somit manchen druckreifen Gedanken über die Moral. Die Frauenwelt in einem fiktiven Jahrhundert, zeigte sich  moralisch auch keinen Deut besser. Anna Dorothea Therbouch (Gesa Rüger) gab vor, den berühmten Philosophen ganz wie Gott ihn schuf, porträtieren zu wollen. Leider war er nur eines ihrer vielen Opfer, denn nicht minder sexgeil siegte dennoch die hochkarätige Kunstsammlung vor dem Austausch körperlicher Säfte. Als unerwünschte Faktoren ihres Plans musste die begabte, dennoch klauende Künstlerin den stets störenden Sekretär des Philosophen (Tim Strusina) ertragen. Das immer wieder angekündigte Techtelmechtel kam auch durch Diderots vielfach betrogene Ehefrau Antoinette (Debbi Beringer), Tochter Angélique mit ungewöhnlichem Kinderwunsch (Nele Hamsch-Müller) und dem Adelsfräulein d‘Holbach (Rena Hambsch-Müller) nicht wirklich in Schwung. Das Feuer wurde in vielerlei Richtung geschürt, ging aber jedes Mal abrupt aus.

„Ein Mensch sucht nicht nach dem Guten, sondern was ihm Vergnügen bereitet“, amüsierte sich das Publikum über eine von vielen mit schauspielerischer Lust und Überzeugung vorgetragenen Lebensweisheiten im Spielraumtheater. 

Der Autor des Stückes, Eric-Emmanuel Schmitt, Jahrgang 1960, studierte in Frankreich Musik und Philosophie, und er gilt als einer der erfolgreichsten Dramatiker der heutigen Zeit.

Regisseur Peter Koschade hatte ein Glückshändchen mit der vierten Produktion des noch jungen Theatervereins im ehemaligen Supermarkt an der Bundesstraße.

Spielfreude, lange perfekte Textpassagen und das nötige kleine „Zwischendurch“ mit dem Lachen aus dem Publikum bei den winzigen, dennoch lustigen Patzern, sorgte für die genau richtige Mischung. Möglichste Profession aller Schauspieler mit dem nötigen  lockeren Spritzer eines Laiendarstellers war genau das richtige Rezept für eine rundum gelungene Premiere. „Non, je ne regrette rien“, seufzte die legendäre Edith Piaf aus dem Hintergrund. Dann bedachte das Publikum alle Aktiven, darunter auch Souffleuse Beverly Huntemann, Dennis Block an der Technik und Regisseur Peter Koschade mit lautstarkem Applaus.

Gelungen war die Umsetzung eines sicherlich in alle Richtungen offenen Stückes, nicht nur mit vielen tiefen Hintergrundgedanken, sondern auch gerade mit einem Blick auf eine winzig kleine Bühne. Auf der wäre allzu viel nackte Haut kein guter Gedanke gewesen.

Ein Lob an die Regie und alle Beteiligten, die mit manchem Sinn für hintergründigen Humor bei den Requisiten für  so manches Grinsen auf dem Gesicht der Premierenbesucher sorgten.

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